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Omikron dominiert nun in USA, London sagt große Silvesterfeiern ab

Die Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich weiter rasend schnell aus. Die USA wollen neue Maßnahmen verkünden, in Deutschland könnten neue Kontaktbeschränkungen kommen. In London wurden nach dem rasanten Anstieg der Infektionen nun Silvesterfeiern abgesagt.

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Auch in den Niederlanden sind wegen der Omikron-Variante neue Kontaktbeschränkungen in Kraft getreten.
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London – Die Omikron-Variante breitet sich rasend schnell über den Globus aus und sorgt nun weltweit für erneute Infektionswellen in der Corona-Pandemie. Die Länder reagieren dabei unterschiedlich, großteils wird jedoch auf Vorsicht gesetzt.

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▶️ USA

Omikron hat sich in den USA binnen kurzer Zeit zur vorherrschenden Corona-Variante entwickelt. Schätzungen zufolge entfielen rund 73 Prozent der neuen Corona-Fälle in der vergangenen Woche auf Omikron, wie am Montag aus Daten auf der Webseite der US-Gesundheitsbehörde CDC hervorging. Auch mit Blick auf diesen sprunghaften Anstieg wollte sich US-Präsident Joe Biden am Dienstag mit einer Rede an die Menschen im Land wenden und neue Maßnahmen verkünden.

Dabei dürfte es vor allem um Unterstützung für Krankenhäuser gehen – von einem Herunterfahren des öffentlichen Lebens wurde nicht ausgegangen. Omikron hat nun Delta, die zuvor vorherrschende Variante, auf den zweiten Platz verdrängt. Die Delta-Mutante machte den CDC-Schätzungen zufolge zuletzt noch etwa ein Viertel der Neuinfektionen aus. In manchen Bundesstaaten ist Omikron gar schon für mehr als 90 Prozent der Fälle verantwortlich. Noch in der Woche bis zum 11. Dezember war Omikron schätzungsweise für lediglich rund 12,6 Prozent der Infektionen in den USA verantwortlich gewesen.

Deutschland erwartet gleiche Entwicklung wie in anderen Ländern

"Dieser starke Anstieg ähnelt dem, der in anderen Ländern zu beobachten ist", erklärte die Chefin der CDC, Rochelle Walensky. In Deutschland dürfte eine ähnlich rasante Entwicklung bevorstehen: Hier verdoppelt sich die Omikron-Inzidenz laut dem neuen Corona-Expertenrat der Bundesregierung etwa alle zwei bis vier Tage.

"Die Omikron-Fälle werden in den kommenden Tagen zunehmen – auch bei vollständig geimpften Personen", mahnte Präsident Biden. Wer vollständig geimpft sei oder auch schon eine Auffrischungsimpfung bekommen habe, könne sich trotzdem infizieren – werde aber wahrscheinlich keine oder nur leichte Symptome haben. "Wenn Sie sich als Erwachsener dafür entscheiden, nicht geimpft zu sein, steht Ihnen ein äußerst schwieriger Winter für Ihre Familie und Ihre Gemeinschaft bevor", warnte Biden.

Biden wird laufend getestet

Biden selbst hatte am Freitag Kontakt zu einer Person aus dem Weißen Haus, die später positiv auf das Virus getestet wurde. Mit 79 Jahren gehört er schon rein altersmäßig zu einer Risikogruppe. Biden wurde laut seiner Sprecherin zuletzt am Sonntag und am Montag negativ auf das Coronavirus getestet. Ein neuer Test sei für Mittwoch geplant. Der Präsident werde an seinem Programm für die kommenden Tage festhalten und sich nicht isolieren, da er vollständig geimpft sei.

Nachdem es die USA im Sommer mit einer heftigen Delta-Welle zu tun gehabt hatten, ging die Zahl der Neuinfektionen im September vorübergehend zurück. Seit Oktober steigt sie aber wieder an – in den vergangenen Tagen besonders stark. Mehr als 800.000 Menschen sind in den USA seit Beginn der Pandemie im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben.

Die Impfkampagne war in den USA gut angelaufen, mittlerweile kommt sie aber nur noch schleppend voran. Bisher sind 61,5 Prozent der rund 330 Millionen Menschen im Land zweifach geimpft. Knapp 30 Prozent von ihnen haben auch eine Auffrischungsimpfung erhalten. Bisher hat das Weiße Haus die Omikron-Variante als Grund zur Sorge, aber nicht als Anlass zur Panik bezeichnet.

