Schlepperbande schleuste 250 Menschen durch Tirol

Die Polizei zerschlug in Innsbruck und Wien einen Schlepperring, der österreichweit tätig war. Pro Kopf kassierte die Bande 600 Euro.

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Der Innsbrucker Hauptbahnhof war eine Drehscheibe für die Schlepper. Hier stiegen die Flüchtlinge in Regionalzüge um.
© Julia Hammerle/TT

Innsbruck – Innsbruck – Am Anfang stand ein Drogendelikt, am Ende zerschlug das Landeskriminalamt einen professionellen Schlepperring. Am 22. November nahmen Polizeibeamte in Tirol drei Syrer und einen Iraker fest, einen weiteren Syrer verhafteten die Kollegen in Wien. Die Verdächtigen sind zwischen 23 und 37 Jahre alt. Am Dienstag schlugen die Beamten noch einmal zu – diesmal traf es einen weiteren Syrer (33) in der Bundeshauptstadt. Die sechs Beschuldigten, allesamt Asylberechtigte, befinden sich mittlerweile in Untersuchungshaft.

📽️ Video | Schlepper festgenommen:

Den Männern wird vorgeworfen, eine Schlepperorganisation gegründet und gemeinsam Flüchtlinge durch Österreich geschleust zu haben. „Nach derzeitigem Ermittlungsstand waren es rund 250 Personen, die die Dienste der Schlepper seit dem Frühjahr in Anspruch nahmen“, sagt Katja Tersch, Leiterin des Landeskriminalamtes in Innsbruck: „Die Auswertung der beschlagnahmten Handys ist aber noch nicht abgeschlossen.“ Somit könnten noch weitere Kunden dazukommen. Aufgeflogen sind die sechs Asylberechtigen wegen eines Drogendelikts. „Wir stellten aber schnell fest, dass es hauptsächlich um Schlepperei ging“, so Tersch weiter.

Die Organisation war darauf spezialisiert, Flüchtlinge, die auf der Balkanroute unterwegs waren, durch Österreich zu bringen. Meist mit Nachtzügen von Wien nach Innsbruck. Von dort ging es mit Regionalzügen über die Grenzen nach Italien und in die Schweiz und von dort teils weiter nach Frankreich.

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Die Schlepper teilten sich die Aufgaben. Ein Teil war für die Unterbringung und für den Transport zu den Bahnhöfen zuständig, der andere für die illegalen Zugreisen. Als Kopf der Organisation gilt der 34-jährige Iraker aus Innsbruck. Bei den Flüchtlingen handelte es sich vorwiegend um Ägypter, die 600 Euro pro Person für die Reise von Ostösterreich nach Italien und in die Schweiz bezahlen mussten. Bei den Hausdurchsuchungen beschlagnahmten die Polizeibeamten 40.000 Euro und ein Auto im Wert von 12.000 Euro.

Insgesamt forschten Polizeibeamte heuer österreichweit 350 Schlepper aus, davon 21 in Tirol. Im Vorjahr waren es 311 (28 in Tirol).


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