Die Chronologie im Fall Djokovic: Corona, Jesus und viele Ungereimtheiten

Die Hängepartie um die Teilnahme von Titelverteidiger Novak Djokovic bei den Australian Open (17. bis 30. Jänner) ist noch nicht zu Ende. Eine Chronologie der – in vielen Teilen verwunderlichen – Ereignisse der letzten Wochen:

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📆 10. Dezember: Die Frist für den Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zur Teilnahme an den Australian Open endet - für Spieler, die nicht gegen das Coronavirus geimpft wurden. Nur vollständig Geimpfte dürfen an den Start gehen.

📆 16. Dezember: Der nicht geimpfte Djokovic nimmt an einer Veranstaltung der serbischen Post in seinem Heimatland teil. Am Abend erfährt er von seiner Infektion. Das positive PCR-Ergebnis steht in Unterlagen, die seine Anwälte später den australischen Behörden vorlegen. Nach den Regeln in Serbien müssen Covid-Positive, die keine schweren Symptome haben, für 14 Tage in häusliche Isolation.

📆 17. Dezember: Djokovic, der eigentlich in Monaco lebt, ist ohne Maske und Abstand Gast auf einer Preisverleihung für junge Tennisspieler in Serbiens Hauptstadt Belgrad.

📆 18. Dezember: Er hat ein Interview mit Foto-Shooting für die französische Sportzeitung L'Équipe.

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📆 22. Dezember: Djokovic hat einen weiteren Test gemacht. Ergebnis nach eigenen Angaben: negativ.

📆 30. Dezember: Djokovic erhält seinen Anwälten zufolge eine Ausnahmegenehmigung für die Australian Open vom Medizin-Chef des australischen Tennisverbands.

📆 Jahreswechsel 2021/2022: Aufnahmen in sozialen Medien zeigen Djokovic in einem Tennisclub im spanischen Marbella.

📆 5. Jänner: Djokovic reist nach Australien. Weil er aus Sicht der Behörden nicht die nötigen Dokumente für eine Ausnahmegenehmigung vorlegt, wird ihm die Einreise verweigert. Er kommt in ein Abschiebehotel.

📆 6. Jänner: Auf einer bemerkenswerten Pressekonferenz in Belgrad vergleicht Djokovics Vater seinen Sohn mit Jesus Christus: "Jesus wurde gekreuzigt, ihm wurde alles angetan, und er ertrug es und lebt immer noch unter uns", so Srdjan Djokovic. "Jetzt versuchen sie Novak auf die gleiche Weise zu kreuzigen und ihm alles anzutun."

📆 10. Jänner: Ein Gericht in Melbourne gibt Djokovics Einspruch statt und lässt ihn einreisen. Er darf sich frei bewegen. Wenige Stunden später steht er auf dem Trainingsplatz.

📆 11. Jänner: Es wird bekannt, dass Djokovic in seinem Einreiseformular angegeben hat, er sei in den 14 Tagen vor dem Flug nach Australien nicht gereist.

Der ausgefüllte Einreisebescheid von Djokovic. Hat der Serbe dabei wissentlich falsche Angaben gemacht?
© MLADEN ANTONOV

📆 12. Jänner: Djokovic meldet sich via Social Media erstmals selbst zu Wort. Er bezieht vor allem Stellung zu seinem positiven Coronatest im Dezember und den Vorwürfen, er habe sich trotzdem in der Öffentlichkeit gezeigt und damit gegen die Bestimmungen in seinem Heimatland Serbien verstoßen. Der 34-Jährige ist sich weiter keiner Schuld bewusst.

Unterdessen prüft die australische Einwanderungsbehörde weitere Beweise im Visumsstreit und kündigt erneut eine Verzögerung bei der Entscheidung an.

📆 14. Jänner: Der Einwanderungsminister Alex Hawke beruft sich auf den Migration Act und nützt sein Recht, das Visum neuerlich zu annullieren. Die Anwälte von Djokovic erklären in einer Anhörung, dass es die Entscheidung beeinspruchen und die drohende Abschiebung verhindern will. Eine endgültige Entscheidung soll nun am Sonntag fallen.

📆 15. Jänner: Nach einer Anhörung vor Gericht ist Djokovic erneut in Gewahrsam in einem Abschiebe-Hotel. Für Sonntagmorgen um 9.30 Uhr Ortszeit ist eine Anhörung vor einem Bundesgericht geplant. Drei Richter sollen über den Fall entscheiden. Rechtsmittel sind gegen dieses Urteil dann nicht mehr möglich.

📆 16. Jänner: Novak Djokovic darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss ausreisen. Wie das Bundesgericht in Australien am Sonntag entschied, wurde der Einspruch des serbischen Tennisprofis gegen seine verweigerte Einreise und die Annullierung des Visums abgelehnt.


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