Neue Studie: Long Covid trifft mehrheitlich Frauen

Tiroler und Südtiroler Ärzte liefern erste Ergebnisse der Studie „Gesundheit nach Covid-19“.

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Erschöpfung ist nur eines von vielen Symptomen, die nach einer Infektion mit dem Coronavirus auftreten können.
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Wien – Atemnot, Erschöpfung, Geschmacksverlust, Konzentrations- und Schlafstörung – das sind nur einige Beschwerden, von denen Genesene auch noch Monate nach Covid-19 berichten.

Ein interdisziplinäres Team von Ärzten aus Tirol und Südtirol hat anhand einer Online-Befragung von nicht hospitalisierten Covid-19-Patienten die lang anhaltenden Symptome ermittelt und analysiert. Das Fachjournal Clinical Infectious Diseases berichtet über die ersten Ergebnisse der Studie „Gesundheit nach Covid-19“, an der sich bisher 2065 Tiroler und 1075 Südtiroler beteiligt haben. „Nahezu die Hälfte der Teilnehmer (Tirol: 47,6 %, Südtirol: 49,3 %) gab an, dass die Symptome über 28 Tage hinaus fortbestanden“, so Studienleiterin und Pneumologin Judith Löffler-Ragg,

Schon beim Verlauf der akuten Covid-19-Infektion konnten die Autoren einen Unterschied zwischen der Gruppe mit vorwiegend „Grippe-ähnlichen“ Symptomen und jener mit zahlreichen neurologischen, das Herz, die Lunge und die Bauchorgane betreffenden Beschwerden feststellen. Für letztere Gruppe prägten die Forscher den Begriff „Multiorgan-Phänotyp“ (MOP). „Es war überraschend, dass vor allem Menschen im arbeitsfähigen Alter von 35 bis 55 Jahren einen akuten Infekt mit durchschnittlich 13 Symptomen zu Hause durchmachten, der häufig dieser Multiorgan-Symptomatik zuzuordnen war. Die Anzahl der akuten Symptome sowie spezieller MOP-Symptome kristallisierte sich als Risikofaktoren für eine verzögerte Genesung heraus, wobei Männer ein um 35 bis 55 Prozent vermindertes Risiko für Long Covid hatten“, betont Löffler-Ragg.

Auch andere internationale Studien belegen, dass von Long Covid mehrheitlich Frauen betroffen sind, wenngleich sie ein geringeres Risiko für einen schweren Verlauf haben. „Anhaltende, postinfektiöse Beschwerden kennen wir auch bei anderen Erregern, aber die Fallzahl der Pandemie wird uns hier herausfordern“, betont Klinikdirektor Günter Weiss. (TT)


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