CO2-Steuer könnte laut Studie Erderwärmung begrenzen und Armut lindern

Wenn Einnahmen gleichmäßig an alle Bürger zurückerstattet werden, kommt es zu einem Nettotransfer an ärmere Haushalte. Den globalen Temperaturanstieg könnte man auf unter zwei Grad Celsius begrenzen.

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Wien – Viele Staaten verteuern mit einer CO2-Steuer bereits fossile Energien, um klimaschonende Alternativen zu fördern - in Österreich ist es ab 1. Juli 2022 so weit. Wenn alle Länder eine Steuer auf CO2-Emissionen einführen und die Einnahmen gleichmäßig an ihre Bürger zurückgeben würden, könnte damit nicht nur die Erderwärmung begrenzt, sondern auch Ungleichheit verringert und Armut gelindert werden, zeigt eine im Fachjournal "Nature Climate Change" veröffentlichte Studie.

Der Klimawandel trifft vor allem ärmere Länder unverhältnismäßig stark. Häufig wird aber davor gewarnt, dass Klimaschutzmaßnahmen Kosten verursachen und etwa die Preise für Energie und Lebensmittel erhöhen. Dies würde dann vor allem ärmere Menschen überproportional treffen und bestehende Ungleichheit verschärfen. Aus diesem Grund gibt es Vorbehalte gegenüber schnellen und starken Klimaschutzmaßnahmen.

Ein internationales Forscherteam um Mark Budolfson von der Rutgers University, an dem auch Fabian Wagner vom Internationalen Institut für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien beteiligt war, zeigt nun, dass es auch anders geht. Wenn alle Länder eine substanzielle Steuer auf Kohlenstoffemissionen einführen und die Einnahmen wieder gleichmäßig an ihre Bürger zurückgeben würden, wäre es möglich, den globalen Temperaturanstieg auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und gleichzeitig das Wohlergehen der Menschen zu fördern, Ungleichheiten zu verringern und Armut zu lindern.

"Wir zeigen, dass es für eine Gesellschaft möglich ist, strenge Klimamaßnahmen zu ergreifen, ohne die Ziele der Gerechtigkeit und der Entwicklung zu gefährden, aber dafür muss man sich sorgfältig auf eine gerechte Politikgestaltung konzentrieren", erklärte Budolfson in einer Aussendung des IIASA. Denn damit das Modell funktioniert, müssten alle Bürger den gleichen Betrag aus der CO2-Steuer zurückerhalten. Reiche Haushalte würden mehr Steuer zahlen, weil sie mehr CO2 emittieren, aber arme Haushalte mit geringerer Steuerlast den gleichen Betrag erhalten. So komme es zu "einem Nettotransfer an ärmere Haushalte", so Wagner.

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Aus subjektiver Sicht Wagners müsste die Tonne CO2 "im Bereich von 100 Euro" bepreist werden, darunter macht es wenig Sinn", sagte er zur APA. Mit der Zeit müsste dieser Preis dann auf mehrere 100 Euro pro Tonne anwachsen.

Der Studie zufolge wäre der beste Weg zur Dekarbonisierung eine frühzeitige, aggressive Klimapolitik mit starker Reduktion der Kohlenstoffemissionen, gefolgt von einer allmählichen Annäherung an Netto-Null-Emissionen. Damit könnten unmittelbare Folgen des Klimawandels begrenzt und gleichzeitig Einnahmen aus der CO2-Steuer für künftige Generationen bewahrt werden.

Die Vorteile eines solchen Modells seien in den ersten Jahrzehnten am größten, wenn die Steuereinnahmen am höchsten und die Bedürfnisse ärmerer Bevölkerungsschichten am größten sind. Im Endeffekt handle es sich um ein "Auslaufmodell, weil ja in einem Land, das Klimaneutralität erreicht hat, keine derartigen Steuereinnahmen mehr generiert werden können", so Wagner. (APA)


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