Premiere von „L'amico Fritz": Ein Happy End will verdient sein

Die Premiere der Oper „L’amico Fritz“ von Pietro Mascagni bei den Tiroler Festspielen in Erl wurde zu einem musikalischen Erlebnis.

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Karen Vuong, Nina Tarandek, Gerard Schneider und Domen Križaj (v. l.) begeisterten bei der Premiere von „L’amico Fritz“ im Erler Festspielhaus.
© TFE/Xiomara Bender

Erl – Nicht immer meint es die Geschichte gut mit Komponisten. Das trifft auch auf Pietro Mascagni zu. Seine Oper „Cavalleria rusticana“ war zu seiner Zeit ein Renner und steht heute noch mit anderen Werken für den Höhepunkt des Verismo.

Nicht lange danach schrieb er „L’amico Fritz“ – musikalisch reifer und weiter entwickelt. Wenn auch ein seicht-lockeres Libretto von Nicola Daspura zugrunde liegt, die Musik ist ein Feuerwerk aus wunderschönen Melodien und stimmungsvollen Harmonien. Eigentlich ist es Mascagnis Meisterwerk, aber eben ein etwas in Vergessenheit geratenes.

Intendant Bernd Loebe ging zur Eröffnung der Wintersaison der Festspiele Erl das Wagnis ein, mit der Oper weniger Bekanntes auf die Bühne zu bringen. Es war ein Volltreffer: Am Stefanitag sieht das Publikum eine fulminante Premiere. Sie hätte sich mehr Zuseher verdient. Pandemie und Einreisebeschränkungen für das bayerische Publikum lassen jedoch an diesem Abend durch zu viele leere Sessel grüßen.

Die Handlung der Oper ist schnell erklärt: Fritz, eingefleischter Junggeselle im Elsass, wettet mit seinem Freund David, einem Pärchen kuppelnden Rabbiner, dass er nie heiraten werde.

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Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt: Fritz trifft die bezaubernde Suzel, die Tochter seines Gutsverwalters. Kaum gesehen, ist es um ihn geschehen. Aber erst als er hört, dass sie heiraten wird, gesteht er sich die Liebe ein. Das Happy End will verdient sein. Die zwei bekommen einander und Suzel obendrauf noch den Wetteinsatz, einen Weinberg, den ihr David schenkt.

Ute M. Engelhardt lässt in ihrer Inszenierung vor der schlichten Bühne von Sonja Füsti der Musik viel Raum, vertieft das so simple Geschehen durch einen geschickten Griff in die Trickkiste, um mehr Tiefe zu erzeugen und den Charakteren mehr Profil zu geben. Beppe, eigentlich eine Hosenrolle, ist bei ihr eine lebenserfahrene Frau, gewissermaßen das Gegenstück zu Fritz. Damit schafft sie eine Spannung zwischen der unerfahrenen Suzel und Beppe. Schließlich schiebt Engelhardt noch einen Heiratsantrag von Suzels Verlobtem ein, der dem zwischen Liebe und Freiheit zerrissenen Fritz den Rest gibt.

Doch alles, was auf der Bühne passiert, unterstreicht die geniale Musik Mascagnis. Und in dieser schwelgen und versinken die Interpreten auf der Bühne und im Orchestergraben. Allen voran Dirigent Francesco Lanzillotta. Er lässt das präzise spielende Festspielorchester sinfonische Breite annehmen. Alleine das Intermezzo hätte den Weg nach Erl gelohnt.

Auf der Bühne begeistert ein perfektes Gesangsensemble. Gerard Schneider glänzt bei der Interpretation des verzweifelten Fritz. Sein strahlender Tenor riss das Publikum zu einem spontanen Applaus hin. Und dann ist da natürlich Karen Vuong als Suzel: mitreißend, berührend und mit einer natürlichen Musikalität, die ihre Rolle so glaubhaft macht. Vuong ist noch in bester Erinnerung von ihrem glänzenden Auftritt im Sommer – gemeinsam mit Schneider – als Gänsemagd in Humperdincks „Königskinder“. Diesmal legt sie noch einmal eines drauf, singt noch einmal besser.

Rabbi David fand mit Domen Križaj einen perfekten Interpreten, genauso wie Beppe mit Nina Tarandek. Reilly Nelson, Carlos Cárdenas, Giovanni Battista Parodi und ein meist unsichtbar agierender, aber sehr wohltuend hörbarer Chor ergänzen das Ensemble. Pandemie hin oder her: Suzel und Fritz durften sich am Ende küssen. Das hatten sie verdient, genauso wie den Schlussapplaus.


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