Platter gegen "Panikmache" bei Omikron, Geld-Anreize in Tirol für Pflegeausbildung

Tirols LH versicherte, dass man die neue Mutante "sehr ernst" nehme, aber Panik fehl am Platz sei. Ein Stipendium von bis zu 470 Euro monatlich soll mehr Menschen in den Pflegeberuf bringen. Außerdem kommt eine Covid-Zulage für Ärzte und Pfleger.

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Die Landesregierung kündigte an, Menschen durch monetäre Anreize in den Pflegeberuf bringen zu wollen. Dafür wurde nun ein Stipendium angekündigt, das während der Ausbildung ausbezahlt wird.
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Innsbruck – Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat sich am Dienstag bei einer Pressekonferenz gegen "Panikmache" im Zusammenhang mit der Omikron-Variante ausgesprochen. Er versicherte, dass man die Mutante "sehr ernst" nehme, fügte jedoch hinzu: "Panik machen müssen wir aber auch nicht." Zu den drei Omikron-Fällen vom Montag sind bis dato keine weiteren hinzugekommen. Die vier bisher ausstehenden Testergebnisse von Reiserückkehrern sind negativ, teilte das Land mit.

"Das Virus mutiert immer wieder, in verschiedene Richtungen", verwies Platter auf Erläuterungen der Innsbrucker Virologin Dorothee von Laer. "Man muss sich anpassen", mutmaßte der Tiroler LH, dies seien aber wissenschaftliche Diskussionen, an denen er sich nicht beteiligen könne. Die Absonderung der drei betroffenen Personen im Bezirk Schwaz habe jedenfalls gut funktioniert. Platter sprach von "ordentlichen Maßnahmen".

Platter will keinen Lockdown-Alleingang für Tirol

Insgesamt seien den Behörden in Tirol derzeit weiterhin lediglich 31 Personen bekannt, die sich in den vergangenen 14 Tagen in einem südafrikanischen Land aufgehalten haben, informierte das Land in einer Aussendung. Reiserückkehrer, die in den vergangenen 14 Tagen aus den Ländern Südafrika, Lesotho, Botswana, Simbabwe, Mosambik, Namibia und Eswatini zurückgekehrt sind, werden weiterhin aufgerufen, umgehend vorsorglich einen PCR-Test zu machen.

Einen Alleingang Tirols in Sachen Verlängerung eines Lockdowns schloss Platter indes aus: "Wir werden mit Sicherheit von Tirol aus nichts Eigenständiges tun." Stattdessen verwies er auf eine bundeseinheitliche Vorgehensweise. Zudem sei die Sieben-Tage-Inzidenz im Sinken begriffen, sie lag am Dienstag bei 1.197 und sei schon bei 1.350 gewesen, sagte er. "Aber wir sind immer noch nicht da, wo wir hinwollen", hielt er fest. Es gehe aber "in die richtige Richtung".

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Rizzoli: PCR-Selbsttests "bis Ende des Lockdowns" auf Schiene

Landeshauptmann Platter ortete indes ein Problem bei der Durchführung von Corona-Tests, "in allen Bundesländern": "Die Kapazitäten sind sehr schwer erreichbar", gab Platter zu bedenken. Es sei einfach, in einer Verordnung etwas anzukündigen, für den Vollzug seien hingegen die Bundesländer verantwortlich.

Elmar Rizzoli, Leiter des Corona-Einsatzstabes des Landes, berichtete von einer "entsprechenden Anzahl von Testkits", die am Weg nach Tirol sei. Letzte Vertragsdetails mit Partnern und logistische Prozesse würden derzeit abgestimmt. Er sei guter Dinge, dass die PCR-Selbsttestprozesse "bis Ende des Lockdowns" auf Schiene sind, zeigte sich Rizzoli zuversichtlich. Das Land hatte Anfang November angekündigt, rund 200 PCR-Selbsttestboxen aufzustellen. Dies verzögerte sich aber aufgrund mangelnder Kapazitäten der Anbieter.

