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Onlinedienst Telegram dient laut Studie als „Radikalisierungsspirale"

Telegram-Kanäle wie „Fluthilfe" oder „Hochwasserkatastrophe" klingen unverdächtig. Doch die Inhalte sind alles andere als harmlos. Rechtsextreme und Verschwörungsideologen nutzen strategisch den Messengerdienst, um ihre Inhalte zu verbreiten, zeigt eine Studie.

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© KIRILL KUDRYAVTSEV

Berlin – In Reaktion auf staatliche Kontrolle und behördliche Auflagen für soziale Netzwerke haben Rechtsextreme und Kritiker der Corona-Maßnahmen ihre Online-Strategie einer neuen Studie zufolge angepasst. Besonders das Onlinenetzwerk Telegram sei dabei ein Stützpfeiler der rechtsextremen Szene und wichtiger Bestandteil ihrer Radikalisierungsstrategien, heißt es in dem Bericht der Extremismusforscher des Institute for Strategic Dialogue Germany.

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Um nicht von etablierten Plattformen wie YouTube oder Facebook gesperrt zu werden, würden die Extremisten dort auf offen rechtsextreme Inhalte verzichten, sagte der Co-Autor der Studien Christian Schwieter, den Zeitungen der deutschen Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). Stattdessen würden sie dort aber auf ihre Telegram-Kanäle verweisen. Diese trügen harmlose Namen wie „Fluthilfe" oder „Hochwasserkatastrophe". Dort würden dann aber „äußerst antisemitische und rechtsextreme Inhalte" verbreitet.

Es sei eine „strategische Radikalisierungsspirale", sagte Schwieter. Und es sei eine Strategie, die durch die Einführung des deutschen Netzwerkdurchsetzungsgesetzes „befeuert" worden sei.

Telegram als zentrales Sammelbecken

Für die Analyse „Stützpfeiler Telegram. Wie Rechtsextreme und Verschwörungsideolog:innen auf Telegram ihre Infrastruktur ausbauen" hat das ISD Germany laut den Funke-Zeitungen sowohl Chat-Nachrichten als auch Verlinkungen etwa von Texten, Videos und Fotos aus knapp 240 öffentlichen Telegram-Kanälen ausgewertet. Telegram sei das zentrale Sammelbecken, das andere Plattformen wie Twitch, Dlive oder Bitchute miteinander verbinde, heißt es demnach in der Studie.

Auf diesen alternativen Plattformen würden staatlich vorgeschriebene Lösch- und Meldepflichten des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes oft nicht greifen, sodass extremistische und antisemitische Inhalte verbreitet werden könnten, sagte Schwieter. Dabei seien sogenannte „Poweruser" zentral, die in der Lage sind, eine große Anzahl an Anhängerinnen und Anhängern an sich zu binden und auf neue Plattformen zu bewegen.

Gesetzanwendung schwierig

Der deutsche Verschwörungsideologe Attila Hildmann sei ein solcher „Poweruser", genauso der Österreicher Martin Sellner, der Kopf der sogenannten „Identitären Bewegung". Sollte der Stützpfeiler Telegram wegbrechen, würden sich zwar Alternativen bilden, es sei aber „extrem schwierig" und zeitintensiv, die alten Netzwerke wieder aufzubauen, sagte Schwieter den Funke-Zeitungen.

Wichtig sei, dass das Netzwerkdurchsetzungsgesetz durch die Behörden konsequent Anwendung finde, sagte Studien-Autor Schwieter. Das sei bisher sowohl bei Telegram als auch bei alternativen Plattformen schwierig, da Deutschland nicht genug Druck aufbauen könne. Auf europäischer Ebene bietet laut Schiweter jedoch das laufende Gesetzgebungsverfahren zur Regulierung digitaler Dienste, der sogenannte Digital Services Act, die Möglichkeit, Plattformen stärker in die Pflicht zu nehmen.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz wurde 2017 verabschiedet. Unter anderem soll es Betroffenen von Persönlichkeitsrechtsverletzungen im Netz ermöglichen, die Stammdaten des Absenders, etwa von Hassbotschaften, zu erhalten. (APA/AFP)


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