Osttirol

Drei Beine gegen den Borkenkäfer in Osttirol

Über das dreibeinige Gerüst ist ein Netz mit einem Wirkstoff gespannt, der die Borkenkäfer anlockt und dann abtötet.
© Witasek

In Osttirol vermehren sich die Borkenkäfer rasant. Ein neues System erspart die Verwendung von giftigen Spritzmitteln.

Von Catharina Oblasser

Lienz – Rund 50.000 abgestorbene Bäume, Tendenz steigend. Schlechtere Holzqualität und damit ein niedrigerer Preis. Zehn Millionen Euro, die heuer und nächstes Jahr für Maßnahmen im Wald aufgebracht werden müssen. Und: Schäden, die man noch gar nicht abschätzen kann, weil der Wald seine Schutzfunktion verliert und deshalb Verbauungen, Steinschlagnetze und Dämme gebaut werden müssen.

All das geht auf den Borkenkäfer zurück, der sich in Osttirol seit dem Sturmtief „Vaia“ 2018 in bisher gezählten 1412 „Nestern“ rasant vermehrt. „Explosionsartig“, so nennt es Erich Gollmitzer, Leiter der Bezirksforstinspektion in Lienz. „Einen derart großflächigen Borkenkäferbefall, wie wir ihn derzeit erleben, hat es in Osttirol noch nie gegeben.“

Deshalb planen die Forstleute, ab dem nächsten Frühjahr ein System namens „Trinet®“ einzusetzen. Es besteht aus einem dreibeinigen Gestell mit einer Höhe von bis zu 2,8 Metern. Darauf ist ein Netz gespannt, das mit Duftstoffen die Borkenkäfer anlockt und dann unschädlich macht. Ein Wirkstoff, der fest ins Netz eingewebt ist, macht die Tiere unschädlich.

„So haben wir ein System, das eine größtmögliche Verträglichkeit mit unserem Naturraum aufweist“, erklärt Gollmitzer. „Das ist uns besonders wichtig. Daher kommt auch die Ausbringung von Spritzmitteln für uns nicht in Frage.“ Pro Baum bräuchte man fünf Liter, und die Flüssigkeit würde dann im Boden bleiben.

Einziger Wermutstropfen beim Dreibein: Auch einige andere Insektenarten werden vom Duftstoff angelockt. Für andere Waldtiere ist das Gestell unschädlich. Rund 3000 solche Dreibeine sollen ab März im ganzen Bezirk aufgestellt werden, das ist auch in steilen und unzugänglichen Gebieten möglich. Der Bezirksforstinspektor appelliert an Wanderer und Bergsteiger, die Dreibeine nicht zu berühren. „Und sollte jemand ein beschädigtes Gestell oder Netz sehen, bitte an die Gemeinde melden“, fügt Gollmitzer hinzu. Er hofft nun auf einen schneearmen, kalten Winter. Denn das hemmt die Entwicklung der Käfer.

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Catharina Oblasser

Catharina Oblasser

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