Schauspieler Erwin Steinhauer im Interview: Mehr Zeit für die Familie

Der Dezember ist quasi sein Monat – im TV laufen viele Filme mit Erwin Steinhauer. Ein Gespräch mit dem Schauspieler, der vor Kurzem 70 geworden ist.

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Erwin Steinhauer ist vor Kurzem 70 Jahre alt geworden.
© APA

Schon am 13. Dezember wird „Single Bells“, zum x-ten Mal, im ORF wiederholt. Eine Woche später folgt „O Palmenbaum“ und unmittelbar danach die funkelnagelneue Doku „Von Single Bells zum Palmenbaum“, produziert von der „Mutterschifffilm“. Was ist das genau?

Erwin Steinhauer: Diese Doku beginnt im Zuhause des Regisseurs und Kameramannes Xaver Schwarzenberger in München, wo zum Beispiel von der Suche nach Schnee, den Parallelen zwischen Fiktion und Realität und einem Taifun auf Mauritius, der die Dreharbeiten sehr erschwerte, berichtet wird.

Es soll dabei auch zu einer besonders berührenden Begegnung gekommen sein?

Steinhauer: Ja, das Team und ich trafen meine zu „Single Bells“-Zeiten achtjährige Filmtochter, die damals Marielle Hahn hieß und heute den Namen Mariella Schaller trägt. Sie lebt nun in Gmunden, ist Allgemeinmedizinerin und hat drei Kindern. In Anspielung auf eine berühmte Szene, in der sie sich übergeben musste, konnte ich mir die Bemerkung „Du warst die beste Speiberin vorm Christbaum“ nicht verhehlen. Da korrigierte sie mich: „Im Bild war aber deine Speibe!“ Ja, richtig, weil es nicht gleich gelungen war, hat das Regisseur Xaver Schwarzenberger mit einem Schnitt gelöst. Die Speibe war übrigens Joghurt. Nun, das war auf jeden Fall ein bewegendes Wiedersehen.

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Sie haben in rund 160 TV-Produktionen mitgewirkt …

Steinhauer: Schon, aber eine Stadtkomödie war noch nie dabei. Also war es nicht schwer, mich zur „Lederhosenaffäre“ in Innsbruck zu überreden. Ich bin darin Anwalt und Vater des steirischen Hauptdarstellers Stefan Pohl. Ein ungemein begabter und sympathischer Bursche. Wir hatten bereits früher einmal miteinander gedreht, nämlich für „Maximilian“, wo er der junge Liebhaber meiner Frau, die mich ertragen musste, war. In einer Szene musste ich ihn damals in einem Brunnen fast ertränken.

In der „Lederhosenaffäre“ geht es um die Frage, wer die „kurzen Lederhosen“ erfunden hat: die Bayern oder die Österreicher?

Steinhauer: Richtig. Aber in Wirklichkeit, das kommt im Film nicht vor, waren es die Franzosen mit einer ledernen Kniebundhose, die sie „Culotte“ nannten.

Am 30. Dezember wird im ORF dann „Die Toten von Salzburg – Vergeltung“ gezeigt. Mit sehr überraschenden Szenen. Denn da heiraten Sie als Polizei-Hofrat einen Mann namens René Kleist, gespielt vom Bruder eines echten Kardinals, Michael Schönborn. Wie kam es zu dieser „Einlage“?

Steinhauer: Nun, es war bisher ja schon immer recht suspekt, dass der Hofrat in so fortgeschrittenem Alter noch bei der Mutter wohnte. Bei ihrem Begräbnis treffe ich diesen gewissen René, und dann oute ich mich. Wir wollen anfangs gemeinsam Urlaub auf Hawaii machen, aber die „Toten von Salzburg“ lassen das leider nicht zu.

Wie haben Sie die Lockdowns überstanden?

Steinhauer: Generell war ich ganz gut unterwegs, doch zuletzt ist der Umsatz empfindlich zurückgegangen. Fad war mir aber nicht, ich habe – im Gegenteil – eine gewisse Erleichterung gespürt, als sich mein Terminkalender leerte. Schließlich bin ich ja auch schon Großvater und hatte mehr Zeit für die Familie. Und ich bin auch wieder zum Lesen gekommen.

Was zum Beispiel haben Sie gelesen?

Steinhauer: „Ändert sich nichts, ändert sich alles“ von Katharina Rogenhofer und Florian Schneeberger. Ich hab’ jetzt gerade das erste Drittel hinter mir, und da werden ganz grausame Tatsachen beschrieben.

Das Interview führte Ludwig Heinrich


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