Land Tirol blickt auf das „Impf-Jahr“ zurück, Bildung erhöht Quote

Ein Jahr nach der ersten Covid-Impfung in einem Mieminger Seniorenheim wurden mehr als 1,37 Millionen Impfungen in Tirol durchgeführt. Krankenhausaufenthalte konnten dadurch deutlich reduziert werden, wie ein Vergleich zeigt. Die Statistik Austria präsentierte indes Zahlen zum Impfverhalten einzelner Bevölkerungsgruppen.

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Auch in Impfzentren, wie der Messehalle in Innsbruck, wurde Mitte 2021 die Corona-Impfung für alle ab 16 Jahren möglich. Mittlerweile gibt es auch eigene Kinderimpfstoffe.
© Rita Falk / Tiroler Tageszeitung

Innsbruck – Vor einem Jahr fanden die ersten Covid-Impfungen in einem Seniorenheim in Mieming statt. Seit jenem 27. Dezember 2020 wurden in Tirol mehr als 1.373.200 Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht, berichtet das Land am Dienstag in einer Aussendung. Rund 40,8 Prozent der Bevölkerung haben inzwischen bereits eine dritte Impfung erhalten.

Zu Beginn des Jahres waren die Impfstoffe noch begrenzt verfügbar, weshalb nach Risiko und Alter abgestuft mit den Immunisierungen begonnen wurde. Ab 1. Februar war dann die Vormerkung auf der Plattform tirolimpft.at für alle Personen ab dem zugelassenen Alter möglich. Mit Auftreten der Beta-Mutation konnte im Bezirk Schwaz im März ein gesondertes Angebot mit zweimal 50.000 zusätzlichen Impfdosen von BioNTech/Pfizer geschaffen werden. Ab Mitte März war die Impfung dann in ganz Tirol für Personen über 65 Jahren und Risikogruppen möglich, danach wurde laufend nach Altersgruppen abgestuft weitergeimpft bis schließlich Mitte des Jahres jede Person über 16 Jahre die Möglichkeit hatte.

📽 Video | Niedrigste Impfquote bei 25- bis 34-Jährigen

„Nun haben wir ausreichend Impfstoff zur Verfügung und täglich zahlreiche Impfmöglichkeiten in ganz Tirol“, so LH Günther Platter (ÖVP). Er appelliert an die Bevölkerung, auch weiterhin von dem Angebot Gebrauch zu machen. Die „rasche Entwicklung der Corona-Impfstoffe“ bezeichnet Platter als „wohl eine der größten Leistungen der Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten.“

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400.000 Dosen bei Ärzten verimpft, 7500 in mobilen Stationen

Von Beginn an habe man in Tirol auf ein breites Impfangebot bei niedergelassenen Ärzten, in Impfzentren und im Rahmen von zahlreichen dezentralen Angeboten in den Gemeinden, mit dem Impfbus des Landes und einer mobilen Impfstation in Zusammenarbeit mit dem Arbeiter-Samariterbund gesetzt.

🔍 Zahlen, Daten, Fakten zur Corona-Impfung in Tirol

  • Knapp 1,4 Mio. Impfdosen wurden an unterschiedliche Bedarfsträger (Impfzentren, niedergelassene ÄrztInnen, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, etc.) ausgeliefert, davon knapp 400.000 an die niedergelassene Ärzteschaft
  • 7500 Impfungen allein bei mobilen Impfbus-Angeboten (Impf-Bus des Landes, mobile Impfstation des Arbeiter-Samariterbundes und Impf-Van des Landes Tirol) durchgeführt
  • Bei Personen über 50 Jahren liegt die Durchimpfungsrate bei 84,5 Prozent
  • Höchste Durchimpfungsrate nach Bezirk: Innsbruck-Land mit 71,5 Prozent
  • Niedrigste Durchimpfungsrate nach Bezirk: Lienz mit 63,9 Prozent

Fast 400.000 Impfdosen wurden an Arztpraxen ausgeliefert und dort verimpft. Bei den Impfbussen des Landes sowie der mobilen Impfstation des Arbeiter-Samariterbundes wurden rund 7500 Impfungen verabreicht. Zudem hat die Wirtschaftskammer Tirol beim betrieblichen Impfen und mit einem Impfbus unterstützt. Platter bedankt sich gemeinsam mit Gesundheitslandesrätin Annette Leja (ÖVP) bei allen Beteiligten: „Von der Ordinationsassistenz in der Arztpraxis über die Gemeindeangestellten bis hin zum Gesundheits- und Administrationspersonal in den Impfstellen – tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten seit einem Jahr einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie.“

Krankenhausaufenthalte laut Statistik deutlich reduziert

Berechnungen der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) zufolge seien durch die Impfung im heurigen Jahr österreichweit über rund 20.000 Krankenhausaufenthalte, über 6200 Aufenthalte in Intensivstationen und mehr als 6100 Todesfälle vermieden worden.

Für das gesamte Jahr 2021 zeigen Berechnungen auf Tirol bezogen, dass statistisch gesehen eine von 20 positiv getesteten Personen im Krankenhaus und eine von 100 positiv getesteten Personen auf der Intensivstation behandelt werden musste. Zieht man nur das zweite Halbjahr 2021 heran, als die Impfquote innerhalb der Tiroler Bevölkerung bereits deutlich gestiegen war, zeigte sich Folgendes: Nur mehr eine von 30 positiv getesteten Personen musste im Krankenhaus behandelt sowie eine von 200 Personen auf der Intensivstation betreut werden. „Anhand dieser Berechnungen zeigt sich einmal mehr, dass mit Zunahme der Impfung das Risiko eines Krankenhausaufenthaltes aufgrund von Covid merklich gesunken ist“, so Gesundheitslandesrätin Leja.

