Landesgericht: 3,5 Jahre Haft für Chauffeur von Einbrecherbande
Vom nördlichen Schweden bis ins südliche Spanien zieht die Einbrecherbande „Botevin“ ihr kriminelles Netz über ganz Europa. Europol nennt sie übersetzt eine „Mobile und organisierte Verbrechergruppe“. Auch in Tirol hatte die Bande mit professionell organisierten Blitzeinbrüchen im Jahr 2020 einen Beuteschaden von über 600.000 Euro angerichtet. Diesmal hatte es die Gruppe auf teure Parfums und noble Kindermode abgesehen.
Laut Staatsanwältin Verena Pezzei überlassen die Akteure dabei nichts dem Zufall. An- und Abreise zu den Tatorten erfolgt meist in verschiedenen Autos und Insassenkonstellationen. Auch Handys werden oft gewechselt. Vor Ort werden dann Alarm- und Lichtanlagen sofort deaktiviert. In Säcken per Lieferwagen abtransportiert wird darauf ausschließlich hochpreisige Beute.
Einer der Täter – ein 32-jähriger Rumäne – musste sich gestern am Landesgericht wegen gewerbsmäßig schweren Einbruchs verantworten. Der Taxifahrer hatte sich aufgrund von 2000 Euro Schulden in Südostrumänien als Chauffeur für die Einbruchstouren anwerben lassen. „Fahr uns. Als Chauffeur passiert dir strafrechtlich sowieso nichts. Für deine Dienste bekommst du dann weit mehr als 2000 Euro“, soll es damals geheißen haben.
Nach komplexesten Ermittlungen konnten der 32-Jährige und drei seiner Komplizen dann dennoch ausgeforscht werden. So fand sich auf einem zurückgebliebenen Sack die DNA des Angeklagten. Da machte nur noch ein Geständnis als Milderungsgrund Sinn. Auch die untergeordnete Rolle wurde anerkannt. So verhängte der Schöffensenat für den Chauffeur nicht rechtskräftig dreieinhalb Jahre Haft. Die Komplizen hatten bislang bis zu viereinhalb Jahre ausgefasst. Zwei sind noch flüchtig.
Etwas zu einfach hatte es sich ein im Oberland lebender Afghane mit seinem Führerschein gemacht. Der war nämlich eine Totalfälschung aus Holland. Der Richter: „Der Wisch sieht ja aus wie vom Fußballverein!“ Da die Geschichten zum regulären Erwerb bei Polizei und Justiz dazu stark differierten, erging eine zur Hälfte bedingte Geldstrafe von 1200 Euro. (fell)