Ein Advent ohne Basare: „Wir lassen uns nicht entmutigen“

Vorweihnachtszeit ohne Basare: Viele Absagen, aber auch kreative Versuche, Gebasteltes und Gebackenes doch noch verkaufen zu können. Für Hilfsaktionen fehlt das Geld.

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Auf Weihnachtsmärkten sollten die Produkte von Menschen mit Suchterkrankungen der Caritas-Kreativwerkstatt „Abrakadabra“ verkauft werden, sie sind heuer online erhältlich. Im Bild Silvia Tröscher von der Caritas-Zentrale.
© Caritas/Bachmann

Von Michaela S.-Paulmichl

Innsbruck –Als klar war, dass der Pfarradvent nicht wie geplant stattfinden kann, hat das Organisationsteam der Pfarre Angath-Angerberg- Mariastein die Pläne geändert. „Wir lassen uns nicht entmutigen und stecken unsere ganze Energie in ein anderes Projekt: Ab 1. Dezember wird aus dem Pfarrhaus ein riesiger Adventkalender, dazu wird jeden Tag eine kleine Geschichte zum Download auf unserer Homepage www.pfarre-angath.at veröffentlicht.“ Bis zur letzten Geschichte werden 24 Fenster leuchten“, erzählt Pastoralassistentin Mona Mráz. Sie hofft, dass damit auch wieder Spenden für eine Tiroler Hilfsaktion in Uganda (www.perspektivefuerkinder.at) eingenommen werden können.

Traditionell finden in der Vorweihnachtszeit Adventbasare, aber auch viele andere Aktionen statt, deren Erlöse für einen guten Zweck gedacht sind. Nachdem schon im vergangenen Jahr durch die Ausgangsbeschränkungen viele Hilfsprojekte nicht unterstützt werden konnten, fürchten die Organisatoren, geplante Aktionen erneut absagen zu müssen. Auch mit den Einnahmen des Pfarrbasars in Volders wird traditionell seit Jahrzehnten Menschen in Not unter die Arme gegriffen. Nachdem man diesmal guter Dinge war, mit 2 G durchstarten zu können, kam die Meldung vom Lockdown überraschend. Doch da etwa 100 freiwillige Helfer in die Vorarbeiten involviert waren, wurde kurzfristig ein „Pfarrbasar heuer wieder anders“ ins Leben gerufen, berichtet Pfarrkurator Bruno Tauderer. Wer bis 1. Dezember seine Wünsche bekannt gibt, bekommt pünktlich zum Nikolaus-Wochenende Besuch aus der Pfarre, im Sackerl Brot, Zelten oder Kekse, Torten, Liköre und Marmeladen, Barbarazweige oder Selbstgebasteltes. Näheres unter www.pfarre-volders.at

Zwei Lkw-Container mit Hilfswaren schickt die Rumänienhilfe Inzing pro Monat nach Satu Mare, vor Weihnachten sollen wieder rund 800 Geschenke verpackt und aufgeladen werden. Schon im vergangenen Jahr mussten Hunderte Kinder wegen des Lockdowns auf ihre kleinen Pakete mit ein paar Süßigkeiten und warmen Handschuhen warten. „Es ist das einzige Geschenk, das sie zu Weihnachten bekommen“, sagt Organisatorin Christl Scharmer. Der Transport wird mit den Einnahmen eines Basars bezahlt, ganz ist sich das mit dem bisherigen Verkauf selbst hergestellter Adventkränze noch nicht ausgegangen. Robert Schmidhofer, der für die Weihnachtsaktion der Rumänienhilfe verantwortlich ist und in dessen Wohnung sich die gesammelten Pakete bereits stapeln, ist aber zuversichtlich. „Allerdings waren viele unserer Helfer verunsichert, ob die Aktion zustande kommen wird.“

Der große Basar der Waldorfschule in Innsbruck sollte dieses Jahr Corona-gerecht im Freien stattfinden, dafür wurde extra die Genehmigung eingeholt, die Straße für Stände zu sperren. Nun ist nur eine Takeaway-Station für Materialien zum Adventkranz-Binden, die auch heute noch offen ist, übriggeblieben. Die vielen anderen Produkte, die Eltern und Pädagogen in den vergangenen Wochen zum Verkauf vorbereitet haben, gibt es online (bazar.waldorf-innsbruck.at) zu erstehen. „Der Aufwand dafür ist enorm, die Einnahmen allerdings geringer“, sagt Organisatorin Alexandra Berner. Diese werden für Renovierung und Schulmaterialien dringend benötigt.

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„Abrakadabra“, die Kreativwerkstatt der Caritas in Innsbruck, kann ihre Waren in diesem Jahr nicht wie gewohnt auf Weihnachtsmärkten anbieten. Die kleinen Geschenke können von allen, die das Team – die Klienten leiden an verschiedenen Suchtkrankheiten – unterstützen wollen, nun online unter caritas-tirol-shop.at erworben werden.

Auch die Lebenshilfe Tirol verkauft manche ihrer Produkte auf Christkindlmärkten. „Da wir zunehmend auf eigene Shops, Auftragsarbeiten und Kooperationen setzen, spielen sie für uns mittlerweile aber eine untergeordnete Rolle. Was uns aber alle schmerzt, ist, dass durch die Absage vieler Adventmärkte auch Begegnungen nicht stattfinden können, auf die wir uns so gefreut haben und die für die Gemeinschaft so wichtig sind“, so Geschäftsführer Georg Willeit. Er verweist auf die Naturtalent-Shops der Lebenshilfe in Brixen im Thale und St. Johann, wo regionale Produkte von Bauern und Eigenproduktionen wie Honig, Salben, Öle und andere Geschenkartikel angeboten werden. Auch an einigen Standorten der Lebenshilfe gibt es Möglichkeiten, Produkte abzuholen oder zu kaufen, wie etwa im Dorfladen in Schwaz.


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