Der achte WM-Titel als letzter Baustein für das Denkmal von Hamilton

Red Bulls Verstappen kämpft in Abu Dhabi um das erste Championat, Hamilton (Mercedes) könnte sich in der weiß geprägten Formel 1 zum erfolgreichsten Piloten aller Zeiten krönen.

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Lewis Hamilton könnte sich mit dem achten WM-Titel endgültig ein Denkmal setzen.
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Von Daniel Suckert

Innsbruck – Lewis Hamilton ist längst ein „Global Player“, den die Königsklasse auf vier Rädern nötiger hat als umgekehrt. Trotzdem würde der 36-Jährige, der beharrlich gegen Rassismus kämpft, im Falle des achten Titelgewinns am Sonntag in Abu Dhabi alleine auf dem WM-Thron residieren. Und das als einziger Schwarzer in einem weiß geprägten Milliardensport.

🟢 Pionier Hamilton: Man glaubt es kaum, aber in über 70 Jahren Formel-1-Geschichte schaffte es kein (!) Schwarzer jemals, einen Grand Prix zu bestreiten. Der Einzige, der einmal einen Boliden testen durfte, war Willy T. Ribbs im Jahre 1986. Damals bekam er in Bernie Eccle-stones Brabham-Team in Estoril eine Chance.

Im Formel-1-Podcast „Beyond the Grid“ (bereits 2020) zeigte sich der US-Amerikaner beeindruckt von Lewis Hamilton. Besonders, dass sich der Brite aktiv in der „Black Lives Matter“-Bewegung engagiert: „Lewis geht dieses Risiko ein und tut das Richtige.“

Seine eigene Karriere musste aufgrund seiner Hautfarbe jede Menge Bremser erfahren: „Jeder, der das Gegenteil behauptet, lügt.“ Als er in der NASCAR aktiv war, gab es „Drohbriefe und Morddrohungen per Anruf“. Ribbs konnte sich dabei zumindest über die katastrophale Rechtschreibung in den Briefen amüsieren: „Sie konnten keine Sätze schreiben, aber das N-Wort war stets richtig buchstabiert.“

Es habe sich auch in der IndyCar-Serie, in der er 1990 debütierte, wenig verändert. Ribbs: „Die Formel 1 hat das Problem jetzt an den Hörnern gepackt.“

🟢 Schumi-Fans zittern: Darum dürfte außer Frage stehen, wem der US-Amerikaner am kommenden Wochenende wohl die Daumen drücken wird. Unabhängig von der Hautfarbe werden die Fans von Michael Schumacher am Renn-Sonntag eher Kontrahent Max Verstappen (NED) unterstützen. Denn mit einem achten Championat für „Ham“ würde ihr „Schumi“ nur noch die Nummer zwei in puncto Titelsammlung bekleiden. Etwas, was man nach dem ersten Rücktritt Schumachers (2006) für unmöglich hielt.

Erst als Sebastian Vettel mit Red Bull (2010–13) vier Titel hintereinander einfuhr, dachte man erstmals daran, dass Schumis Rekordzahl nicht für die Ewigkeit sein könnte.

🟢 Beleidigt, entspannt: Gestern kam es bei der Online-Pressekonferenz zum ersten Aufeinandertreffen der beiden WM-Kontrahenten. Da gab sich Mercedes-Superstar Hamilton entspannt. Das mag einerseits an der Tatsache liegen, dass der Engländer mit drei Siegen en suite anreiste. Andererseits kann der siebenfache Weltmeister auf seine Erfahrung bauen. Die Möglichkeit, dass ihn Verstappen abräumen könnte, ließ er an sich abprallen: „Darauf verschwende ich keine Energie. Ich kann Dinge um mich herum ohnehin nicht kontrollieren, sondern nur meine Vorbereitung. Ich will einfach nur den bestmöglichen Job machen.“

Trotzig gab sich hingegen sein Gegenüber aus den Niederlanden: Max Verstappen wollte nichts von einem Abschuss à la „Senna oder Schumacher“ hören: „Als Fahrer denkt man nicht über eine Kollision nach. Du willst das Rennen gewinnen. Nur die Medien fangen dann an, so etwas zu sagen.“

📸 Showdown in Abu Dhabi zwischen Hamilton und Verstappen:

Das sah Hamilton etwas anders und erinnerte an die Vorkommnisse von 1997, als Schumacher mit seinem Ferrari Jacques Villeneuve (Williams) gerammt hatte: „Das ist ja schon einmal vorgekommen. Hoffentlich kommt es nicht so und wir haben ein tolles Rennen.“

Man muss auch nicht so weit zurück in der PS-Geschichte schauen: In Brasilien hätte es beinahe gekracht, in Saudi-Arabien zum dritten Mal in dieser Saison (Silverstone, Monza) zwischen Verstappen und Hamilton. Diesmal gab es wenigstens keinen Ausfall.

Die Renn-Leitung rund um Michael Masi betonte wiederholt, speziell auf solche möglichen Vorfälle zwischen den beiden zu achten, und drohte ebenso mit einem Punkteabzug.

Dass Red Bulls Verstappen übrigens in Saudi-Arabien mit Zeitstrafen belegt wurde, ärgerte den 24-Jährigen immer noch. Das habe es bei anderen Piloten nicht gegeben, behauptete der Superstar des rot-weiß-roten Teams gestern. Und dass Masi und Co. die Regeln wiederholen würden, ließ ihn ebenso genervt die Augenbraue nach oben ziehen: „Das muss man nicht extra betonen.“

🟢 Detail am Rande: Was die Fans betrifft (tipp3-Umfrage), sehen 68 Prozent der Österreicher Hamilton auf der Pole-Position in Sachen Titelgewinn, 19 Prozent rechnen mit einem Unfall zwischen den beiden.

🟢 Finnischer Abschied: Was im hochexplosiven Titelkampf beinahe untergeht, ist der Abschied von Kimi Räikkönen. Der Champion des Jahres 2007 sagt in Abu Dhabi endgültig „Servus“ und wird sich künftig seiner Familie widmen. Zu seiner letzten Pressekonferenz kam er zu spät. Gefragt, ob der Abschied emotional ausfallen würde, antwortete der Finne im klassischen „Kimi“-Style: „Ich bezweifle es.“ Eine typische Räikkönen-Antwort gab es auch in der Titelfrage: „Wer mehr Punkte hat, soll gewinnen“, antwortete der 42-jährige Alfa-Romeo-Fahrer – überraschte dann im Nachsatz aber doch ein wenig: „Aber wenn ich mich entscheiden muss: dann der Red Bull. Einfach der Abwechslung wegen.“

📸 Mit einem speziellen Helm-Design verabschiedet sich Bottas:


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