Buch zu „Kunst aus Österreich“: Immergleiche Genies

Michael Horowitz listet in seinem neuen Buch zur Kunst des 20. Jahrhunderts das Who is Who der Szene auf. Und verzichtet auf etliche Künstlerinnen.

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Eine von sieben Künstlerinnen in Horowitz’ Überblicksschau: die Tirolerin Eva Schlegel. Im Bild mit einer Arbeit 2018 im Taxispalais Kunsthalle Tirol.
© G. Kresser

Innsbruck – Bei Michael Horowitz begann alles mit Kiki Kogelnik. Der Journalist und Fotograf folgte 1969 einer Einladung der exaltierten österreichischen Künstlerin nach New York. Um sie dort zu fotografieren – und schlussendlich auch Pop-Art-Größen wie Andy Warhol über den Weg zu rennen. Aus diesem ersten künstlerischen Abenteuer wurden etliche mehr. Horowitz hat sie in Bücher gepresst, 2019 etwa lud er zur Begegnung mit „100 Menschen, die Österreich bewegten“.

Nun folgt der große kunstgeschichtliche Überblick, „Kunst aus Österreich“ ist ein Reiseführer hin zu den 50 prägenden Künstlern des 20. Jahrhunderts in Österreich. Start des Parcours: Secession, Ziel: Postmoderne.

In seiner Presse-am-Sonntag-Serie „Augenblicke“ stellte er die Persönlichkeiten schon einmal vor, nun trifft man Egon Schiele noch einmal, schlägt bei Herbert Boeckls „Abendakt“ auf, grüßt Erwin Wurms Gurken im Vorbeilesen, gedenkt Gustav Peichls ORF-Studios und Arik Brauers phantastischer Figuren – und Franz West sowieso. Etliche bereits gut bekannte Künstlerleben sind fein säuberlich in alphabetischer Reihenfolge gelistet. Jedes teilweise kuriose Kurzporträt hat gleich viel Platz. Auch bei Künstlerinnen wie Maria Lassnig oder VALIE EXPORT – die landen gar prompt auf dem goldenen Cover.

Umso enttäuschender die Inhaltsliste. Den beiden lässt der Autor bloß fünf weitere Künstlerinnen folgen, die für ihn 100 Jahre Kunst mitgeprägt haben. Ihnen gegenüber stehen 43 Künstler – gerade in einer persönlichen Auswahl wäre das doch besser austarierbar. Ohne den Impact von Schiele und Co. dadurch zu schmälern.

Eine Überraschung gelingt Horowitz höchstens mit der Keramikerin Valery Wieselthier, die mit ihren Arbeiten so gar nicht in eine bestimmte Stilrichtung passen will. Kolleginnen wie Brigitte Kowanz, Birgit Jürgenssen, Inge Morath oder Florentina Pakosta vermisst man jedoch schwerstens.

Geschichte lässt sich umschreiben, wie Horowitz im Porträt zu Adolf Loos selbst zum Thema macht. Der Kanon auch. (bunt)

Michael Horowitz: Kunst aus Österreich, Molden Verlag, 224 Seiten, 35 Euro.


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