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Finanzielle Starthilfe für den Pflege-Job in Tirol: Vorstoß erntet Lob und Kritik

Mit 1. Jänner 2022 vergibt das Land Stipendien, welche die Pflege-Ausbildung in Tirol attraktivieren sollen. Für aktives Personal im Covid-Einsatz gibt’s eine Zulage.

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In der Pflegeausbildung sollen Interessenten nun mit zusätzlichem Geld gelockt werden.
© Berger

Von Manfred Mitterwachauer

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Innsbruck – Gesundheitslandesrätin Annette Leja (VP) hatte es in der Landtagssitzung vor zwei Wochen bereits gespoilert: Das Land werde noch im November für den Pflege-Bereich Sofortmaßnahmen verkünden. Dort herrscht, wie mehrfach berichtet, Notstand. Nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Der eklatante Personalmangel hat das Gesundheitssystem schon lange davor infiziert. Jetzt brennt der Hut: Corona-Stationen heillos überlastet, geschlossene Heimstationen und über 300 offene Pflege-Stellen.

Wie aber den Pflege-Nachwuchs forcieren? Das Land will nun neue Anreize setzen, finanzieller Natur, wie gestern LH Günther Platter (VP), Leja und LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) verkündeten.

Konkret ist ein zweistufiges Stipendienmodell für Auszubildende mit 1. Jänner 2022 geplant. Das „Tiroler Pflegestipendium“ ist für alle zugänglich und umfasst 130 Euro pro Monat. Es ersetzt das bisherige „Taschengeld“, das aber seit der Ausbildungsreform für das Bachelor-Studium nicht mehr galt. Beim „Pflegestipendium Plus“ kommen weitere 340 Euro hinzu. Selbiges ist aber antragspflichtig und inkludiert auch die Verpflichtung für Diplomstudierende, binnen fünf Jahren nach Abschluss drei davon in Tirol tätig zu sein. Für die Assistenz-Lehrgänge sinkt die Pflicht auf zwei Jahre. In Summe, so Platter, koste dieses System das Land 12,2 Mio. Euro pro Jahr (das alte Taschengeldsystem kam auf 2,5 Mio. Euro).

Darüber hinaus gibt es für Pflege-Azubis nunmehr an den Kliniken Innsbruck und Zams Gratis-Mittagessen.

Für aktive Ärzte bis hin zum Pfleger im Corona-Einsatz gibt es (Oktober 2021 bis April 2022) eine Zulage von bis zu 20 Euro pro Tag (Intensivstation) bzw. 12,50 Euro (Normalstation). Jeweils auf Basis eines Acht-Stunden-Dienstes. Geschätzte Kosten für das Land: 500.000 Euro pro Monat.

Pflege-Vorstoß erntet Lob und Kritik

Voll des Lobes über das gestrige neue Pflege-Paket des Landes zeigte sich auf TT-Anfrage Waltraud Buchberger, Pflegedirektorin am AZW in Innsbruck. Damit sei Tirol im österreichweiten Vergleich der Pflege-Ausbildungen weit voran. Ebenso begrüßt sie, dass das Land beschlossen hat, dass künftig pro Jahr nicht zwei, sondern drei Pflege-Ausbildungsjahrgänge (März, August, Oktober) starten werden. Das habe auch Vorteile für die praktische Ausbildung an den einzelnen Einrichtungen – diese würden nun drei- statt nur zweimal im Jahr neues Personal bekommen.

Liste-Fritz-Klubobfrau Andrea Haselwanter-Schneider gab sich erfreut, dass sich die Landesregierung in Sachen Pflege „endlich bewegt“. Sowohl die Zulage als auch die Stipendien seien längst überfällig gewesen, wenngleich die Liste Fritz die Urheberschaft hierfür für sich reklamiert. Enttäuscht zeigte sich indes ÖGB-Tirol-Vorsitzender Philip Wohlgemuth. Diese Sofortmaßnahmen seien „dürftig“, weitere 41 Forderungen der Gewerkschaft würden noch der Umsetzung harren. Bereits heute lädt die GPA-Tirol zu einer Protestkundgebung am Landhausplatz (11 Uhr).


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