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Experten gehen von „Ruhe vor dem Sturm“ aus

Modellberechnungen zufolge könnte die Omikron-Variante schon Anfang Jänner mehr als 16.000 Neuinfektionen pro Tag bewirken. Bis Jahresende dürften die Fall- und Spitalszahlen noch sinken.

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Nach einer Verschnaufpause bis Jahresende rechnen Experten mit einer neuen Welle.
© Thomas Böhm

Wien – Die vierte Corona-Welle wird sich in den kommenden Tagen in Österreich weiter abflachen. Das Covid-Prognosekonsortium geht davon, dass sich der Abwärtstrend in den Fallzahlen fortsetzen, allerdings zunehmend verlangsamen wird. In den Spitälern wird der – vor allem in den westlichen Bundesländern hohe – Patientenstand zurückgehen. Die Experten machen jedoch deutlich, dass es sich bei der aktuellen Entwicklung um die "Ruhe vor dem Sturm" handeln dürfte.

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In seiner dieswöchigen Vorschau lässt das Expertengremium nämlich keine Zweifel daran, was das Auftauchen der Omikron-Variante bedeutet. Demnach ist aufgrund der bisher verfügbaren Evidenz zur erhöhten Transmissibilität der Virus-Variante "mit einer starken Verbreitung" ebendieser zu rechnen. Das hat nach Dafürhalten des Konsortiums zur Folge, dass – wie in der Prognose festgehalten wird – "mit hoher Wahrscheinlichkeit [...] der bisherige Höchststand an Neuinfektionen der vierten Epidemiewelle deutlich übertroffen" werden wird, sollte sich die bisher verfügbare Evidenz erhärten. "Dies könnte unter pessimistischen Annahmen bereits Anfang Jänner eintreten", warnen die Experten.

Am 19. November – dem Höhepunkt der vierten Welle – wurden in Österreich mehr als 15.800 Neuinfektionen binnen 24 Stunden verzeichnet. Bewahrheitet sich also die von den Experten befürchtete Entwicklung, wäre in wenigen Wochen mit mehr als 16.000 Infektionen pro Tag zu rechnen. Was das für die Spitäler bedeutet, will das Experten-Gremium nicht beurteilen. "Die Auswirkungen auf den Spitalsbelag sind aufgrund mangelnder Evidenz noch nicht abschätzbar. Das Prognosekonsortium arbeitet derzeit an Mittelfristszenarien, um das Risiko besser quantifizieren zu können", wird dazu ausgeführt.

Rückgang noch bis Weihnachten

Bis Weihnachten werden die Infektionszahlen den Modellrechnungen zufolge jedenfalls zurückgehen. Am kommenden Mittwoch (22. Dezember) ist in Österreich mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 160 und 270 Fällen je 100.000 Einwohner zu rechnen. Die geringste Inzidenz ist im Burgenland zu erwarten (80 bis 140 Fälle je 100.000 Einwohner), unter dem Österreich-Schnitt könnten auch Wien, Niederösterreich und die Steiermark zu liegen kommen. Auf die höchsten Inzidenzen müssen sich Vorarlberg (380 bis 630) und Tirol und Oberösterreich (jeweils 180 bis 300) gefasst machen. Was die täglichen Neuinfektionen betrifft, werden diese am 22. Dezember österreichweit vermutlich zwischen knapp 2100 und 3450 liegen. Am heutigen Mittwoch wurden 4224 neue Infektionen mit SARS-CoV-2 binnen 24 Stunden vermeldet, die Sieben-Tage-Inzidenz lag den Daten des Gesundheits- und Innenministeriums zufolge bei 294,3.

Insgesamt 2280 Covid-Kranke wurden am Mittwoch in Krankenhäusern behandelt, davon 560 auf Intensivstationen. Am kommenden Mittwoch (22. Dezember) dürfte es zwischen 373 und 463 intensivpflichtige Patientinnen und Patienten mit Covid-19 geben, in der darauf folgenden Woche (29. Dezember) zwischen 270 und 390. Bis zum Jahreswechsel ist demnach von einem spürbaren Rückgang an schweren stationär aufgenommenen Covid-19-Fällen auszugehen. Auch auf den Covid-Normalstationen sollte sich die Anzahl der Patientinnen und Patienten verringern, von derzeit 1720 auf 1140 bis 1.500 am kommendem Mittwoch und 790 bis 1280 am 29. Dezember.

Bei der Auslastung der Spitäler wird es aber regional beträchtliche Unterschiede geben. Während die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastungsgrenze von einem Drittel der Gesamtkapazitäten im ICU-Bereich erreicht wird, am kommenden Mittwoch in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und Salzburg unter 0,5 Prozent liegt, beträgt sie laut Prognosekonsortium in Vorarlberg 50 und in Tirol 25 Prozent. Just diese beiden Bundesländer hatten – neben dem Burgenland – nach dem Ende des vierten harten Lockdowns mit Wochenbeginn sofort die Gastronomie und Hotellerie für Geimpfte aufgesperrt, während andere damit noch zuwarteten. (APA)

ECDC: Omikron dürfte Anfang 2022 dominieren

Die Omikron-Variante des Coronavirus dürfte nach Einschätzung der EU-Gesundheitsbehörde ECDC schon innerhalb der ersten beiden Monaten 2022 zur dominierenden Variante in Europa werden. Es werde mit einer weiteren zügigen Zunahme der Omikron-Fallzahlen im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) gerechnet, schrieb die in Stockholm ansässige Behörde in einer am Mittwoch aktualisierten Risikobewertung. Zum EWR zählen die 27 EU-Staaten, Norwegen, Island und Liechtenstein.

Die epidemiologische Lage in der Region sei derzeit weiterhin von hohen Fallzahlen und einer niedrigen, aber langsam ansteigenden Sterberate geprägt, schrieb das ECDC. Noch herrsche die Delta-Variante vor. Omikron werde Modellvorhersagen zufolge aber wahrscheinlich innerhalb der ersten beiden Monate des kommenden Jahres im EWR zur dominanten Variante werden. Abhängig sei dies vom Verbreitungsvorteil im Vergleich zu Delta und dem Grad der sogenannten Immunflucht des Erregers. Es werde als sehr wahrscheinlich betrachtet, dass Omikron zusätzliche Krankenhauseinlieferungen und Todesfälle verursachen werde.

"Die kommenden Monate werden schwierig", stellte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides fest. Omikron werde voraussichtlich in einer großen Welle kommen und erneuten Druck auf die Gesundheitssysteme ausüben. Während sich die Europäerinnen und Europäer auf die Festtage vorbereiteten, dürfe man die Vorsicht nicht in den Wind schlagen. Auffrischimpfungen sollten "unser Wellenbrecher" sein, erklärte die Kommissarin.


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