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Sterberisiko in Pandemie unter populistischen Regierungen größer

In Ländern mit einer populistischen Regierung sterben mehr Menschen am Coronavirus. Das stellte das Institut für Weltwirtschaft in einer Untersuchung fest. Grund dafür seien weniger Maßnahmen zum Infektionsschutz und eine höhere Bewegungsaktivität.

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Ein internationales Team wertete das Krisenmanagement von 42 Ländern während der Pandemie im Jahr 2020 aus.
© imago/Danichev

Kiel – Populistische Regierungen schneiden bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie einer Studie zufolge schlechter ab als nicht populistische. Die Übersterblichkeit, also die Zahl der Todesfälle oberhalb der auch ohne die Pandemie erwartbaren Todesfälle, ist demnach in populistisch regierten Ländern im Durchschnitt doppelt so hoch wie in anderen Ländern. Dies teilte das an der Untersuchung beteiligte Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) am Donnerstag mit. Die Übersterblichkeit liegt demnach in nicht populistisch geführten Ländern bei gut 8 Prozent, in populistisch geführten bei knapp 18 Prozent.

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"Die Zahlen sind eindeutig – Populisten sind in der Corona-Pandemie die klar schlechteren Krisenmanager und für viele vermeidbare Tote in den von ihnen regierten Ländern verantwortlich", resümierte Michael Bayerlein, der am IfW zu Populismus forscht. In einem internationalen Team wertete er das Krisenmanagement von 42 Ländern während der Pandemie im Jahr 2020 aus. Die Forschenden stuften dabei elf Regierungen als populistisch ein, darunter die in Polen, der Slowakei, Tschechien, Ungarn, Großbritannien, Brasilien und Indien.

Ursächlich für die deutlich höhere Übersterblichkeit sei die bei vergleichbaren Infektionszahlen höhere Bewegungsaktivität der Bevölkerung in populistisch regierten Ländern, hieß es weiter. Zur Messung nutzten die Autoren Mobilitätsdaten von Google. Diese zeigten, wie stark bestimmte Orte wie Lebensmittelgeschäfte oder Parks während der Pandemie besucht waren. Die Daten ergaben, dass der Bewegungsindex in populistischen regierten Ländern mit einem Wert von 20 doppelt so hoch ist wie der Wert in nicht populistisch regierten Ländern mit 10.

Für die höhere Mobilität macht das Autorenteam zwei Gründe aus. So erließen populistische Regierungen weniger Maßnahmen zum Infektionsschutz, besonders zur Kontaktbeschränkung. Zudem sei die Kommunikation populistischer Regierungen darauf ausgelegt, die Gefahren durch das Virus zu verharmlosen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu diskreditieren. Dies halte die Bevölkerung davon ab, ihre Bewegungsaktivität von sich heraus einzuschränken. (dpa)

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