"Beim ersten Stich läuft es leider zu langsam"

Wie schon so oft betonten Landeshauptmann Platter und Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) die Wichtigkeit der Impfung. "Das ist das einzige, was hilft", unterstrich Platter. In der vergangenen Woche wurden im Bundesland insgesamt über 88.000 Impfungen verabreicht und in den vergangenen zwei Wochen wurden tirolweit 16.700 Erstimpfungen durchgeführt. "Beim ersten Stich läuft es leider zu langsam", kommentierte Leja.

"Wir haben schon viel erreicht", fand Platter. Er sprach sich klar für Strafen im Zusammenhang mit der angekündigten Impfpflicht aus. In die Gespräche auf Bundesebene seien die Landeshauptleute noch nicht eingebunden.

Stipendium für Pflege-Ausbildung und Covid-Zulage

Die Landesregierung kündigte bei der Pressekonferenz auch an, Menschen durch monetäre Anreize in den Pflegeberuf bringen zu wollen. Dafür wurde nun ein Stipendium angekündigt, das während der Ausbildung ausbezahlt wird. Bisher gab es lediglich ein Taschengeld. Zudem wurde eine Covid-Zulage für die Ärzte- und Pflegeschaft aufgestellt, die in Kontakt mit Covid-Patienten stehen.

Platter führte die immer älter werdende Gesellschaft ins Treffen, die den Pflegeberuf immer wichtiger mache. Derzeit leben 140.000 Über-65-Jährige in Tirol, das sind 18,5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Doch die Prognose zeigt, dass es 2040 bereits 25 Prozent sein sollen.

470 Euro Stipendium bei mindestens drei Berufsjahren in Tirol

Daher wurden nun zwei Stipendienmodelle erstellt, die ab 1. Jänner 2022 verfügbar sein werden. Das "einfache" Pflegestipendium umfasst einen monatlichen Betrag von 130 Euro, das Pflegestipendium "plus" 470 Euro. Durch die Einziehung dieser Grenze könne noch auf andere Förderungen und Stipendien zugegriffen werden.

Doch das Pflegestipendium "plus" ist an eine Bedingung geknüpft: All jene, die diese Form des Stipendiums beziehen möchten, verpflichten sich, innerhalb von fünf Jahren drei Jahre lang in Tirol als Pflegekraft zu arbeiten, erklärte Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP). Für Assistenzberufe sind es zwei Jahre.

Zulage rückwirkend vom 1. Oktober für Arbeit mit CoV-Patienten

Hinsichtlich der aktuellen, sich an den Spitälern zuspitzenden Covid-Situation beschloss die Landesregierung als Entschädigung "für diese dauerhaft belastende Tätigkeit" eine Covid-Zulage, sagte Leja. Diese werde allen rückwirkend vom 1. Oktober 2021 bis zum 30. April 2022 ausbezahlt, die in Kontakt mit Covid-Patienten arbeiten – sei es in stationären Einrichtungen, Alten- und Pflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen. Für die Arbeit auf einer Intensivstation gibt es pro Acht-Stunden-Dienst eine Zulage von 20 Euro, auf Normalstationen und Pflegeeinrichtungen sind es 12,50 Euro. Das ergibt eine Zulage auf Intensivstationen von bis zu 400 Euro pro Monat, auf Normalstationen sind es 250 Euro.

Insgesamt wird das neue Stipendienmodell das Land Tirol 12,2 Mio. Euro kosten, die Zulage wurde mit einer halben Mio. Euro pro Monat berechnet, berichtete Platter, der auch Finanzreferent ist. Für den Landeschef ist das Stipendium eine "angemessene Entschädigung", meinte er. Laut LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) will man damit vermitteln, dass der Pflegeberuf "erfüllend" ist. Sie betonte, dass all jene, die zur Bekämpfung der Corona-Krise beitragen möchten, impfen gehen sollen bzw. Menschen in ihrem Umfeld von der Impfung überzeugen sollen. (TT.com, APA)


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