Die gute Geschichte: Haussammlung mit Mehrwert

Bei der Haussammlung der Caritas geht es um viel mehr als „nur“ um das Lukrieren von Spenden für Menschen in Notsituationen.

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Christine Kogler, Regina Kerle, Wolfgang Schmidt und Patrick Gleffe (v. l.) – die Zugänge zur Haussammlung sind so unterschiedlich wie die Menschen.
© Caritas Tirol/Bachmann

Reutte –„Eigentlich ist es schon eine Mutprobe“, sagt Wolfgang Schmidt übers Haussammeln. Der technische Angestellte geht im Frühling seit acht Jahren von Haus zu Haus und bittet um Spenden für die Caritas. Die meisten Begegnungen, die sich so ergeben, sind erfreulich und inspirierend. Aber man weiß vorher nie, was einen hinter einer fremden Türe erwartet. Zwischen dem Anklopfen und dem Öffnen der Türe entsteht ein Moment der Spannung. Schmidt: „Genau das reizt mich.“

Die Bandbreite der möglichen Reaktionen ist groß. Schmidt hat von einem herzlichen Willkommen über ein freundliches „Grüß Gott“ bis zu einem „Interessiert mich nicht“ bereits alles erlebt. Manche Leute warten schon auf den Besuch. Dann tauscht man Neuigkeiten aus, redet, was in den letzten Monaten alles passiert ist, und verabschiedet sich mit der Aussicht auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Wieder andere sagen gleich ganz offen, dass sie gar nichts spenden möchten. Mit einem klaren Nein hat Schmidt kein Problem. Niemand muss sich erklären, warum er oder sie nichts geben kann oder möchte. Was Schmidt nicht mag, ist, „wenn das Licht brennt und niemand macht auf“. Er weiß auch, dass es gute und schlechte Tage gibt: „Manchmal erwischt man die Leute einfach im falschen Moment.“ Dann versucht er es eben im nächsten Jahr wieder.

Die Zugänge zur Haussammlung sind so unterschiedlich wie die Menschen. Christine Kogler sagt von sich selbst, dass sie sehr kommunikativ ist. Die Kindergartenassistentin sammelt das fünfte Jahr in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Sie ist „dankbar für die vielen Unterhaltungen, die für mich eine Bereicherung sind“. Heuer merkt sie, dass „die Leute richtig Gesprächsbedarf haben. Aus den einkalkulierten fünf Minuten wird bald eine halbe Stunde.“ Nach vielen Monaten des Covid-bedingten Rückzugs gibt es etliche längere Plaudereien: „Einer nach dem anderen kommt heraus und dann steht die ganze Familie im Türstock.“ Natürlich noch immer mit Abstand und im Freien. Doch „man hat das Gefühl, dass sich die Leute öffnen. Sie spüren, dass man Zeit hat. Man bekommt Freud und Leid erzählt.“ Kogler kann viel Kraft aus den Gesprächen ziehen: „Entweder hat man miteinander gelacht oder geweint.“

Viele Notlagen rasch gelöst

Patrick Gleffe formuliert das so: „Im Grunde machen die Caritas-Haussammlerinnen und -sammler viel an Seelsorge.“ Der Diakon und Pfarrkurator leitet die Pfarrcaritas in St. Martin. Er organisiert die Haussammlung für den Bereich dieser Pfarre im Außerfern. Konkret sind das die Gemeinden Wängle und Höfen mit 880 Haushalten: „Ich bin froh, dass wir so ein tolles Team an Menschen haben, die das in ihrer Freizeit machen. Die für andere, die nicht so sichtbar sind, Geld sammeln, damit man denen helfen kann.“ Die anderen, das sind jene Menschen, die zu ihm in die Sprechstunde kommen, weil sie in Not sind: Familien, die nicht wissen, wie sie ihre Miete zahlen sollen. Oder Alleinstehende, die nach einer Krankheit oder Scheidung in einen finanziellen Engpass geraten sind. Oft kommen sie auf Empfehlung von Regina Kerle.

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Die Caritas-Mitarbeiterin ist im Dekanat Breitenwang verantwortlich für die Sozialberatung und die Regionalarbeit: Unerwartete Ausgaben können Menschen oft in prekäre Situationen bringen. Kerle: „Zuerst prüfe ich alle sozialrechtlichen Ansprüche und schaue, ob es bei den monatlichen Ausgaben Einsparungsmöglichkeiten gibt. Wenn dann auch noch die Überbrückungshilfe der Caritas ausgeschöpft ist und noch immer Bedarf besteht, macht es Sinn, einen Kontakt mit der Pfarre herzustellen.“ Viele solcher Notlagen konnten schon rasch und unkompliziert gelöst werden.

Besonders berührend ist es, wenn die Hilfe bei einem Neustart in ein gutes Leben hilft. So erzählt Diakon Gleffe von einer jungen Familie: „Sie haben sich am Anfang schwergetan und Unterstützung von der Pfarrcaritas bekommen. Nach zwei Jahren ist die Frau mit einem Kuvert zu mir gekommen.“ Darin war eine Geldspende und die Frau hat ihm erklärt: „Ihr habt uns geholfen, jetzt möchten wir anderen helfen.“ (TT)


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