Corona-Krise

Soziale Ungleichheit verschärft: Zehn Reichste verdoppeln Vermögen in Pandemie

Amazon-Gründer Jeff Bezos steht auf der „Forbes"-Liste der Milliardäre 2021 an zweiter Stelle.
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Die zehn reichsten Milliardäre verdoppeln ihr Vermögen, während weltweit 160 Millionen Menschen in die Armut stürzen: Seit Pandemie-Beginn verschärfen sich soziale Ungleichheiten laut einem Oxfam-Bericht massiv. Die Organisation fordert, Vermögende jetzt stärker in die Verantwortung zu nehmen.

Davos/Berlin – Die Corona-Pandemie hat aus Sicht der Organisation Oxfam soziale Ungleichheiten verschärft. Während sich das Vermögen der zehn reichsten Milliardäre verdoppelt habe, lebten über 160 Millionen Menschen zusätzlich in Armut, heißt es in einem Bericht, den Oxfam kurz vor Beginn einer digitalen Konferenz des Weltwirtschaftsforums vorstellte. Auch in Deutschland habe die Konzentration der Vermögen weiter zugenommen.

Oxfam forderte von den Regierungen weltweit, Konzerne und Superreiche zur Finanzierung sozialer Grunddienste stärker zu besteuern, für globale Impfgerechtigkeit zu sorgen und die Wirtschaft am Gemeinwohl auszurichten.

„Goldrausch" für Milliardäre

Mittlerweile seien über drei Milliarden Menschen zweifach gegen Covid-19 geimpft, doch nur rund neun Prozent der Menschen in Ländern mit niedrigem Einkommen habe mindestens eine Impfdosis erhalten, so Oxfam: „Millionen Menschen, die hätten gerettet werden können, sind wegen der ungerechten Impfstoffverteilung an der Pandemie und ihren Folgen gestorben." Die Impfstoffe müssten als öffentliches Gut behandelt werden, auch weil Regierungen ihre Entwicklung mit viel Steuergeld gefördert hätten.

Manuel Schmitt, Referent für soziale Ungleichheit bei Oxfam Deutschland, kommentierte: „Für Milliardäre gleicht die Pandemie einem Goldrausch. Regierungen haben Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, doch ein Großteil ist bei Menschen hängengeblieben, die von steigenden Aktienkursen besonders profitieren. Während ihr Vermögen so schnell wächst wie nie zuvor und Einige Ausflüge ins All unternehmen, hat die weltweite Armut drastisch zugenommen."

Von der deutschen Bundesregierung forderte Oxfam Deutschland, Konzerne und sehr Vermögende stärker in die Verantwortung zu nehmen. So müsse die Vermögensteuer wieder eingeführt werden und es brauche eine einmalige Abgabe auf sehr hohe Vermögen. Der Patentschutz für Covid-19-Impfstoffe müsse ausgesetzt werden.

„Auch in Österreich müssen alle Alarmglocken schrillen"

SPÖ-Wirtschaftssprecher Christoph Matznetter sieht die Position seiner Partei durch Oxfam bestätigt. „Wenn das renommierte Institut Oxfam die Pandemie als ,Goldrausch für Milliardäre' bezeichnet, müssen auch in Österreich alle Alarmglocken schrillen. Denn diese Einschätzung bestätigt exakt unsere Kritik an den fehlgeleiteten Corona-Wirtschaftshilfen der türkis-grünen Regierung", erklärte er.

„Während viele kleine und mittlere Betriebe durch die Folgen der Krise am Rande der Existenz stehen, machen die Reichen und Mächtigen das Geschäft ihres Lebens. Und das auf Kosten der österreichischen Steuerzahler", so Matznetter weiter. Deshalb fordere die SPÖ, „dass Unternehmen, die in der Pandemie mit Steuergeld überfördert wurden und gleichzeitig riesige Gewinne gemacht haben, diese Überförderung in Form einer Sonderabgabe zurückzahlen", erklärte der SPÖ-Wirtschaftssprecher.

Die für diese Woche geplante Jahreskonferenz des Weltwirtschaftsforums in Davos war wegen der Corona-Lage verschoben worden. Stattdessen bringt die Stiftung digital Spitzenpolitiker zusammen, so will Bundeskanzler Olaf Scholz am Mittwoch eine Rede halten.

Oxfam ist nach eigenen Angaben eine internationale „Nothilfe- und Entwicklungsorganisation", die weltweit Menschen mobilisiere, um Armut aus eigener Kraft zu überwinden. Dafür arbeiteten in einem Verbund 21 Oxfam-Organisationen Seite an Seite mit rund 4100 lokalen Partnern in 90 Ländern. (dpa)