Reiche Österreicher wurden in der Pandemie noch reicher

Das Vermögen der 100 reichsten Österreicher ist in der Pandemie um 25 Mrd. Euro gewachsen.

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Das Vermögen der reichsten Österreicher beträgt laut Attac aktuell rund 205 Milliarden Euro.
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Wien – Laut der NGO Attac ist das Vermögen der 100 reichsten Österreicher 2021 um 25 Mrd. auf 205 Mrd. Euro angewachsen. Dabei würden die Zuwächse bei den Milliardären besonders hervorstechen. Ihr Vermögen sei im vergangenen Jahr von rund 68 auf rund 87 Mrd. Euro angewachsen – ein Anstieg von 28 %. Allein dieser Zuwachs entspreche in etwa den gesamten jährlichen Bildungsausgaben Österreichs. Grundlage der Berechnung waren laut Attac die Durchschnittswerte der aktuellen Reichenlisten von Forbes, Vermögensmagazin und Trend sowie Recherchen zu den Familienmitgliedern der reichsten Familien.

„Die Corona-Krise verstärkt die ökonomische und soziale Spaltung in Österreich. Auch in der Pandemie eignen sich einige wenige einen Großteil des Wohlstands an – einen Wohlstand, den wir alle gemeinsam erarbeiten“, kritisiert Kai Lingnau von Attac Österreich. Die Profiteure der Krise würden jedoch kaum beachtet. Gleichzeitig trügen der Großteil der Menschen in der Pandemie enorme Lasten: Gesundheitspersonal, Pädagogen, prekär Beschäftigte und Menschen in schlecht bezahlten Jobs (oft verbunden mit hohem Infektionsrisiko) sowie Kinder und ihre Eltern – vor allem Frauen. Viele seien physisch, psychisch und finanziell am Ende. Sie seien zwar beklatscht, finanziell jedoch vernachlässigt worden.

Ein weiterer Kritikpunkt der NGO: In Österreich würde der Corona-Bonus von durchschnittlich 500 Euro für die Beschäftigten im Gesundheitsbereich noch immer nicht flächendeckend ausbezahlt. Vom erhöhten Familienbonus sowie der Lohn- und Einkommensteuersenkung würden in erster Linie mittlere und hohe Einkommen profitieren. Für kleine Einkommen bliebe nur die Senkung der Krankenversicherungsbeiträge. Arbeitslose und Mindestsicherungsbezieher gingen leer aus. Gesenkt würden hingegen die Gewinnsteuern für Konzerne.

Nun fordert Attac erneut den so genannten „Corona-Lastenausgleich“, der über eine Vermögensabgabe finanziert werden soll. Dabei sollen Vermögen über 5 Mio. Euro mit 10 %, Vermögen über 100 Mio. Euro mit 30 % und Vermögen über einer Milliarde Euro mit 60 % einmalig einen Beitrag zur Bewältigung der Pandemie leisten. Dies würde 80 bis 90 Mrd. Euro bringen. Betreffen würde dies die 10.000 Reichsten in Österreich. (TT)

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