Feinstaub, Müll und panische Tiere: Land Tirol ruft zum Feuerwerksverzicht auf

Umweltschutzlandesrätin Felipe (Grüne) appelliert an die Bevölkerung, zum Jahreswechsel auf Raketen, Böller und Co. zu verzichten.

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Rauchschwaden über Innsbruck nach der Silvester-Knallerei. Der Feinstaub und die in den Raketen verarbeiteten Metalle belasten die Luft rund zum Jahreswechsel "um ein Vielfaches".
© Amon

Innsbruck – Das Land Tirol ruft zum Verzicht auf Feuerwerkskörper zum Jahreswechsel auf. "Laute Knallkörper, farbenfrohe Raketen und Feuerspektakel zu Silvester sind kurzfristig beeindruckend, die daraus resultierenden Folgewirkungen allerdings weit weniger", erklärt die für den Umweltschutz zuständige LH-Stellvertreterin Ingrid Felipe (Grüne) in einer Aussendung am Stefanitag.

Der Feinstaub und die in den Raketen verarbeiteten Metalle würden die Luft rund um den Jahresbeginn "um ein Vielfaches" belasten. Zudem verstören der explosionsartige Lärm und das grelle Licht sowohl Wild- als auch Haustiere und führen oft zu Panikreaktionen und Angstzuständen, so Felipe. Auch komme eine Unmenge an Müll – oft durch die Explosionen in kleinste Partikel zerfetzt – in Wäldern, Wiesen und Gewässern zu liegen, der "niemals gesammelt oder gar entsorgt" werden könne.

Silvester-Knallerei führt in Österreich zu 61 Tonnen Feinstaub

In Österreich werden an den letzten und ersten Tagen des alten bzw. neuen Jahres laut Studien zirka 61 Tonnen Feinstaub in die Luft abgegeben. Diese mikroskopisch kleinen Feinstaubpartikel sind für den Menschen wesentlich bedenklicher als größerkörniger Staub aus dem Hausbrand. Insgesamt entsteht durch die Feuerwerke österreichweit eine beträchtliche Menge an Restmüll, der großteils abgebrannt und zerstückelt in der Umwelt verstreut wird. Die enthaltenen toxischen Schwermetallpartikel wie Blei, Nickel, Arsen und Cadmium werden zunächst durch die Explosion in der Luft freigesetzt und gelangen nach dem Absinken in Böden und Gewässer, und damit auch in den Nahrungskreislauf von Menschen und Tieren.

Die vom Land Tirol durchgeführten Feinstaubmessungen zum Jahreswechsel 2020/2021 zeigten eine erhebliche Verbesserung der Luftqualität im Vergleich zum selben Zeitraum der Vorjahre, wie Felipe erläutert: „Am 1. Jänner 2021 kam es erfreulicherweise zu einem massiven Rückgang der Feinstaubbelastung. Der Tagesmittelwert lag bei allen Tiroler Luftgütemessstellen teilweise sogar sehr deutlich unter dem Grenzwert von 50 Mikrogramm/m³. Derart niedrige Werte am Neujahrstag hat es seit Beginn der Feinstauberhebung in Tirol nicht gegeben und ist auf die damals geltenden Coronamaßnahmen, aber auch auf die zunehmende Sensibilität und das gestiegene Bewusstsein in der Bevölkerung zurückzuführen.“

Erhebliche Verletzungs- und Brandgefahr

Neben der Lärm- und Luftbelastung sei das Abbrennen von Feuerwerken auch immer mit einer erheblichen Verletzungs- und Brandgefahr verbunden. „Wir wissen alle, wie sehr unsere Krankenanstalten und Rettungskräfte seit mittlerweile fast zwei Jahren durch die Pandemie belastet sind. Schauen wir doch gemeinsam darauf, dass wir mit Verletzungen, die durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern entstehen – oft auch dem Übermut geschuldet – unser Gesundheitssystem nicht noch zusätzlich belasten und feiern wir den Jahresbeginn ohne Knallerei, aus Rücksicht auf unsere Mitmenschen, die Natur und unsere Tiere “, appelliert Felipe an die in Tirol lebenden und urlaubenden Menschen.

Verbot in Ortsgebieten aufrecht

Das bundesweit geltende Pyrotechnikgesetz verbietet generell das Abfeuern von Feuerwerkskörpern im Ortsgebiet. Sonstige Großfeuerwerke oder Aktionen mit Feuerwerken bedürfen einer Genehmigung seitens der zuständigen Verwaltungsbehörde. (TT.com, OTS)


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