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Kampf gegen Islamisten: Dänemark zieht Truppen aus Mali ab

Die malische Militärregierung habe bekräftigt, die dänischen Truppen seien nicht willkommen. "Und das werden wir natürlich nicht hinnehmen", sagte der dänische Außenminister.

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Unter der Führung Frankreichs waren auch dänische Truppem im Kampf gegen Islamisten im Einsatz.
© FLORENT VERGNES

Bamako – In Mali hat mit dem Rückzug Dänemarks der von Frankreich angeführte Einsatz mehrerer europäischer und afrikanischer Staaten gegen Islamisten einen schweren Rückschlag erlitten. Noch diese Woche werde Dänemark mit dem Rücktransport seiner Soldaten beginnen, kündigte Außenminister Jeppe Kofod am Donnerstag in Kopenhagen an. Die malische Militärregierung habe bekräftigt, die dänischen Truppen seien nicht willkommen. "Und das werden wir natürlich nicht hinnehmen."

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Damit haben die Spannungen zwischen der Militärregierung und den am Anti-Terror-Einsatz beteiligten Staaten einen neuen Höhepunkt erreicht. Erst am Mittwoch hatten Frankreich und 14 weitere EU-Länder Mali aufgefordert, die Ausweisung der dänischen Streitkräfte zurückzunehmen. Die Generäle verbaten sich Interventionen und sprachen von "kolonialen Reflexen". Das Verhältnis von Frankreich und seinen europäischen und afrikanischen Partner zu Mali hatte sich im August 2020 eingetrübt, als das Militär die Regierung stürzte und die Macht in Bamako übernahm. Appelle, die Demokratie wieder einzuführen, blieben bisher ohne Folgen. Vergangenes Jahr wurde das ohnehin angespannte Verhältnis durch Berichte belastet, die malischen Militärs wollten die russische Söldnertruppe Wagner engagieren.

Internationaler Einsatz droht auszufransen

Dänemark hatte erst am 18. Jänner 105 Soldaten nach Mali verlegt, die sich dem Einsatz europäischer Spezialkräfte gegen Islamisten ("Takuba") anschließen sollten. Dänemark erklärte, es habe eine eindeutige Einladung Malis gegeben. Die malische Regierung teilte dagegen mit, sie sei von der Anwesenheit der Dänen überrascht worden, denn sie habe noch nicht auf eine Anfrage Dänemarks vom vergangenen Juni zur Entsendung der Soldaten geantwortet.

Schweden hat bereits früher angekündigt, seine Truppen im März abzuziehen. Auch in Deutschland gibt es wie in anderen europäischen Staaten massive Bedenken. Mehrere Hundert Bundeswehrsoldaten sind als Teil einer UN-Friedenstruppe in Mali stationiert. Weitere rund 350 Soldaten aus Deutschland sind an einer europäischen Ausbildungsmission beteiligt.

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Damit droht der von Frankreich angeführte internationale Einsatz auszufransen. Das wäre auch ein Rückschlag für Versuche der EU, militärische Einsätze im Ausland ohne Hilfe der USA zu organisieren. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hat seit 2013 Tausende Soldaten in der Region südlich der Sahara im Einsatz, nachdem islamistische Gruppen mit Verbindungen zur Al-Kaida und dem Islamischen Staat (IS) 2012 die Macht in den Wüstengebieten im Norden Malis übernommen hatten. Die Islamisten haben ihre Einsätze auf mehrere Nachbarstaaten in der Sahel-Region ausgedehnt. Durch deren Angriffe wurden Tausende Zivilisten getötet, Millionen Menschen sind auf der Flucht. (APA/Reuters)


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