Kinder in Corona-Krise, Demos und der Bischof: Das war „Tirol Live"

Innsbrucks Diözesanbischof Hermann Glettler, Polizeijurist Florian Greil und Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser waren am Mittwoch zu Gast bei „Tirol Live“.

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📽️ Video | Die komplette Folge von „Tirol Live" am Mittwoch

Harasser: „Abschnitt der Jugend kann nicht nachgeholt werden“

Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser berichtete bei „Tirol Live", wo die Jüngsten in der Corona-Krise der Schuh besonders drückt. Diese belaste die Situation ganz besonders, erklärte sie im Interview mit TT-Chefredakteur Alois Vahrner. „Vielen von ihnen geht es momentan gar nicht gut“, sagt Harasser.

Psychische Probleme, Traurigkeit, Einsamkeit und Zukunftsängste seien weit verbreitet, wie einerseits viele wissenschaftliche Studien, aber auch die Erfahrungen der Kinder- und Jugendanwaltschaft zeigten. „Sie bekommen ja auch mit, dass wir die Krise nicht wirklich im Griff haben. Und dass Kinder und Jugendliche in erster Linie unter den Einschränkungen leiden, wird von den Erwachsenen kaum honoriert. Dabei müssten die sich schon bewusst sein, dass etwa der Lebensabschnitt der Jugend nicht nachgeholt werden kann.“

Partys, Kontakte zu Freunden, die erste Liebe – das alles werde von Corona unmöglich gemacht oder verkompliziert, sagte Harasser. „Und die ganz Kleinen kennen ja nur die Pandemie.“

📽️ Video | Elisabeth Harasser in „Tirol Live"

Tiroler Polizei und Herausforderung Demos

Polizeijurist Florian Greil, Leiter der sicherheits- und verwaltungspolizeilichen Abteilung, gab dann Einblicke in die oft fordernde Polizeiarbeit zwischen Kontrollen und Demo-Begleitung. Letztere seien vor allem dann schwierig, wenn diese spontan oder kurzfristig angesetzt stattfinden.

„Mit unangemeldeten Demos hatten wir in der Vergangenheit nicht so viel zu tun gehabt wie aktuell“, erklärte Greil. Das sei deshalb eine Herausforderung für die Polizei, weil bei Kundgebungen einerseits die Veranstaltung selbst, aber auch das Umfeld geschützt werden müssen.

📽️ Video | Florian Greil in „Tirol Live"

Bischof Glettler: „Stille würde jetzt guttun“

Innehalten, Zuhören und dem gegenüber die Hand reichen – das ist in diesen Tagen für Bischof Hermann Glettler das Wichtigste. „Wir kommen auf das Weihnachtsfest zu mit einer gewissen Aufgeregtheit. Umso wichtiger ist es, dass man sagt, das ist ein Fest der Entlastung, wo man auch runterkommen kann, auch vielleicht einen Frieden auftanken kann. Für mich persönlich steht heuer Versöhnung ganz groß über der Krippe.“ Nicht nur in der Gesellschaft, auch in Familien hätten die aktuellen aufgeheizten Diskussionen um die Corona-Politik zu vielen Verletzungen, zu Misstrauen geführt, sagte der Innsbrucker Bischof bei „Tirol Live" .

Angesichts der angekündigten möglichen Demonstrationen am Heiligen Abend appelliert Glettler: „Ich würde darum bitten, tatsächliche diese 14 Tage zu nutzen, runterzukommen, keine Demos zu machen, um die Verbundenheit unter uns Menschen wieder zu stärken.“ Durch diese harten Diskussionen, Vorwürfe, Forderungen und Enttäuschungen sei sehr viel zerbrochen worden. Deshalb sei der Prozess der Versöhnung, wo man auch diese Verbundenheit wieder aufgreife, sehr wichtig. „Da würde auch dies Stille guttun.“

Weiters sprach der Innsbrucker Bischof darüber, welche positiven Signale es auch in Zeiten wie diesen gibt, was im kommenden Jahr alles in der Diözese geplant ist und wieso Weihnachten alle Menschen feiern können – auch wenn sie nicht glauben.

📽️ Video | Bischof Hermann Glettler in „Tirol Live"

🎧 Podcast | „Tirol Live“ zum Nachhören


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