▶️ Großbritannien

Angesichts der rasanten Verbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus hat London seine berühmte Silvesterfeier abgesagt. "Das wird für viele Londoner sehr enttäuschend sein, aber wir müssen die richtigen Schritte unternehmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen", sagte der Bürgermeister der britischen Hauptstadt, Sadiq Khan, am Montag. "Das bedeutet, dass wir in der Silvesternacht keine Feier für 6.500 Menschen auf dem Trafalgar Square veranstalten werden."

Die Stadtverwaltung versprach den Bürgern stattdessen eine "spektakuläre Live-Übertragung" im Fernsehen, die sie von zu Hause aus verfolgen könnten. Großbritannien registrierte am Montag 91.743 Neuinfektionen mit dem Coronavirus. In London stieg die Hospitalisierungsrate weiter an.

Reisebeschränkungen kommen für Expertin zu spät

Eine der führenden britischen Corona-Expertinnen hat die Beschränkungen, die Deutschland (und auch Österreich) im Kampf gegen Omikron für Reisende aus Großbritannien verhängt hat, als wirkungslos kritisiert. "Es ist zu spät. Wenn Deutschland das vor drei Wochen getan hätte, fein", sagte Christina Pagel der dpa. Die Omikron-Variante habe sich aber längst auch in Deutschland verbreitet. Bei der rasend schnellen Übertragbarkeit machten Reisebeschränkungen keinen signifikanten Unterschied mehr.

Großbritannien gilt seit Anfang der Woche für Deutschland als Virusvariantengebiet, was die Einreise von der Insel drastisch beschränkt. Rückkehrer müssen – egal ob geimpft oder nicht – für 14 Tage in Quarantäne. Damit suggeriere man nur, etwas gegen die Ausbreitung der Variante zu tun, ohne wirklich zu handeln, kritisierte Pagel. "Was man wirklich tun muss, ist die Verbreitung im Inland zu verhindern. Und bei dem Tempo von Omikron kann man sich dabei nicht nur auf Boostern verlassen."

In Großbritannien gehört die deutsch-britische Mathematikerin vom University College London zu den führenden Erklärerinnen in der Pandemie. Wie viele andere Wissenschafter spricht sie sich für eine Verschärfung der Maßnahmen aus, um die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. In England und Schottland ist Omikron bereits die vorherrschende Variante und hat die Corona-Fallzahlen zuletzt in ungekannte Höhen schnellen lassen.

▶️ Australien

Trotz der weltweiten Ausbreitung der Omikron-Variante des Coronavirus schließt die australische Regierung künftige Lockdowns kategorisch aus. Die Bürger müssten dem Virus "mit gesundem Menschenverstand und Verantwortungsbewusstsein" entgegnen, sagte Premierminister Scott Morrison am Dienstag bei einem Besuch im Bundesstaat Queensland. "Wir werden das Leben der Menschen nicht mehr stilllegen", versprach er.

Das werde er auch den Regionalregierungen ans Herz legen, die letztendlich die Entscheidungsgewalt hätten. Es werde auch in Zukunft neue Varianten des Coronavirus geben, sagte Morrison. Deshalb müssten Maßnahmen ergriffen werden, mit denen die 25 Millionen Bewohner des Landes im Alltag leben könnten. Für Mittwoch ist eine außerordentliche Kabinettssitzung zu den steigenden Infektionszahlen geplant.

In Australien bereits mehr als 90 Prozent Erwachsene geimpft

Australien hat nach einem vergleichsweise langsamen Start der Impfkampagne inzwischen eine extrem hohe Impfrate erreicht: Mehr als 90 Prozent der über 16-Jährigen sind bereits zweifach gegen das Virus geimpft. Zur Eindämmung der Pandemie waren in Australien strenge Regeln eingeführt und regional auch extrem lange Lockdowns verhängt worden. Im Oktober wurde im Bundesstaat Victoria mit der Metropole Melbourne nach 262 Tagen einer der längsten Lockdowns der Welt beendet.

Seit Beginn der Pandemie wurden in Australien rund 251.000 Corona-Infektionen und mehr als 2.100 Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 bestätigt.

▶️ Deutschland

Intensivmediziner stellen sich derzeit darauf ein, dass die Omikron-Variante des Coronavirus bereits in wenigen Wochen in Deutschland dominieren wird. "Wir sind uns relativ sicher, dass Omikron etwa Mitte bis Ende Januar die dominierende Variante in Deutschland sein wird", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, der "Rheinischen Post" (Dienstag).

