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Franz Welser-Möst dirigiert 2023 zum dritten Mal das Neujahrskonzert

Beim Neujahrskonzert 2023 setzen die Wiener Philharmoniker nach Daniel Barenboim, der das Konzert in diesem Jahr dirigierte, auf einen weiteren Routinier: Franz Welser-Möst wird den Event erneut dirigieren.

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Dirigent Daniel Barenboim beim heurigen Neujahrskonzert.
© DIETER NAGL

Wien – Nach Daniel Barenboim am heutigen 1. Jänner setzen die Wiener Philharmoniker auch für das Neujahrskonzert 2023 auf einen Routinier: Franz Welser-Möst wird das Klassikevent im Goldenen Saal des Musikvereins dann zum dritten Mal nach 2011 und 2013 dirigieren, wie das Orchester am Samstag gegenüber der APA ankündigte. Und nicht nur am Pult des Neujahrskonzerts sammelten beide Seiten bereits vielfach Erfahrungen, gehört Welser-Möst doch zu den Stammpartnern der Philharmoniker.

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📽️ Video | Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker

Der 61-jährige Oberösterreicher ist dabei eine seltene Mischung aus streitbarem Künstler, der im Sinne der Sache zum Äußersten bereit ist, und konziliantem, fast bravem Auftreten. 2012 etwa sorgte Welser-Möst für Verstimmungen mit dem damaligen Intendanten der Salzburger Festspiele, Alexander Pereira, als er ankündigte, einen geplanten Zyklus mit Mozarts Da-Ponte-Opern wegen eines unzumutbaren Zeitplans niederzulegen. Auch aus der Staatsoper schied der Maestro als Generalmusikdirektor 2014 nach Dissens mit Direktor Dominique Meyer über die künstlerische Ausrichtung.

Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker: Die Dirigenten

Eines eint all jene, die seit den Anfängen des Neujahrskonzerts die Wiener Philharmoniker am 1. Jänner durch das Klassikevent führten - sie sind und waren Männer. Der unbeschränkte Rekordhalter bleibt dabei Konzertmeister Willi Boskovsky, der über 25 Jahre hinweg als Stehgeiger verantwortlich zeichnete. Ein chronologischer Überblick über die bisherigen Dirigenten des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker:

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Clemens Krauss 1939

Clemens Krauss 1941-1945

Josef Krips 1946-1947

Clemens Krauss 1948-1954

Willi Boskovsky 1955-1979

Lorin Maazel 1980-1986

Herbert von Karajan 1987

Claudio Abbado 1988

Carlos Kleiber 1989

Zubin Mehta 1990

Claudio Abbado 1991

Carlos Kleiber 1992

Riccardo Muti 1993

Lorin Maazel 1994

Zubin Mehta 1995

Lorin Maazel 1996

Riccardo Muti 1997

Zubin Mehta 1998

Lorin Maazel 1999

Riccardo Muti 2000

Nikolaus Harnoncourt 2001

Seiji Ozawa 2002

Nikolaus Harnoncourt 2003

Riccardo Muti 2004

Lorin Maazel 2005

Mariss Jansons 2006

Zubin Mehta 2007

Georges Pretre 2008

Daniel Barenboim 2009

Georges Pretre 2010

Franz Welser-Möst 2011

Mariss Jansons 2012

Franz Welser-Möst 2013

Daniel Barenboim 2014

Zubin Mehta 2015

Mariss Jansons 2016

Gustavo Dudamel 2017

Riccardo Muti 2018

Christian Thielemann 2019

Andris Nelsons 2020

Riccardo Muti 2021

Daniel Barenboim 2022

Franz Welser-Möst 2023 (designiert)

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Künstlerische Kraftzentren hat Welser-Möst dabei zwei. Seit 2002 hat er zum einen die Position des Chefdirigent des Cleveland Orchestra inne. Der Meister der kleinen, gezielt gesetzten Signale anstelle des weltumspannenden Armgestus der Pultdiva harmoniert mit dem vielleicht europäischsten der großen US-Orchester hervorragend. Momentan läuft die Partnerschaft bis zumindest 2027. Und das zweite Orchester, zu dem Welser-Möst eine enge Verbindung hält, sind die Wiener Philharmoniker, deren Ehrenring er seit 2014 trägt.

