Über das Frühstück aus Osttirol muss man reden

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Theresa Rogl, Staatsmeisterin der Jungköche, zaubert für ihre Gäste in Kals mit Begeisterung das Osttirol Frühstück.
© Brunner Images

Von Christoph Blassnig

Lienz – Einen Mangel an Stolz, Selbstbewusstsein und Kooperationswillen vermutet Eckart Mandler im bunten Strauß aller Eigenschaften der Osttiroler Mentalität.

„Das erklärt für mich, warum es das ,Osttirol Frühstück‘ auch nach zwei EU-Förderperioden noch immer nicht in die Selbstständigkeit geschafft hat.“ Mandler hat sich über Jahrzehnte einen Namen als Fachmann für nachhaltigen Tourismus erarbeitet, ist für das Land Kärnten Projektkoordinator für Slow Food und Slow Food Travel und betreut unter anderem eine eigene Plattform für Wanderhotels. Aufgewachsen ist der gebürtige Vorarlberger in Irschen. In Lienz ging Mandler zur Schule, rückte beim Bundesheer ein und betreibt heute noch sein Büro am Südtiroler Platz.

Das „Osttirol Frühstück“ wurde vor neun Jahren als Gemeinschaftsprojekt von Landwirtschaftskammer, Tourismusverband und Wirtschaftskammer ins Leben gerufen. Gäste und Einheimische sollten Lebensmittel und Spezialitäten aus heimischer Erzeugung schon am Frühstückstisch kennen lernen und so einen emotionalen Bezug zur Region herstellen. Gutscheine sind über den TVB erhältlich und haben sich zu einer beliebten Geschenksidee entwickelt, weit mehr als tausend werden jährlich bei den gut zwei Dutzend Partnerbetrieben eingelöst. Und trotzdem ringt das „Osttirol Frühstück“ ums Überleben. Die Wirtschaftskammer möchte die Koordination an einen Kümmerer, vielleicht einen Verein, weitergeben. Eckart Mandler wurde eingeladen, in einem Workshop gemeinsam mit den Gastgebern neue Motivation zu wecken und das Angebot aufzufrischen. „Ich freue mich darauf, weil ich größtes Potenzial sehe“, sagt der Tourismusfachmann.

In Osttirol wisse der Einzelne einfach zu wenig vom anderen, die einheimischen Haubenköche und Falstaff-prämierten Häuser würden in der allgemeinen Wahrnehmung kaum vorkommen. Gleichzeitig würden Bauern Lebensmittel höchster Qualität erzeugen, die bedauerlicherweise deutlich unter ihrem Wert vermarktet würden. Der Weg zum gemeinsamen Erfolg führe über Zusammenarbeit und Kommunikation. „Das ,Osttirol Frühstück‘ muss man zelebrieren“, verlangt Mandler. Die Lebensmittel müssten aus den standardisierten Hotelbuffets genommen und liebevoll präsentiert und serviert werden. „‚Tue Gutes und rede darüber‘ vermittelt über den Geschmack Wohlbefinden und steigert zugleich die Wertschöpfung.“


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