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Von bitteren Erinnerungen und der Hand Gottes

Oscar-Preisträger Paolo Sorrentino erzählt in seinem neuen Film „È Stata la Mano di Dio“ vom Heranwachsen im Neapel der 1980er-Jahre.

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Filippo Scotti (ganz rechts) wurde für seine Darstellung des Fabietto beim Filmfestival von Venedig ausgezeichnet.
© Netflix

Von Marian Wilhelm

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Innsbruck – Paolo Sorrentino bekam beim diesjährigen Filmfestival von Venedig viel Applaus für seinen bisher persönlichsten Film „È Stata la Mano di Dio“. Die Netflix-Produktion des Oscar-Preisträgers kommt nun nach dem Lockdown und kurz vor Streaming-Start am 15. Dezember doch noch in die heimischen Kinos. Anders als der Titel vermuten lässt, ist weder der Fußball allgemein noch Diego Maradona im Speziellen Thema. Dennoch hatten die Anwälte des Fußballers einige Monate vor dessen Tod vergangenes Jahr noch eine Klage geprüft. Neapels berühmtester Adoptiv-Sohn spielt nur im Hintergrund sein Spiel, während Protagonist Fabio gerade dabei ist, erwachsen zu werden.

Darsteller Filippo Scotti erhielt für diese Rolle in Venedig den Marcello-Mastroianni-Nachwuchs-Preis. Sein Fabietto ist ein orientierungsloser Jugendlicher, der im autobiografischen Rückspiegel des Autoren-Regisseurs Sorrentino langsam zum potentiellen Filmemacher wird. Zunächst hat er aber die Frauen im Kopf, vor allem seine fesche Tante Patricia, die sich nicht nur in seinen feuchten Träumen gerne nackt präsentiert, aber auch unter einem gewalttätigen Ehemann zu leiden hat. Sie ist nur eine von vielen seltsamen Figuren in dieser „Famiglia“, die Sorrentino in seinen persönlichen Erinnerungsfilm packt. Da gibt es die fluchende Oma, die im Pelzmantel Ricotta in sich hineinstopft, den Verehrer der dicken Tante, der mit einer elektronischen Sprechhilfe Backrezepte referiert, oder die arrogante verwitwete Baronesse in der Wohnung oberhalb, die Fabio einiges beizubringen hat. Und beim Fußball-Finale sitzt dann das ganze Haus am Balkon und jubelt den blau-weißen Helden zu.

Als die Eltern (Toni Servillo und Teresa Saponangelo) bei einem Kohlenmonoxid-Unfall im Wochenendhaus sterben, meint der ansonsten zynische Onkel, die Hand Gottes habe ihn gerettet. Denn Fabio ist nur wegen eines Napoli-Heimspiels mit Maradona nicht dabei gewesen.

Das Waisenkind Sorrentino erzählt diese autobiografisch-traurige Coming-of-Age-Geschichte zugleich als große nostalgische Liebeserklärung an seine Heimatstadt am Vesuv. Dabei hat „È Stata la Mano di Dio“ das Herz am rechten Fleck und beschwört ordentlich Sehnsucht nach Süditalien herauf. Der oft mit Fellini verglichene 51-jährige Regisseur Paolo Sorrentino inszeniert diesmal eher langsam und ohne den fließenden Rhythmus seines opulenten Oscar-Gewinners „La Grande Bellezza“. Dieser mag Sorrentinos Verneigung vor „La Dolce Vita“ gewesen sein. Mit „È Stata La Mano di Dio“ orientiert er sich nun an Fellinis großem Erinnerungsfilm „Amarcord“. Und Maestro Fellini selbst hat darin sogar einen Überraschungsauftritt.

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