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Geflügelbranche will Situation um männliche Legeküken verbessern

Ab 2022 sollen keine männlichen Küken mehr in der Tierkörperverwertung landen, die Junghahnenaufzucht forciert und mittelfristig eine frühe Ei-Geschlechtserkennung erreicht werden. Gesetzlich verboten wird in Österreich das nicht mehr praktizierte Schreddern von Küken.

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In Deutschland ist das Töten von allen Eintagsküken per Gesetz ab Anfang 2022 verboten. In Österreich wird nur das laut Branchenvertretern nicht mehr praktizierte Schreddern von Küken künftig gesetzlich verboten. Die Verwertung als Futterküken bleibt hierzulande erlaubt.
© dpa

Wien – Die Geflügelbranche will mit einer Selbstverpflichtung die Situation bei männlichen Legeküken verbessern. Ab 2022 sollen keine männlichen Küken mehr in der Tierkörperverwertung landen, die Junghahnenaufzucht forciert und mittelfristig eine frühe Ei-Geschlechtserkennung erreicht werden. Bei der Legehennenzucht bleiben in Österreich rund 9,5 Millionen männliche Küken übrig. Der Großteil wird mit Kohlendioxid (CO2) getötet und als Futter unter anderem in Zoos verwendet.

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In Deutschland ist das Töten von allen Eintagsküken per Gesetz ab Anfang 2022 verboten. In Österreich wird nur das laut Branchenvertretern nicht mehr praktizierte Schreddern von Küken künftig gesetzlich verboten. Die Verwertung als Futterküken bleibt hierzulande erlaubt.

Küken gingen als Futter an Tierparks oder in Tierkörperverwertung

Eier-Hühnerrassen eignen sich aus wirtschaftlichen Gründen weniger für die Fleischproduktion. Laut dem Geflügelgesundheitsdienst QGV gingen in Österreich im Jahr 2019 rund 73 Prozent der männliche Legeküken als Futter an Zoos, Tierparks, Greifvogelstationen, Tierschutzhäuser und Storchenaufzuchten, 16 Prozent in die Tierkörperverwertung und elf Prozent in die Junghahnenaufzucht. Der Gesamtbedarf an Futterküken beläuft sich in Österreich auf 16 Millionen pro Jahr, davon kommt jeweils eine Hälfte aus Österreich und die andere aus der EU. "Futterküken sind eine unverzichtbare Nahrungsquelle für Zootiere", sagte der Präsident der Österreichische Zoo Organisation, Andreas Artmann, bei einem Hintergrundgespräch.

Im Rahmen der Branchenvereinigung soll auch die Transparenz und Rückverfolgbarkeit ausgebaut werden. Unter anderem werden alle Abnehmer von Futterküken in einem zentralen Register der Datenbank Poultry Health Data (PHD) von QGV erfasst werden. Weiters wird der Geflügelgesundheitsdienst einen jährlichen statistischen Bericht zur Lage bei männlichen Legeküken an die Bundesregierung übermitteln. Die Selbstverpflichtung wurde von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft (ZAG), der Österreichische Frischeier-Erzeugergemeinschaft GmbH (EZG Frischei), der Österreichische Zoo Organisation (OZO) und der Zentralstelle österreichischer Falknervereine (ZÖF) in Abstimmung mit dem Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium erarbeitet. Zoobetreiber und Tierparks, Falknervereine, Storchenaufzieher verpflichteten sich vorrangig österreichische Futterküken zu kaufen, "sofern sie zu einem marktüblichen Preis angeboten werden".

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Mückstein und Köstinger begrüßen Branchenvereinbarung

Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) begrüßten die Branchenvereinbarung. "Die Geflügelbranche setzt als Vorreiterin mit dieser Branchenvereinbarung auf Reduktion von unnötigem Tierleid", so Mückstein. "Das nutzlose Töten oder Schreddern der männlichen Kücken in der Eierproduktion gehört in Österreich somit bald der Vergangenheit an", sagte Köstinger. Landwirtschaftskammer-Österreich-Präsident Josef Moosbrugger forderte von den Lebensmittelverarbeitern, dem Handel und den Konsumenten die höheren Standards der österreichischen Eier- und Geflügelbranche zu unterstützen. "Verlässliche Partnerschaften und bessere Erzeugerpreise sind gefragt. Jede und jeder kann beim regionalen Einkauf einen wichtigen Tierwohl-Beitrag leisten", so Moosbrugger.

Österreich war im Jahr 2017 das erste Land weltweit, das im Rahmen einer Branchenvereinbarung in der gesamten Bio-Eierproduktion die Aufzucht der männlichen Legeküken umgesetzt hat. Auch in einzelnen Premium-Programmen in der Freilandhaltung gibt es eine Aufzucht von männlichen Küken.

Mit der neuen Branchenvereinbarung für den künftigen Umgang mit männlichen Legeküken sei "ein weiterer Meilenstein zur Sicherung der heimischen Eierproduktion gelungen", kommentierte EZG-Frischei-Obmann Franz Kirchweger die Selbstverpflichtung. Der Obmann der Zentralen Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Geflügelwirtschaft, Franz Karlhuber, sieht die Einigung als "bestmögliche Lösung für Tiere und Umwelt". (APA)


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