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„Der Pass": Bildgewaltiges Jammern auf höchstem Niveau

Heute startet die zweite Staffel der Thriller-Serie „Der Pass“.

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Ellie Stocker (Julia Jentsch) und Gedeon Winter (Nicholas Ofczarek) führt eine Mord-Serie im deutsch-österreichischen Grenzgebiet erneut zusammen.
© Sky

Innsbruck – Ein nicht mehr ganz taufrischer Straßenkreuzer schiebt sich durch eine Schneelandschaft. Das Autoradio dröhnt. Zigarettenpackerl und Feuerzeug liegen griffbereit – und am Beifahrersitz liegt ein Pelzmantel. So werden Figuren eingeführt, die bereits bewiesen haben, dass sie zur Ikone taugen. Figuren wie Gedeon Winter eben. Aber kann das überhaupt sein? Winter, irgendwie brillanter, aber ziemlich kaputter Mordermittler und ein Zyniker vor dem Herrn, einer also, der vom Leben nicht viel erwartet, müsste doch tot sein. Die erste Staffel von „Der Pass“ ging schließlich mit drei Schüssen in seine Richtung zu Ende. Aus kurzer Distanz in den Schädel. Jetzt ist Winter, für dessen Darstellung Nicholas Ofczarek 2019 groß gefeiert wurde, wieder da. Aber sein erster Auftritt ganz am Ende der ersten Folge von Staffel zwei führt trotzdem aufs Glatteis. So gut wiederhergestellt ist der Winter dann doch nicht.

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Der Pass

8 Episoden.

Ab 21. Jänner auf Sky One und bei Sky X und Sky Q abrufbar.

Auch bei Ellie Stocker (Julia Jentsch) hat die Suche nach dem „Krampusmörder“ im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet Spuren hinterlassen. Sie richtet ihre Dienstwaffe schon einmal auf Kollegen. Für die Beschädigungen der alten und neuen ProtagonistInnen nimmt sich „Der Pass 2“ – ab heute Freitag bei Sky – zunächst viel Zeit. Beinahe drei der insgesamt acht Episoden etablieren vornehmlich Atmosphäre: Ein Außenseiter aus besten Kreisen kultiviert seine Seltsamkeiten und klimpert am Klavier; eine junge Ermittlerin will Karriere machen – und konfrontiert ihren Vater mit gut begründeten Vorwürfen. Hirsche werden geschossen, Schädel ausgekocht, Knochen zersägt, Fell wird abgezogen. Dazu kündigt der Score, an dem wie schon bei der ersten Staffel Hollywoods Tonkleister-Meister Hans Zimmer mitgearbeitet hat, Unheilvolles an. Und irgendwann ist tatsächlich eine junge Frau tot. Bis dahin zieht sich „Der Pass 2“ ziemlich. Und das Bemühen um symbolische Bilder macht das Ganze trotz beachtlichem Schauwert nur bedingt besser.

Dann allerdings – der ersten Leiche folgt bald eine weitere, auch sie übel zugerichtet – nimmt der neue Mehrteiler Fahrt auf. Die bis dahin losen Handlungsfäden finden zusammen. Und Winter als Kieberer im Krankenstand geht auf die Jäger-Jagd. Zunächst mit der neuen Verbindungsbeamtin Yella Antic (Franziska von Harsdorf). Ellie Stocker sagt derweil Bedeutungsschweres: „Wenn du dem Mörder in die Augen schaust, schaut er auch in deine.“ Doch solche Sätze und manches dick aufgetragene Krimiklischee verzeiht man der Serie spätestens, wenn Wolfgang Ambros auf der Tonspur ankündigt, sich „hamzudrahn“. Weil es dann spannend und richtig abgründig wird – und „Der Pass“ schon davor schlicht und ergreifend verdammt gut ausschaut (Buch und Regie: Cyrill Boss und Philipp Stennert; Kamera: Philip Peschlow). Trotzdem: Das bahnbrechende Aha-Erlebnis von Staffel eins fehlt naturgemäß. Die wurde reihenweise mit renommierten Fernsehpreisen ausgezeichnet. Das hat die Latte für die Fortsetzung hochgelegt. Manchmal wird der eigene Anspruch, besonders brillant zu sein, den neuen Folgen zum Verhängnis. Das zu beklagen, ist allerdings Jammern auf höchstem Niveau. (jole)

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