Da man aktuell noch zu wenig über diese Virusvariante wisse, müsse man Studien aus dem Ausland studieren, die Entwicklung der Inzidenzen "engmaschig beobachten" und die Lage sondieren. Gleichzeitig warnte Marx vor einer Überlastung der Intensivstationen und des dort arbeitenden Personals. Aktuell sinke die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen in Deutschland zwar wieder leicht, sagte Marx auch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Er gab aber auch zu bedenken: "Die Auslastung ist weiterhin sehr hoch, die Arbeitsbelastung noch höher, die psychologische Belastung der Teams geht schon teilweise sehr an das Menschenmögliche. Denn die Zahl der Covid-Patienten auf den Intensivstationen sinkt gerade auch, weil sehr viele Patienten versterben." Das sei für die Teams sehr schwer zu ertragen, sagte Marx.

📽️ Video | Doch ein Lockdown in Deutschland nach Weihnachten?

Neue Kontaktbeschränkungen im Gespräch

Im Kampf gegen die befürchtete neue massive Corona-Welle beraten Bund und Länder in Deutschland am Dienstag (16 Uhr) über schärfere Beschränkungen zum Jahreswechsel. Im Fokus der Videokonferenz der Ministerpräsidenten mit Kanzler Olaf Scholz soll die Reduzierung privater Kontakte auch für Geimpfte und Genesene nach Weihnachten und zu Silvester stehen. Im Gespräch sind auch Schließungen von Clubs und Diskotheken.

Die Politik reagiert damit auf einen eindringlichen Aufruf des neuen Corona-Expertenrats der deutschen Bundesregierung. Deutschland droht laut den Experten durch die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante eine "neue Dimension" des Pandemie-Geschehens. Die Regierungschefs und -chefinnen der Länder beraten zunächst untereinander, bevor Kanzler Scholz zugeschaltet wird.

▶️ Niederlande

Die Niederlande haben kurz vor Weihnachten wegen der Omikron-Variante des Coronavirus einen neuen strengen Lockdown verhängt. Von vergangenem Sonntag an müssen nun fast alle Geschäfte, Gaststätten, Kultur- und Sporteinrichtungen, Schulen und Friseure schließen. Ausgenommen sind nur Läden wie Supermärkte und Apotheken, die für die Versorgung wichtig sind.

Die extrem schnelle Verbreitung der Omikron-Variante zwinge zu diesen harten Maßnahmen, sagte Ministerpräsident Mark Rutte. "Es ist unvermeidlich. Wir müssen eingreifen, um Schlimmeres zu verhindern."

Jeder Haushalt darf nun in der Regel nur noch zwei Gäste empfangen. Nur über Weihnachten und zum Jahreswechsel sind ausnahmsweise bis zu vier Besucher erlaubt. Der Lockdown soll zunächst bis zum 14. Jänner gelten – also bis ins neue Jahr hinein. Eine Ausgangssperre werde es vorerst nicht geben, versprach Rutte. Bisher galt in dem Land mit etwa 17,5 Millionen Einwohnern schon ein "Abend-Lockdown". Die meisten Geschäfte, Gaststätten sowie Kultur-und Sporteinrichtungen mussten um 17 Uhr schließen.

Das Beratergremium der Regierung hatte wegen der Omikron-Variante dringend zu dem strengeren Lockdown geraten. Es müsse Zeit gewonnen werden, um so viele Menschen wie möglich mit einer Booster-Impfung vor einer Covid-19-Erkrankung zu schützen. Die Niederlande sind im Vergleich zu anderen Ländern mit Auffrischungsimpfungen in Verzug. Die Verschärfungen hatte sich bereits abgezeichnet. Am Samstag waren viele Menschen in den Innenstädten unterwegs, um jetzt praktisch in letzter Minute noch Geschenke zu kaufen.

RKI: Hohes Risiko für zweifach Geimpfte und Genesene

Wegen der Omikron-Variante des Coronavirus hat das Robert Koch-Institut (RKI) in Deutschland seine Risikobewertung verschärft. Für zweifach Geimpfte und Genesene werde die Gefahr einer Ansteckung nun als "hoch" angesehen, teilte das RKI am Montag auf Twitter mit. Für Ungeimpfte bleibt es demnach "sehr hoch". Für Geimpfte mit Auffrischimpfung (Booster) schätzt das Institut die Gefährdung hingegen als moderat ein.

Insgesamt werde die Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung als "sehr hoch" eingeschätzt, schreibt das Institut in seiner geänderten Risikobewertung. Es warnt vor schlagartiger Erhöhung der Fallzahlen.

