„Die Lederhosenaffäre": ORF-Stadtkomödie heute erstmals in Innsbruck

Wer hat die Lederhose erfunden – Tirol oder Bayern? Um diese Frage entbrennt in der Komödie mit Stefan Pohl und Josephine Bloéb ein erbitterter Streit. Gedreht wurde vor einem Jahr in Innsbruck und Umgebung, am Mittwoch feiert der Film Premiere.

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Der bizarre Markenrechtsstreit um eine Lederhose landet im Film vor Gericht. Im Bild Jasmin Mairhofer (Uli Martens), Christine Neubauer (Marlene Fischer), Harald Schrott (Karl Gernkönig), Stefan Pohl (Konstantin Zeller), Fabian Schiffkorn (Georg Heindl), Josephine Bloéb (Olivia).
© ORF/e&a film/Laab Heinz

Wien – Die ORF-Stadtkomödien wandern Richtung Westen – und zwar nach Innsbruck: Am Mittwoch wird „Die Lederhosenaffäre" ausgestrahlt. Markus Engel hat ein Drehbuch der beiden Tiroler Harald Haller und Marc Brugger verfilmt, bei dem eine Liebesgeschichte mit einem Markenrechtsstreit verbunden wird. Tirol gegen Bayern: Der Streit darum, wo die kurze Lederhose erfunden wurde, wird gerichtlich und medial mit allen Mitteln ausgetragen. In den Hauptrollen sind Stefan Pohl und Josephine Bloéb zu sehen.

📺 „Die Lederhosenaffäre"

➡️ Mittwoch, 15. Dezember um 20.15 Uhr auf ORF 1

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„Zieht's den Bayern die Lederhose aus!"

Bloéb kam erst als Volksschulkind mit Lederhosen und Dirndln in Berührung. „Ich bin in Innsbruck geboren, aber meine Eltern sind mit Baby Josephine nach Berlin gezogen. Zu Anfang der Schulzeit sind wir wieder zurück, und da musste ich innerhalb von drei Tagen meinen Akzent wechseln, weil die Kinder im Tiroler Dorf meine Berliner Schnauze nicht verstanden haben", lacht die 29-Jährige im Gespräch mit der APA. „Das war alles total exotisch für mich. Plötzlich musste ich auch ministrieren und bei so katholischen Ritualen mitmachen. Heute finde ich Trachten schön und bin ein totaler Fan von Lena Hoschek. Damals hab ich das als Verkleidung gesehen und nie wahnsinnig ernst genommen."

Olivia wird von einem deutschen Konzern verklagt.
© e&a film

In der „Lederhosenaffäre" spielt sie gemeinsam mit Fabian Schiffkorn eine junges Unternehmer-Paar, gegen deren Lederhosen ein bayerischer Konzern zu Felde und vor Gericht zieht. Konstantin, ein Schwarm aus Studientagen (Stefan Pohl), soll den Rechtsstreit ausfechten. Der hat zwar wenig Erfahrung, ja nicht einmal die Anwaltsprüfung, bekommt jedoch vom Vizebürgermeister (Harald Schrott) unerwartet Schützenhilfe. Der wittert eine Möglichkeit, seine schlechten Umfragewerte zu pushen und gibt eine Parole aus, die bald viral geht: „Zieht's den Bayern die Lederhose aus!"

Tirol ist auf jeden Fall meine Heimat.
Josephine Bloéb

„Der Film nimmt den Lokalpatriotismus aufs Korn und macht sich in witziger und charmanter Weise darüber lustig. Es geht um Täuschung und Enttäuschung, um den Überlebenskampf junger Menschen, deren Existenz bedroht wird. Das kann in jedem Land passieren", sagt Bloéb. Obwohl sie nicht mehr dort lebe, „ist Tirol auf jeden Fall meine Heimat. Dadurch dass ich eine Bagage an Ur-Tirolern in meiner Familie habe, die gerne im tiefsten Dialekt miteinander lachen, weinen und fluchen und auch begeisterte Wintersportler sind, ist das tief in mir verwurzelt. Ich werde ganz nostalgisch, wenn ich in Innsbruck rumlaufe."

