Schöne Bescherung: Handel wandert ins Netz ab

Zwar bleiben die Weihnachtsausgaben krisenresistent, getätigt werden sie aber zunehmend im Internet.

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22 Prozent der Österreicher nutzen laut einer Befragung Click & Collect, wie hier im Ikea Innsbruck.
© Falk

Linz – Die wirtschaftlich gute Nachricht zuerst: Die Pandemie rüttelt offenbar nicht an der Höhe der Geschenksausgaben der Österreicher. Die liegen mit 1,94 Mrd. Euro nahezu gleich hoch wie in den Vorjahren. Denn schon im ersten Krisenjahr waren sie um „nur“ zwei Prozent von 2,0 auf 1,97 Mrd. Euro gesunken, rechnen Christoph Teller und Ernst Gittenberger, Handelsexperten der Johannes Kepler Universität (JKU), vor. Die Wissenschafter schließen daraus, dass „Österreicher heuer trotz Krise kaum sparen und nahezu genauso viele Geschenke wie im Vorjahr kaufen“ werden. Daran ändere auch der jüngste Lockdown nichts, wie Befragungen zeigen. Eingekauft wird also, die Frage ist nur: Wo? Mit 45 Prozent der Befragten, die heuer mehr Geschenke als im Vorjahr im Internet bestellen wollen, ist die Antwort deutlich.

Die massive Verlagerung ins Netz konnte bereits im Vorjahr beobachtet werden, der neuerliche Lockdown beschleunigt die Entwicklung aber zusätzlich, erklärt Gittenberger. In Summe sei davon auszugehen, dass heuer 30 Prozent der Weihnachtsausgaben via Internet getätigt werden. Das entspreche rund 590 Mio. Euro. „Profitieren werden davon vor allem wieder einmal internationale Online-Anbieter“, schildern die Handelsexperten. „Drei Viertel der Internet-Geschenke-Käufer bestellen (auch) bei Amazon. 58 Prozent der Online-Ausgaben 2021 (56 im Vorjahr) fließen somit zu ausländischen Händlern.“

Es gebe dennoch keinen Grund für Geschäfte, die Weihnachtsdekoration abzuhängen, sagt Teller. Denn 43 Prozent der Befragten weichen für einen Teil der Einkäufe auf Läden aus, die während des Lockdowns geöffnet blieben – wie den Lebensmitteleinzelhandel oder Drogerien. 22 Prozent nutzen Click & Collect. 37 Prozent warten auf die Öffnung der Geschäfte ab 13. Dezember. 24 Prozent wollen mehr Gutscheine, 14 Prozent mehr Bargeld verschenken. Vor allem Letzteres „hält das Rennen bis nach Weihnachten offen – sollte nicht wie im Vorjahr ein nachweihnachtlicher Lockdown kommen“, sagt Teller. (ah)

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