„Impfbereitschaft hängt wesentlich vom Bildungsniveau ab"

Details zum Geimpft-Genesenen-Status der österreichischen Bevölkerung veröffentlichte am Dienstag indes die Statistik Austria. Dieser variiert vor allem in Abhängigkeit von sozioökonomischen Merkmalen, wie aus den Auswertungen im Auftrag des Wissenschaftsministeriums zum Impfverhalten hervorgeht. „Die individuelle Impfbereitschaft hängt wesentlich vom Bildungsniveau als auch von der Teilnahme am Erwerbsleben ab", erläuterte Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz in Wien.

Die Impfquote liegt demnach unter 25- bis 64-Jährigen mit Hochschulabschluss mit knapp 84 Prozent deutlich höher als bei Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss mit 68 Prozent. Auch Erwerbstätige in dieser Altersgruppe haben mit 76 Prozent eine deutlich höhere Impfquote als diejenigen, die nicht erwerbstätig sind mit 69 Prozent.

📽️ Video | Bildung und Erwerbstätigkeit erhöhen Impfquoten

Die Impfquote bei Personen mit österreichischer Staatsangehörigkeit liegt mit 69,5 Prozent deutlich über jener von Personen ohne (51,5 Prozent). Bei der Betrachtung nach Geburtsland ist der Unterschied mit rund fünf Prozentpunkten weniger stark ausgeprägt (in Österreich Geborene: 67,6 Prozent, nicht in Österreich Geborene: 62,7 Prozent). Deutlich über der Impfquote der in Österreich Geborenen liegt diese bei in der Türkei (73,2 Prozent), Tschechien (73 Prozent), Deutschland (72,4 Prozent) und Afghanistan (72,3 Prozent) geborenen Personen.

Erhebliche Unterschiede zwischen Wirtschaftszweigen

Erhebliche Unterschiede bestehen laut Auswertung auch zwischen Wirtschaftszweigen: Hohe Impfquoten sind zum Beispiel in der Informations- und Kommunikationsbranche, der öffentlichen Verwaltung oder der Finanz- und Versicherungswirtschaft zu beobachten, die geringsten Impfquoten in der Baubranche oder der Land- und Forstwirtschaft.

„Die Zahlen zeigen uns, wo wir ansetzen müssen", sagte Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) bei dem Medientermin. Bildung und Aufklärung seien immens wichtig, um von der Impfung überzeugen zu können, betonte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP).

Rund 30 Prozent weder geimpft noch genesen

Über alle Altersgruppen hinweg liegt der Anteil der Geimpften inklusive der geimpften Genesenen bei insgesamt rund 67 Prozent. Knapp unter vier Prozent der Bevölkerung sind nur genesen und rund 30 Prozent sind weder geimpft noch genesen. Zwischen Männern und Frauen bestehen dabei keine wesentlichen Unterschiede.

📽 Video | Unger (ORF) zur Impfbereitschaft in Österreich

Zum Zeitpunkt des Datenabzuges aus dem Nationalen Impfregister am 30. November waren erst sehr wenige Kinder unter zwölf Jahren geimpft (0,6 Prozent). Ab dem zwölften Geburtstag steigen die Anteile der geimpften bzw. geimpft und genesenen Jugendlichen aber steil an und liegen in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren bei 71,1 Prozent.

Mehr als die Hälfte der Schüler mit gültigem Impfzertifikat

Mehr als die Hälfte der rund 605.000 Schülerinnen und Schüler des Schuljahres 2021/22 ab zwölf Jahren hatten zum Stichtag 30. November ein aufrechetes Impfzertifikat (55 Prozent). Bei den Studierenden ist der Anteil mit 86 Prozent höher und liegt deutlich über der Impfquote der gleichaltrigen Gesamtbevölkerung. Dies hat Statistik Austria im Auftrag des Bildungsministerium ermittelt. Am Dienstag wurden die Zahlen bei einer Pressekonferenz präsentiert.

Die Impfquote der Schülerinnen unterscheidet sich nicht von jener der Schüler und ist zuletzt gestiegen. Die Impfquote ist in der Sekundarstufe II mit 64 Prozent höher als in der Sekundarstufe I mit 37 Prozent. Die Sekundarstufe I in der Unterstufe der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS, 49 Prozent) weist eine deutlich höhere Impfquote auf als an Mittelschulen (30 Prozent). Innerhalb der Sekundarstufe II zeigen Schülerinnen und Schülern der AHS-Oberstufe mit 72 Prozent die höchste Impfquote, gefolgt von berufsbildenden höheren Schulen (66 Prozent) sowie Berufsschulen (62 Prozent). Der niedrigste Anteil ist in der Sekundarstufe II mit einer Quote von 52 Prozent an berufsbildenden mittleren Schulen (inkl. Polytechnischen Schulen) zu finden.

Stand Ende November 2021 waren nach Schätzungen von Statistik Austria bereits 86 Prozent der rund 395.000 Studierenden in Österreich immunisiert. An den öffentlichen Universitäten lag die Quote bei 86 Prozent, wobei die Medizinischen Universitäten mit 92 Prozent besonders hohe Durchimpfungsraten erreichten. (TT.com, APA)


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