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Die Wiener Philharmoniker unter Dirigent Daniel Barenboim beim Neujahrskonzert 2022.
© DIETER NAGL

Dabei hätte der am 16. August 1960 als Franz Möst in Linz Geborene ursprünglich Geiger werden wollen, was durch einen Autounfall verhindert wurde, der ihn letztlich auf die Dirigentenbahn führte. Nach einer problembelasteten Zeit als Musikdirektor des London Philharmonic Orchestras, in der er von der britischen Presse als "Frankly Worse-than-Most" betitelt wurde, fasste der junge Kapellmeister aber alsbald Tritt. Und so ging es 1992 an die Oper Zürich zu Alexander Pereira und schließlich an die Wiener Staatsoper, an die er nach dem Bruch mit Meyer unter Bogdan Roščić wieder als Dirigent zurückgekehrt ist.

Und ansonsten pflegt der ruhige Pultdenker, auch wenn er nun zum dritten Mal beim publikumsträchtigen Neujahrskonzert das Zepter führen wird, eher den Lebensweg der Kontemplation, wie er selbst in seiner 2020 erschienenen Autobiografie "Als ich die Stille fand" schreibt: "Mögen die anderen weiter schreien, bunte Bilder in die Welt schicken und sich überlegen, wie man sonst noch auffallen könnte - ich gebe mich lieber der Muße hin." (APA)

Die Geschichte der Pultherrscher am 1. Jänner

Eigentlich beginnt die Geschichte des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker 1939 – an einem Silvestertag – mit einem "Außerordentlichen Konzert" unter Clemens Krauss im Großen Musikvereinssaal. Das erste Konzert an einem Neujahrstag folgte dann am 1. Jänner 1941, erneut unter Krauss' Leitung, der bis 1945 zu Neujahr wienerisch aufspielte.1946 und 1947 leitete schließlich Josef Krips die Neujahrskonzerte, wobei 1946 die Veranstaltung – bis dahin unter "Johann-Strauß-Konzert" oder "Philharmonische Akademie" firmierend – erstmals offiziell Neujahrskonzert hieß. Clemens Krauss übernahm dann nach Aufhebung eines im Zuge der Entnazifizierung verhängten Auftrittverbots ab 1948 bis zu seinem Tod 1954 wieder die Konzerte.Nach der Ära Krauss und einigen Kalamitäten in der Nachfolgeregelung wählte man schließlich die Variante, Willi Boskovsky, den ersten Konzertmeister, als Stehgeiger einzusetzen und auf einen Dirigenten zu verzichten. So begann 1955 eine 25-jährige Erfolgsgeschichte. Erst als Boskovsky nach 1979 krankheitshalber auf die Leitung verzichten musste, griff man wieder zur Variante mit einem Dirigenten. Lorin Maazel übernahm als designierter Direktor der Staatsoper die Leitung des Neujahrskonzerts 1980, die er durchgehend bis 1986 innehatte und dann wieder 1994, 1996, 1999 und 2005.Nach der Auftaktära Maazel wechselten die Maestros zwar häufiger, dennoch finden sich auch hier zwei Veteranen des Events: Riccardo Muti setzte sich hier mit seinem Einsatz 2021 an die Spitze. Der italienische Maestro führte die Philharmoniker mittlerweile sechs Mal durch den Neujahrsvormittag (1993, 1997, 2000, 2004, 2018 und 2021), während sein indischer Kollege Zubin Mehta bis dato fünf Mal die Ehre hatte (1990, 1995, 1998, 2007 und 2015).Dass die Philharmoniker allerdings nicht immer auf Routiniers setzen, was das Neujahrskonzert betrifft, bewiesen sie in den vergangenen Jahren, hatte man hier doch mit Christian Thielemann 2019 und Andris Nelsons 2020 gleich zwei Neujahrskonzertdebütanten hintereinander verpflichtet. Daniel Barenboim, der die Philharmoniker heuer durch den Neujahrsvormittag führte, machte indes sein persönliches Triple voll, was auch Franz Welser-Möst kommendes Jahr erreichen wird. So stand der gebürtige Oberösterreicher doch vor 2023 bereits 2011 und 2013 am Pult für den 1. Jänner.


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