"Ursächlich hierfür ist das Auftreten und die rasante Verbreitung der Omikronvariante, die sich nach derzeitigem Kenntnisstand (aus anderen Ländern) deutlich schneller und effektiver verbreitet als die bisherigen Virusvarianten", schreibt das RKI. Die aktuelle Entwicklung sei "sehr besorgniserregend". Zu befürchten sei bei weiterer Verbreitung von Omikron eine weitere Zunahme schwerer Erkrankungen und Todesfälle und ein Überschreiten der deutschlandweit verfügbaren intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten.

▶️ Spanien

Katalonien hat wieder strenge Beschränkungen des öffentlichen Lebens angekündigt. So sollten Clubs, Bars und Discos geschlossen werden, nächtliche Ausgangsbeschränkungen zwischen 1.00 Uhr und 6.00 Uhr gelten und die Auslastung von Gaststätten, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie die Teilnehmer privater Treffen begrenzt werden. Diese Maßnahmen sollten am Freitag für zunächst 15 Tage in Kraft treten. Der Oberste Gerichtshof Kataloniens muss allerdings noch zustimmen.

Die Corona-Zahlen steigen in Spanien trotz einer hohen Impfrate von rund 90 Prozent aller Menschen über zwölf Jahren sehr schnell. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist inzwischen mit gut 377 höher als in Deutschland (306,4). Auch in den Krankenhäusern nimmt die Belastung zu. Insgesamt 1442 Corona-Patienten wurden auf Intensivstationen behandelt und belegten damit 15,5 Prozent der Kapazitäten.

Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat angesichts der Entwicklung für Mittwochnachmittag eine Krisensitzung einberufen. Bei der Videokonferenz mit den Präsidenten der autonomen Gemeinschaften, solle es um Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gehen, hatte Sánchez bei einer am Sonntag landesweit ausgestrahlten TV-Ansprache angekündigt.

Die hoch ansteckende Omikron-Variante des Virus zirkuliert auch in Spanien und dürfte nach Einschätzung von Experten schon bald vorherrschend sein. Außer Katalonien setzen die anderen Regionen aber bisher auf relativ milde Maßnahmen: einen schnellen Fortschritt bei den Drittimpfungen sowie auf die 3G-Regel - geimpft, genesen oder getestet - beim Betreten vieler öffentlicher Innenräume, Beschränkungen bei der Auslastung von Gaststätten, Kinos und Konzerthallen sowie auf eine allgemeine Maskenpflicht in öffentlichen Innenräumen sowie teilweise auch im Freien. (TT.com, APA, dpa)

Bioethikkommission-Chefin: Auch Nichtstun kann unethisch sein

Die Vorsitzende der Bioethikkommission, Christiane Druml, hält angesichts der bevorstehenden Omikron-Welle rasches Handeln für geboten. "Auch Nichtstun kann unethisch sein", sagte die Juristin, die auch Mitglied in der neuen gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination (Gecko) ist, am Montagabend in der ZiB2 des ORF. "Zu handeln, reflektiert zu handeln, ist immer am besten". Sie verwies auf die erste Gecko-Sitzung am Dienstag, dann werde man hören, "wie es weitergeht".

"Auch Nichtstun ist eine Entscheidung. Aber ich denke doch, dass die Regierung etwas plant", sagte Druml. Laut ZiB2 und der Wiener Zeitung sollen nach der ersten Tagung des neuen Gremiums am Dienstag dann am Mittwoch auch die Bundesländer mit "Gecko" Bekanntschaft machen. Für diesen Tag ist ja ein Gespräch der Bundesregierung mit den Landeshauptleuten zur Corona-Situation geplant. Daran sollen auch die beiden Gecko-Leiter, Chief Medical Officer Katharina Reich und der stellvertretende Generalstabschef, Generalmajor Rudolf Striedinger teilnehmen, so die Wiener Zeitung.

Zur geplanten Impfpflicht sagte Druml in der "ZiB2", es sei "sehr schade", dass für bestimmte Berufsgruppen wie Pädagogen oder das Gesundheitspersonal keine Impfung als Voraussetzung für die Berufsausübung vorgesehen ist. Es sei schon ein "gewisser Widerspruch per se", dass zwar einerseits (ab Februar) seitens des Staates die Verpflichtung zu Impfung vorgesehen ist, andererseits aber jene, die dieser Pflicht nicht nachkommen (und die Strafen zahlen, Anm.), im Beruf "sich selbst und andere gefährden". Druml betonte aber, dass die Begutachtung des Gesetzes noch nicht zu Ende ist: "Lassen wir uns überraschen, wie das weitergeht".


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