Konstantin (r.) möchte seine Ex-Freundin Olivia zurückgewinnen, die ist jedoch mit Georg (l.) verheiratet.
© e&a film

🎬 Besetzung

  • Stefan Pohl (Konstantin Zeller)
  • Josephine Bloéb (Olivia)
  • Jasmin Mairhofer (Uli Martens)
  • Fabian Schiffkorn (Georg Heindl)
  • Erwin Steinhauer (Valentin Kuschka)
  • Daniel Christensen (Vinzent Sparber)
  • Katja Lechthaler (Daniela Zeller)
  • Florian Carove (Dimitri Benakis)
  • Christine Neubauer (Marlene Fischer)
  • Harald Schrott (Karl Gernkönig)
  • Katerina Jacob (DDr. Hitzeck)
  • Martin Leutgeb (Sepp Heindl)
  • Bernhard Wolf (Berater Gernkönig)
  • Armin Wolf (Cameo-Auftritt)

Regie: Markus Engel

Drehbuch: Harald Haller, Marc Brugger

Bloéb: „Bin in der Pandemie durch Höhen und Tiefen gegangen"

Die Dreharbeiten fanden im Herbst 2020 in Innsbruck und Umgebung statt – nach mehreren coronabedingten Verschiebungen. „Ich bin in der Pandemie wirklich durch Höhen und Tiefen gegangen. Während der ersten Welle war ich ein paar Monate arbeitslos, weil Produktionen abgesagt und Dreharbeiten verschoben wurden. Aber es ist sich finanziell ausgegangen. Dass ich nach meiner Ausbildung von meinem Beruf leben kann, empfinde ich jetzt noch stärker als Privileg als vorher", sagt die Tochter der Schauspieler Ute Heidorn und Gregor Bloéb, die 2016 das Max Reinhardt-Seminar abgeschlossen hat und danach ein Jahr am Theater in der Josefstadt und zwei Saisonen am Landestheater Niederösterreich engagiert war. „Dann wurde in mir der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung größer. Ich wollte auch gerne mehr Film und Fernsehen machen."

📽️ Video | Josephine Bloéb in „Tirol Live“

Dennoch gelten ihre nächsten Projekte wieder dem Theater. Am Stadttheater Klagenfurt soll eine „Was ihr wollt"-Inszenierung, die nur bis zur Generalprobe kam, deren Premiere aber dem zweiten Lockdown zum Opfer fiel, am 24. Februar 2022 endlich vor Publikum gespielt werden (Bloéb spielt die Viola), und auch ihr Herzensprojekt „Die Fellner Lesung", eine Mischung aus szenischer Lesung und Mediensatire, wird wieder aufgenommen. „Unsere Fassung wurde seit den ersten Proben im März 2020 mehrmals umgeschrieben und den Ereignissen angepasst, weil ständig neue Gruselgeschichten ans Tageslicht kamen", lacht die Schauspielerin. „Allein die Chatprotokolle hätten ja genug Stoff für einen eigenen Abend geboten." Im Februar schließt sich dann der Kreis von der heiteren Stadtkomödie zur bissigen Realsatire. Dann gastieren Felix Hafner, Lukas Watzl und Josephine Bloéb mit der „Fellner Lesung" auch in Innsbruck.

Steinhauer: Spielweise „anders, als ich es gewohnt bin"

An zwei schöne Drehtage in Innsbruck erinnert sich auch Erwin Steinhauer. Als schrulliger, etwas indisponiert wirkender Anwalt, der Konstantin als Konzipient beschäftigt, aber unsanft in die Pension befördert wird, hat er einige prägnante Szenen. „Ich fand das Drehbuch ganz witzig – obwohl ja die Lederhose in Wirklichkeit in Frankreich erfunden wurde. Bei meiner Figur hab ich mir gedacht: Das ist einmal kein Kommissar, kein Mörder, kein Pfarrer, kein Hoteldirektor, kein Arzt, sondern ein Anwalt mit einer etwas verwirrenden Eloquenz. Das mach' ich! Ich hab' ja vorher noch nie in einer Stadtkomödie gespielt", erzählt er. Die Spielweise sei jedoch ein wenig „anders, als ich es gewohnt bin", gewesen, nach dem Motto: Wenn man mehr macht, wird's lustiger. „Vielleicht ist das der neue Weg", so Steinhauer trocken.

Seinen nächsten Bildschirmauftritt hat der Schauspieler bereits am 30. Dezember (20.15 Uhr, ORF 2) im achten Fall der Krimireihe „Die Toten von Salzburg", wo er als Hofrat Alfons Seywald überraschender Weise einen Mann heiratet. Und zur Weihnachtszeit sowieso stets in Dauer-Wiederholungsschleife ist die Komödie „Single Bells" aus 1997. „Darüber haben wir kürzlich eine Doku gedreht. Dabei habe ich mein Film-Kind von damals nach 24 Jahren wiedergesehen. Sie ist mittlerweile Ärztin und Mutter von drei wunderbaren Kindern. Das war ein wahnsinnig emotionales Zusammentreffen." (APA/TT.com)


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