Entgeltliche Einschaltung

Die gute Geschichte: Vom Besuchen und Mut-Schenken

Gemeinsam ein Stück des Weges gehen: Der Besuchsdienst der Caritas vermittelt Freiwillige und entlastet pflegende Angehörige.

  • Artikel
  • Diskussion
Ein Spaziergang bringt Abwechslung und entlastet auch die pflegenden Angehörigen. (Symbolfoto)
© iStock

Uderns –„Ich hätte nie gedacht, dass ein Besuch so herrlich ist. Wenn ich noch einmal jünger wäre, würde ich mich auch ehrenamtlich im Caritas-Besuchsdienst engagieren.“ Margarethe Schernthaner ist heute 87 Jahre alt und hat schon viel erlebt. Sie spricht über den Besuchsdienst für pflegende Angehörige im Zillertal.

Entgeltliche Einschaltung

Einmal hat eine aufmerksame Nachbarin, mit der sie immer wieder ins Gespräch kam, sie gefragt, wie es ihr gehe. Damals musste gerade ihr Ehemann ins Altenheim übersiedeln. Nach dem Gespräch hat die Nachbarin ihr den Kontakt zur Beratungsstelle für pflegende Angehörige im Caritas Zentrum Zillertal vermittelt. Dort gibt es seit Dezember 2018 eine Anlaufstelle, die kostenlos und vertraulich Beratung anbietet. „Die Gespräche haben mir sehr gut getan, ich konnte mir alles von der Seele reden. Dann kam die Pandemie und wir haben regelmäßig telefoniert. Das hat mir unheimlich geholfen.“

Margarethe hat mehrere Jahre ihren Ehemann begleitet. Auch als er mit 80 Jahren die Diagnose Alzheimer bekam: „Gepflegt ist das falsche Wort. Die Krankheit ist schleichend. Ich war immer für ihn da und habe ihn begleitet.“ Als ihr Ehemann schließlich in die Langzeitpflege übersiedeln musste, hat sich ihre eigene Gesundheit bemerkbar gemacht. Sie selbst sagt, sie habe sich zu spät professionelle Hilfe geholt, sie habe gedacht, sie schaffe alles alleine. Die Tochter war immer an ihrer Seite, gemeinsam haben sie den Ehemann und Vater fast täglich im Altenheim besucht und waren auch dort für ihn da. Die Pandemie und Kontaktbeschränkungen waren schwer für alle.

Im letzten Jahr ist Margarethes Ehemann verstorben: „Aber ich habe das Gefühl, er ist immer bei mir.“ Sie selbst hat einige gesundheitliche Probleme, aber ihr geht es mittlerweile wieder besser. Besonders eine Augenkrankheit schränkt sie in der Gestaltung ihrer Zeit sehr ein, sie kann nur noch schwer lesen oder fernsehen. Kochen ist deswegen schwierig geworden und auf der Straße tut sie sich schwer, Autos zu erkennen.

Seit einiger Zeit kommt einmal in der Woche eine Freiwillige vom Besuchsdienst zu Margarethe. Den Besuchsdienst im Zillertal gibt es seit Anfang 2020, die Freiwilligen werden nach einer Basis-Schulung von Silvia Prosser (Beratungsstelle für pflegende Angehörige im Caritas-Zentrum Zillertal) begleitet und vermittelt. Zuerst war Margarethe sich unsicher, ob sie diese Unterstützung annehmen will: „Aber die Unsicherheit war nach der ersten Minute verflogen, wir waren genau auf einer Wellenlänge.“ Mit der Ehrenamtlichen findet sie von Anfang an viele gemeinsame Themen, sie reden viel und gehen spazieren. In letzter Zeit geht es Margarethe besonders gut: „Wir haben gemeinsam eine riesige Spazier-Runde geschafft, das war ein großes Ziel von mir. Ich hatte an dem Tag so eine Freude, ich habe meine Schwester angerufen und wollte allen erzählen, was ich geschafft habe.“ Dieser Weg ist auch deswegen so etwas Besonderes, weil Margarethe ihn früher oft mit ihrem Mann gegangen ist und sie beide die schöne Aussicht und das Grün genossen haben.

„Wenn jemand da ist, habe ich keine körperlichen Beschwerden. Es beruhigt mich, mit jemandem zu reden, und das tut mir gut. Wenn man viel allein ist und manchmal auch einsam, denkt man zu viel über alles nach.“ Ihre Tochter kommt sie oft besuchen, und Margarethe sieht den Besuchsdienst auch als eine Unterstützung für ihre Angehörigen: „Meine Tochter weiß dann, es ist jemand da.“

In den Gesprächsrunden für pflegende Angehörige konnte Margarethe bereits anderen in ähnlichen Situationen etwas von dem weitergeben, was sie selbst in den letzten Jahren gelernt hat: „Man soll sich selbst kleine Ziele vornehmen und sich über diese dann freuen. Und dankbar sein für das, was noch geht, auch mit Hilfsmitteln – sich nicht auf das konzentrieren, was man nicht mehr kann.“ Sie tut viel für ihr Wohlbefinden, wie etwa Meditation, Atemübungen, Gymnastik und bewusstes positives Denken: „Ich kann allen pflegenden Angehörigen nur ans Herz legen, die Angebote anzunehmen. Dazu ist es wichtig, dass die Menschen die verschiedenen Angebote kennen.“ Margarethe ist überzeugt, dass der Besuchsdienst eine gemeinsame Freude auf beiden Seiten ist, für Besuchte und Ehrenamtliche: „Man erkennt erst den besonderen Wert eines Besuches, wenn man selbst Besuch bekommt. Ich will anderen auch gerne so eine Freude machen, wie ich selbst durch den Besuchsdienst erfahre. Kürzlich war ich bei einer Bekannten und habe gemerkt: Jemandem Mut zusprechen, das kann ich immer noch.“ (TT)


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung