Entgeltliche Einschaltung

Mückstein: Normalstationen künftig Messgröße für Lockdown

Bezüglich Omikron gehe Österreich einen „sehr sicheren Weg“ zwischen „Durchrauschen“ und Containment, sagt der Gesundheitsminister. Die Impfpflicht komme wie geplant fix mit Februar, der Lockdown für Ungeimpfte werde dann aber nicht automatisch enden. Mückstein geht davon aus, dass auch Weihnachten 2022 in Hinblick auf Corona noch von Vorsicht geprägt sein wird.

  • Artikel
  • Video
  • Diskussion (13)
Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein hält am Impfpflicht-Start im Februar fest.
© HANS PUNZ

Wien – Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) will einen weiteren Lockdown in Österreich in der Omikron-Welle verhindern, dies sei das "erste große Ziel" in der aktuellen Corona-Situation. Gleichzeitig betonte er im APA-Interview, er könne weder einen Lockdown noch erneutes Distance Learning ausschließen. Der entscheidende "Marker" werde künftig aber nicht mehr die Belegung der Intensivstationen sein, sondern jene der Normalstationen.

Entgeltliche Einschaltung

📽️ Video | Mückstein will Lockdown durch Fokus auf Normalstationen verhindern

Weniger Spitalsaufenthalte mit Omikron

Mückstein verwies darauf, dass die Wahrscheinlichkeit einer Spitalsaufnahme bei der neuen Virus-Variante Omikron circa 40 bis 50 Prozent geringer sei als bei der Delta-Variante. "Wir wissen auch, dass bei Delta einer von vier mit Covid-19 Infizierten eingelieferten Patienten auf die Intensivstation gekommen ist", Bei Omikron betrage dieses Verhältnis hingegen nur 1:10. Bekannt sei auch, dass bei der Delta-Variante etwa 20 Prozent der Intensivpatienten beatmet werden mussten, bei Omikron nur zwei Prozent.

"Deswegen ist der Intensivstations-Marker, wie wir ihn bis jetzt gekannt haben, nicht tauglich. Wir können nicht warten, bis die Intensivstationen so ein Problem haben, dass wir nicht mehr anders können." Denn man werde bereits vorher auf den Normalstationen und auch im niedergelassenen Bereich ein Problem bekommen – "das ist die Herausforderung". Gleichzeitig betonte Mückstein, dass aktuell – auch international – noch nicht klar sei, wie dieser Marker zu definieren ist. Es sei offen, welches Ausmaß der Auslastung an den Normalstationen zu welchen Maßnahmen führen müsse. "Das wissen wir noch nicht."

Gewinnspiel: Jahresabo für Body & Soul

TT-ePaper 4 Wochen gratis ausprobieren, ohne automatische Verlängerung

„Zeitfenster für Impfung nützen“

Entscheidend sei, dass die Impfung vor schweren Verläufen "nach wie vor schützt, auch bei der Omikron-Variante". "Deswegen ist auch das Zeitfenster von wenigen Wochen, die wir jetzt noch haben, bis auch die Spitäler wieder mehr belastet werden, so wichtig, um es für die Impfung zu nützen", betonte der Gesundheitsminister.

Auch verwies er auf den Effekt der (Booster-)Impfungen. Denn der Drittstich sei nicht nur für den Selbstschutz ausschlaggebend, sondern auch für die Weitergabe des Virus. Denn wenn ein dreifach Geimpfter eine Durchbruchsinfektion erleidet, dann sei laut aktuellen Studien die Gefahr einer Übertragung zu einem weiteren dreifach Geimpften sehr gering. Zwischen einem Geimpften und einem Ungeimpften sei die Chance hingegen hoch – "und wenn ich zwei Ungeimpfte habe, dann potenziert sich die Gefahr". Darüber hinaus seien dreifach Geimpfte auch kürzer ansteckend, betonte Mückstein.

Zwischen „Durchrauschen“ und Containment

Bei der Omikron-Variante gebe es zwei Strategien: "Das Containment, den Lockdown – am Beispiel Holland." Und es gebe ein Beispiel – England –, "das es tatsächlich mehr oder weniger durchrauschen lässt", so der Minister. "Wir gehen keinen von beiden Wegen." Österreich gehe hingegen einen Weg, "mit Augenmaß, wo wir sehr strenge Maßnahmen haben seit dem 12. Dezember."

Einen Lockdown sieht der Minister aktuell nicht als geboten: "Holland ist seit drei Wochen im Lockdown – das wäre ein Containment. Damit kann man das Problem in der jetzigen Phase der Pandemie verschieben. Und nicht einmal dort nützt der Lockdown jetzt soweit, dass die Zahlen komplett runter gehen. Das heißt, sobald der Lockdown aus ist, werden dort auch die Zahlen steigen." Ziel in Österreich sei es, die Welle so abzuflachen, "so dass wir eben kein Problem bekommen mit der medizinischen Versorgung".

Kritik an der Lockerung der Quarantänebestimmungen, mit der die Regierung Ausfälle in der kritischen Infrastruktur wegen zu vieler Absonderungen verhindern will, teilt Mückstein nicht. Auch sieht er die gesetzten Maßnahmen als ausreichend. Der Minister verweist darauf, dass in Österreich deutlich strengere Regeln aufrecht sind als in anderen europäischen Ländern. "Wir gehen einen sehr sicheren Weg. Weil die Maßnahmen, die wir in Österreich haben, die werden in anderen Ländern gerade erst überlegt." In vielen anderen Ländern gebe es die 3G-Regel nicht – "von 2G ganz zu schweigen".

📽️ Video | Verkürzte Quarantänedauer in Kraft

„Durchseuchung nicht der Ausweg“

Eine Durchseuchung – an der man laut der obersten Gesundheitsbeamtin Katharina Reich in Österreich nicht vorbeikommen werde, sofern man sich nicht mit der Impfung, vor allem der Dreifachimpfung schützt – ist für Mückstein nicht der Ausweg aus der Pandemie: "Wir wissen, dass bei der Impfung und bei der Genesung der Immunschutz mit der Zeit nachlässt. Das heißt, das (die Durchseuchung, Anm.) kann jetzt nicht unmittelbar die Lösung sein."

Wir wissen, dass bei der Impfung und bei der Genesung der Immunschutz mit der Zeit nachlässt. Das heißt, das kann jetzt nicht unmittelbar die Lösung sein.
Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein

Außerdem verwies er auf allfällige weitere Mutationen, vor der eine durchgemachte Infektion eventuell nicht schützt: "Wer schützt uns davor, dass wir im Herbst eine neue Variante bekommen, die im Endeffekt noch ansteckender ist oder noch schwerere Krankheitsverläufe macht?" Die Perspektive sei "eine hohe Gesamtimmunität in der Bevölkerung. Und das wichtigste Mittel dorthin ist die Impfung", sagte Mückstein.

Ungeimpften-Lockdown endet nicht automatisch mit Impfpflicht

Die Impfpflicht sei daher eine mittelfristige Maßnahme auf diesem Weg – auch wenn sie jetzt für die aktuelle fünfte Welle zu spät komme. Einmal mehr betonte er, dass er am Startdatum für diese Maßnahme festhält: "Die Impfpflicht wird kommen ab Anfang Februar." Daran werde auch die Ankündigung der ELGA GmbH vom Freitag nichts ändern, wonach eine technische Umsetzung der Erfassung der Ausnahmen im nationalen Impfregister erst frühestens ab April möglich ist.

Der Lockdown für Ungeimpfte wird laut Mückstein aber nicht automatisch mit Einführung der Impfpflicht enden. "Ein Lockdown kann verfassungsrechtlich nur begründet werden mit dem drohenden Zusammenbruch der medizinischen Versorgung. Solange diese Bedrohung real ist, wird der Lockdown für Ungeimpfte weitergehen", stellte er klar.

Schulen sollen offen bleiben

Möglichst verhindert werden soll laut Mückstein nicht nur ein neuerlicher Lockdown, sondern auch eine erneute Abkehr vom generellen Präsenz-Unterricht in den Schulen. Man wisse, dass die Bildungseinrichtungen Teil der Infektionsketten sind. Zum anderen wisse man, "dass Schulschließungen große Probleme machen, v.a. im psychosozialen Bereich". Er sei sich mit Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) jedenfalls einig, dass man den Präsenzunterricht möglichst lange aufrechterhalten wolle.

Der Minister wies erneut auf die Bedeutung der Impfung bei Kindern hin. Denn einerseits hätten Kinder als Hauptbetroffene der Einschränkungen größtes Interesse, dass die Pandemie bald endet. Andererseits bestehe auch für Kinder sehr wohl eine Gefahr durch die Erkrankung – vor allem hinsichtlich möglicher Langzeitfolgen wie Long Covid. "Ich sehe das als wirklich besorgniserregend – und da schützt die Impfung", sagte er. Auch die nun verstärkt in den Fokus gerückte Corona-Folgeerkrankung bei Kindern, das Hyperinflammationssyndrom (PIMS oder auch MIS-C genannt), zeige auf, dass keinesfalls nur Ältere von schweren Verläufen betroffen sein können.

Long Covid sieht der Minister generell als "große Herausforderung" an. Denn rund zehn Prozent der Infizierten seien betroffen und dies sei daher "ein sehr großes Thema". Und umso mehr müsse man Hilfen anbieten. Die Diagnose sei schwierig, daher habe die Österreichische Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) federführend mit anderen Fachgesellschaften eine Leitlinie zur Diagnose erstellt. Auch wurde eine Arbeitsgruppe im Obersten Sanitätsrat eingerichtet, die u.a. noch bestehende Versorgungslücken und Probleme für die Betroffenen identifizieren soll. Und es sei ein Online-Tool für Hausärzte in Entwicklung, das bei der Diagnostik und auch beim Finden des richtigen Settings für die Behandlung unterstützen soll, so der Minister.

Auch Weihnachten 2022 noch Vorsicht notwendig

Fix ist für Mückstein, dass auch im kommenden Winter noch Vorsicht angebracht sein wird. "Ich glaube, dass wir nächstes Weihnachten auch die Älteren und kranken Menschen weiter schützen müssen", sagte er. "Der Test, bevor ich zur 80-jährigen Großmutter gehe, der wird auch noch sinnvoll sein", betonte er. Gefragt, ob er es wie die Virologin Dorothee Van Laer für realistisch hält, dass man erst im Jahr 2024 die Maske nicht mehr brauchen werde, sagte Mückstein, das könne er "nicht prognostizieren". "Aber es wird auch 2025 noch schlau sein, in der Infektionszeit ab Oktober, November, eine Maske aufzusetzen." Denn man habe auch in diesem Winter erneut keine nennenswerte Influenzawelle gehabt. "Und die Masken schützen auch vor banalen grippalen Infekten – und nicht nur sehr gut gegen das Coronavirus", so der Minister. (APA, TT.com)


Kommentieren


Schlagworte

Entgeltliche Einschaltung