Weniger Ehen und weniger Scheidungen in der Pandemie

Das Institut für Familienforschung zeigt, wie sich das erste Corona-Jahr 2020 ausgewirkt hat. Ein kleines Minus gab es auch bei den Geburten.

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Familien bekamen im Corona-Jahr 2020 dank eines Kinderbonus mehr Geld vom Staat.
© APA/Neumayr

Wien – Das Fest zum großen Tag war lang geplant, Einladungen verschickt, das Brautkleid abgesteckt – und dann kam Corona. Diese bittere Erfahrung mussten im Frühjahr 2020 viele Paare machen. Viele verschoben die Hochzeit auf den Herbst, manche um ein Jahr, einige sagten ganz ab. Tatsächlich sank die Zahl der Eheschließungen 2020 im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 um 13,8 Prozent auf 46.034, geht aus einer aktuellen Zusammenschau des österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) hervor. In Tirol war der Rückgang weniger stark. 3600 Eheschließungen 2020 nach 4017 im Jahr 2019 bedeuten ein Minus von 417 oder 10,4 Prozent.

Tirol bei Ehen deutlich über dem Österreich-Schnitt

Überhaupt gibt es in Tirol vergleichsweise viele Trauungen. Mit 474 Ehen pro 100.000 Einwohnern liegt das Land deutlich über dem Österreich-Durchschnitt (445). Mehr geheiratet wurde nur in Vorarlberg (497 Ehen pro 100.000 Einwohner) und Oberösterreich (477). Am anderen Ende der Statistik liegen Wien und das Burgenland mit je 398.

Das ÖIF veröffentlicht alljährlich einen Report „Familien in Zahlen“ mit einer Zusammenfassung einschlägiger Statistiken und Fakten. Nun liegt der Bericht für das erste Corona-Jahr 2020 vor. Eine zentrale Frage der Experten war, wie sich die Pandemie auf die Familien ausgewirkt hat.

Neben der Zahl der Eheschießungen ging auch die der Scheidungen zurück. 2019 endeten 16.319 Ehen vor dem Richter, 2020 waren es nur 14.870 (minus 8,9 Prozent). Die Gesamtscheidungsrate sank von 40,7 Prozent auf 37,6 Prozent. Eine klare Folge der Pandemie bzw. der Lockdowns zeigt sich auch im Monatsvergleich: Im April 2020 (erster Lockdown) wurden österreichweit nur 137 Ehen geschieden. Im Juli 2020 waren es aber 1634.

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Rückgang auch bei Geburten

Bei den Geburten gab es im Corona-Jahr 2020 ebenfalls einen Rückgang um 1,6 Prozent auf 83.603 Geburten. Dieser ordnet sich aber in einen Trend mehrerer Jahre ein: Nach einem Höchststand 2016 war in den Folgejahren ein stetiges Sinken der Zahlen zu beobachten. Den Höhepunkt der Geburten in Österreich gab es Mitte der 1960er-Jahre. Der Höchstwert wurde 1963 mit fast 135.000 erreicht.

Dieser Rückgang drückt sich auch in der Fertilitätsrate aus: Mitte der 1960er-Jahre bekam eine Frau in Österreich im statistischen Durchschnitt noch 2,7 Kinder. 2015 waren es 1,49 – und 2020 nur noch 1,44.

Längerfristig zeigt der Trend, dass Frauen immer später Kinder bekommen. Im Jahr 2010 lag das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes noch bei 28,5 Jahren. Bis 2020 war es auf 30 Jahre gestiegen.

Leicht zurückgegangen ist der Anteil der Kinder unter 15 Jahren, die bei nur einem Elternteil leben – von 12,4 Prozent im Jahr 2019 auf 11,5 Prozent 2020. Zum überwiegenden Großteil handelt es sich dabei um Mütter. Väter bilden mit einem Anteil von rund sieben Prozent nur eine kleine Minderheit.

Bei der Kinderbetreuung stellt das ÖIF über die Jahre hinweg einen starken Anstieg bei den Kindern unter drei Jahren fest. 2010 lag die Betreuungsquote in dieser Altersgruppe bei 19 Prozent, 2020 schon bei 29,9 Prozent.

Ein deutliches Plus verzeichnet der Bericht bei den Leistungen für Familien. Die Ausgaben für Familienbeihilfe stiegen von 2019 auf 2020 um rund 20 Prozent. Das Plus ist leicht erklärt: 2020 gab es wegen der Pandemie einen Kinderbonus, für den 656 Millionen Euro aufgewendet wurden. (sabl)


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