Lockdown: Handel und Gastronomie schlagen Alarm

Der Handel pocht auf Öffnung ab 13. Dezember sowie am 4. Adventsonntag und spricht von weit verbreiteten Existenzängsten. Der Gastro-Sprecher warnt: Mitarbeiter wollen keine Kurzarbeit, wandern in die Schweiz ab.

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Der Handel rechnet fix mit einer Öffnung ab 13. Dezember. Die Gastronomie dagegen befürchtet eine Lockdown-Verlängerung.
© Rudy De Moor

Wien – Österreichs Handel geht davon aus, am 13. Dezember fast alle Geschäfte wieder aufsperren zu dürfen (mit Ausnahme von Oberösterreich, wo der Lockdown voraussichtlich bis zum 17. Dezember dauern wird). Der Handel rechnet auch damit, am Sonntag, den 19. Dezember, außertourlich aufsperren zu dürfen, um einen Teil des umsatzstarken Weihnachtsgeschäfts nachzuholen. Die NEOS fordern, den Handel an jedem Adventsonntag wieder aufzusperren, um das Weihnachtsgeschäft zu retten.

„Jeder weitere Tag, an dem wir im Weihnachtsgeschäft geschlossen halten müssen, befeuert das Händlersterben“, warnt Handelsverband-Chef Rainer Will. Laut einer Umfrage des Handelsverbands sind 57 Prozent der Handelsunternehmen von Existenzängsten geplagt. Jede fünfte Handelsfirma kann das Weihnachtsgeld nicht zeitgerecht auszahlen. 17 Prozent fürchten eine Insolvenz in den nächsten ein bis drei Monaten. Ein Drittel der Händler sieht sich gezwungen, Personal zu reduzieren.

Nur jedes siebente befragte Handelsunternehmen ist mit der Abwicklung der Corona-Staatshilfen zufrieden. Dies liegt wohl daran, dass die Details der neuen Hilfen noch ausstehen und die Treffsicherheit und der zeitnahe Erhalt angezweifelt werden. 70 % der 236 befragten Händler wollen eine Sonntagsöffnung am 19. Dezember.

Und wie geht es für die Gastronomie weiter? Ob und unter welchen Bedingungen auch die Gastronomie am 13. Dezember wieder öffnen darf, ist eine Woche nach Inkrafttreten des Lockdowns nämlich mehr als ungewiss. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende dieser Woche erfahren, ob wir am 13. Dezember aufsperren dürfen“, sagt Gastronomie-Spartenobmann Mario Pulker. Sollte das Datum nicht halten, geht Pulker von weiteren Stornierungen im Tourismus aus. Am schlimmsten wäre es, wenn der Lockdown so wie vergangenen Winter erneut immer wieder verlängert würde. Letztlich hatte die Branche voriges Jahr mehrere Monate geschlossen.

Pulker berichtete von Mitarbeitern, die sich geweigert hätten, ein weiteres Mal auf Kurzarbeit zu gehen. Bei 20 Tagen gehe sich das mit Urlaub und Zeitausgleich aus, länger aber nicht. Auch würden Österreicher, aber auch Saisonniers in die Schweiz gehen, weil dort die Wintersaison stattfinde. Von österreichweit 2 G plus (Zutritt nur für alle Geimpften und Genesenen, die zusätzlich einen aktuellen negativen Corona-Test haben) hält Pulker wenig, weil die Testinfrastruktur außerhalb Wiens nicht funktioniere. Schon bei der 2-G-Regel ohne zusätzliche Testpflicht seien weniger Leute gekommen. Nach 20 Monaten Pandemie sei die Stimmung schlecht. (TT, APA)


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