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Christian Egger stellt in Schwaz aus: Der Irrweg ist das Ziel

Turbulentes Auseinanderdriften von Form und Funktion: der Tiroler Künstler Christian Egger in der Stadtgalerie Schwaz.

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Den Umweg über die Spiegelung nehmen: Eggers bedruckte Shirts sind in seiner Einzelausstellung nicht auf Anhieb lesbar.
© Verena Nagl

Schwaz – Ganz einfach wird es 2022 nicht, so viel steht schon in der ersten Woche des neuen Jahres fest. Einmal mehr. In die erste gedankliche Sackgasse tappen BesucherInnen in Christian Eggers Einzelausstellung in der Galerie der Stadt Schwaz, mit der der Ausstellungsraum nach kurzer Feiertagsunterbrechung morgen ins 2022 startet. Denn in dieser Schau ist die Irritation Programm. Wohin führt der nach außen gestülpte Sockel? Was bringt ein gesprochener Ausstellungstext, der erzählt, aber nicht informiert? Das sind nur einige Fragen, die sich in Auseinandersetzung mit den vornehmlich skulpturalen Werken des gebürtigen Tiroler Künstlers (Autors und Musikers) stellen. Die Mühe ist das Fragen aber wert: Einfach nur egal sein kann einem Eggers Kunst nicht.

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In „Fwd: Disparate Threads! Fals Endings! (Schere und Kette)“ beginnt man also am Anfang, bei der Materialität und der Machart der zunächst scheinbar disparaten Arbeiten. Erste lustvolle Begegnungen folgen prompt. Radikal reduziert heißt ja nicht gleich weniger verspielt: Die transparenten Zeichnungen auf einem der vielen Spiegel wachsen sich in Bleistiftzeichnungen aus oder geben die sich spiegelnden Umrisse bedruckter T-Shirts wider. Solche hängte Egger schon zum 25. Jubiläum der Stadtgalerie 2019 in den Raum. Während „Abstraktion“ damals gut lesbar in Einzelteile zerpflückt wurde, gilt es heute den Umweg über eine weitere Spiegelung zu nehmen. Ein Ziel, eine Antwort ist dabei übrigens nicht in Aussicht.

Galerie der Stadt Schwaz

Palais Enzenberg, Schwaz

bis 5.2., Mi–Fr 12–18 Uhr, Sa 10–15 Uhr.

Jede Arbeit und alle gemeinsam hingegen füllen den Raum mit neuen Bedeutungen – eine Erkenntnis, die die Schau besonders machen. Im konsequenten Auseinanderdriften von bekannter Form und eigentlicher Funktion schließt Kuratorin Annette Freudenberger ihre Schwazer Untersuchungen zum Bild in der Gegenwart nur konsequent ab. Um, bevor sie mit 2022 für eine neue Aufgabe nach Wien abzieht, vielleicht noch mitzugeben: Manchmal ist eben der Irrweg das Ziel.

Bei Egger geht die Rechnung jedenfalls auf, schließlich sind seine an der Decke hängenden Blind-Taste-Weingläser komplett unfunktional, sie lassen sich erst gar nicht befüllen. Ebenso wie sich die Sneaker am Boden weder anziehen, noch als Stromquelle nutzen lassen. Auch Eggers älteste Arbeit, eine Klorolle aus CD-Rohlingen, kann nicht abgerollt werden. Dennoch: In Zeiten der Pandemie spiegelt sich darin abseits der längst ausrangierten Realität eine komplett neue Gegenwart. Eine, in der sich die Navigation zwischen Fakt und Fake als turbulent gestaltet. Aber auch zur ultimativen Herausforderung wird. (bunt)


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