Nach brutalem Überfall in Kufstein: Rolex-Räuber in Bayern verhaftet

Nach einem brutalen Raubüberfall in Kufstein haben sich zwei Verdächtige selbst verraten. Der Opferanwalt kritisiert das Spital.

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Von Reinhard Fellner

Innsbruck, Kufstein – Anfang November wollte ein Unterländer noch ins Kufsteiner Nachtleben eintauchen. In einer Bar war er mit zwei Männern ins Gespräch gekommen. Diese interessierten sich aber schon bald mehr für die Uhr – eine Rolex im Wert von 12.000 Euro – des 32-Jährigen als für diesen selbst. Das ging so weit, dass das Duo angefangen hatte, die Uhr im Internet auf Echtheit zu prüfen. Gegen vier Uhr zückte der Unterländer seine mit knapp 200 Euro gefüllte Geldtasche, um zu zahlen. Dann ein Filmriss in der Erinnerung. Sie setzt erst wieder in einer Gasse ein. Dort war der 32-Jährige von dem Duo brutalst verprügelt und beraubt worden. Rolex, Geldtasche, Handy und sogar der Asthmaspray – alles weg.

Im Kufsteiner Krankenhaus war der stark Mitgenommene verarztet und gleich entlassen worden. Eine Anzeige an die Polizei erging jedoch nicht, wie Alfred Witzlsteiner, Anwalt der Opferfamilie, kritisiert. Erst am nächsten Tag konnte sich RA Witzlsteiner so zur PI Kufstein begeben, um den Sachverhalt aufzuarbeiten. Den großen Zeitvorsprung konnten die Täter aber letztlich nicht nützen: „Die Sachbearbeiterin der PI Kufstein stellte sofort alles Videomaterial im Tatortumfeld sicher. Eine tolle Arbeit, die zum Ziel führte!“, so der Rechtsanwalt zur TT.

Vom Krankenhaus erging keine Anzeige. Die Kufsteiner Polizei hat dann aber exzellent ermittelt.
Alfred Witzlsteiner (Rechtsanwalt)

So bestätigte nämlich gestern die Polizei, dass man das flüchtige Duo nun tatsächlich in Bayern verhaften konnte: „Es handelt sich um zwei deutsche Staatsbürger im Alter von 20 und 28 Jahren. Beide befinden sich noch in Deutschland in Haft. Sie stehen im Verdacht des schweren Raubes, nachdem sie das Opfer mit einem spitzen Gegenstand verletzt und einen Fingerbruch zugefügt hatten.“ Der Verhaftung vorausgegangen war eine intensive Zusammenarbeit zwischen der Polizei in Tirol und Bayern. Ermittlungsergebnisse und Videomaterial aus Tirol hatten in Bayern zu einem Treffer in der Datenbank geführt.

Laut RA Witzlsteiner hatten sich die Verdächtigen wohl aber auch selbst verraten. Beide waren nämlich am Tattag relativ auffällig angezogen und hatten sich zusammen in genau derselben Kleidung in Sozialen Medien zur Schau gestellt. Polizei und Raubopfer erkannten das Duo – für beide gilt die Unschuldsvermutung – darauf sofort. Aufgrund des Tatorts in Österreich wird wohl bald ein Auslieferungsantrag gestellt werden. Das Krankenhaus Kufstein konnte keine Stellungnahme zum Fall abgeben.

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