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Händels Imperator auf Filmsternchengröße geschrumpft

Theater an der Wien: Regisseur Keith Warner verlegt Händels „Giulio Cesare“ als wirre Nummernshow in einen Kinotempel.

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Als die Bilder singen lernten: Bejun Mehta als Händels Giulio Cesare.
© Monika Rittershaus

Von Stefan Musil

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Wien – „A Warner Production“ steht als Anspielung auf Hollywoods legendäre „Warner Brothers“ im Filmvorspann zu diesem Abend, denn zur Ouvertüre hat sich Regisseur Keith Warner alte Kinobilder in Stumm und Schwarzweiß von Filmemacher David Haneke gewünscht. Die Sänger Bejun Mehta und Louise Alder blicken darin stolz als Cesar und Cleopatra von der Leinwand, in Anspielung auf Liz Taylor und Richard Burton im „Cleopatra“-Schinken von 1963. Immerhin ein Gag darf damit als gelungen gelten. Abgehakt. Der Rest dieser Inszenierung, die in einem alten verlassenen Kino in ägyptischem Dekor spielt, allerdings auch.

Man schaut bald ratlos und gelangweilt auf ein wirres Tingeltangel in diesem abgehalfterten Stummfilmkino. Warum gerade dort die in keiner Faser gezeichneten Charaktere ihre meist unwirksamen, seichten Gags und ein seltsam altvaterisches Geplänkel abliefern müssen, erkennt man nicht. Der Abend bietet wenig mehr als eine Arien-Absing-Parade in der Anmutung einer ausgetingelten Operettenrevue. Man staunt auch über ein seltsames Frauenbild, das Kleopatra und vier Pez-Girls mit Bauchläden wie frei verfügbare Dummchen und Lustobjekte auf die Bühne stellt. Keith Warner sind in den letzten Jahren mit „Don Giovanni“, „Mathis der Mahler“ oder Von Einems „Besuch der alten Dame“ großartige, prägende Inszenierungen im Theater an der Wien gelungen. Händels „Giulio Cesare“ und seine wirre Handlung waren wohl eine zu große Herausforderung für Warners ersten Barock-Opern-Versuch.

Hier rettet selbst Louise Alder als Cleopatra nichts mehr, die mit ihrem beweglichen, leuchtenden Sopran alles und alle in den Schatten stellt. Gefolgt von Bejun Mehta, der dem Cesare schöne Countertenor-Größe sichert, besonders im Lyrischen überzeugt und fast alle Koloraturenläufe bewältigt. Das übrige römisch-ägyptische Personal versucht sich wacker zu schlagen. Dennoch hat man Christophe Dumaux (Tolomeo), Jake Arditti (Sesto) und die herb anämische Patricia Bardon (Cornelia) am Haus schon weit überzeugender erlebt. Auch Dirigent Ivor Bolton gelingt es nur bedingt, das Drama auf der Bühne abzufedern. Seine fachmännisch solide, aber in den emotionalen Spitzen und Tiefen allzu pauschale und vom Concentus Musicus nicht immer mit größter Delikatesse ausgemalte Begleitung sichert diesem Cesar ebenfalls keinen Triumph.


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