Brüder schmuggelten Kokain aus Brasilien nach Tirol

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Der auf Suchtgiftdelikte spezialisierte Strafverteidiger Markus Abwerzger mit einem der angeklagten brasilianischen Brüder.
© Falk

Von Reinhard Fellner

Innsbruck – Seit Jahren lebt ein Brüderpaar (35, 34) aus Brasilien in Tirol und war bislang sowohl familiär als auch beruflich voll integriert. Am siebten Juli war indes am Innsbrucker Flughafen ein brisanter Koffer sichergestellt worden. Er enthielt einen Kokainstein mit einem Gewicht von gut einem Kilogramm. Diesen überbrachte dann direkt die Polizei an die angegebene Zustelladresse. Bei beiden Brüdern klickten darauf die Handschellen. Zusätzlich zu weiteren Drogen waren im Haus auch 26.000 Euro an Bargeld gefunden worden.

Nach der Vorstellung der Brüder hätte sich dieses wohl noch auf einfache Weise mittels Kokainverkäufen vermehren sollen.

„Gelegenheit macht Dealer"

Eine Idee, die sich laut Verteidiger Markus Abwerzger eher zufällig ergeben hatte: „,Gelegenheit macht Diebe‘ lautet ein Sprichwort. In Suchtgiftkreisen heißt es aber auch, dass Gelegenheit Dealer macht.“ So war der ältere der Brüder im Sommer bei seiner Mutter in Brasilien gewesen und hatte dort einen Dealer kennen gelernt, der ihm ein unmoralisches Angebot gemacht hatte: Ein Stein aus hochwertigstem Kokain (80 Prozent Reinheitsgrad) für 5000 Euro, Lieferung per Luftpost. Marktwert in Tirol: 75.000 Euro und bis zu 100.000 Euro im Straßenverkauf. Ein Geschäft, das aber erst einmal finanziert werden musste. Und so ersuchte der 35-Jährige den Jüngeren, ihm 1000 Euro nach Brasilien zu überweisen. Dafür sollte der Bruder immerhin 50 Gramm des Kokains abbekommen.

Gestern auf der Anklagebank lächelten sich die Brüder zu. Einer ihrer Abnehmer war gerade am Mittwoch zu 18 Monaten teilbedingter Haft verurteilt worden. So günstig wurde es für das Duo nicht: 40 Monate und 18 Monate Haft nahmen sie aber sofort an. Auch der Staatsanwalt.


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