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Helmut Elsner: „Flöttls Mann für das Grobe“ ist tot

Der einstige Bawag-Chef Helmut Elsner ist 86-jährig in Bad Reichenhall gestorben.

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EX-BAWAG-Chef Helmut Elsner auf einer Archivaufnahme.
© HELMUT FOHRINGER

Wien – 86 Jahre alt ist er geworden. In Bad Reichenhall ist er gestorben; mit seiner Frau Ruth lebte er dort. Gestern ist er in diesem deutschen Ort bestattet worden.

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Helmut Elsner war in einen großen hiesigen Wirtschaftsstrafprozess verwickelt. Im Juli 2008 wurde er in Wien wegen Betrugs und Bilanzfälschung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt. Spekulationsgeschäfte waren 2008 publik geworden. Elsner wurde geziehen, seine Befugnisse missbraucht, der einstigen Gewerkschaftsbank mit riskanten Geldgeschäften einen Schaden von 1,7 Milliarden Euro zugefügt zu haben. Der Oberste Gerichtshof kippte das erstinstanzliche Urteil – gesprochen von der späteren ÖVP-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner – 2010 teils, bestätigte die Strafe aber. Die Verurteilung wegen Betrugs wurde aufgehoben, Untreue blieb. Nach viereinhalb Jahren war Elsner im Juli 2011 wegen Haftunfähigkeit frei. Er hatte sich gegen die Inhaftierung gewehrt. Im Frühling 2012 wurde Elsners Gesundheitszustand erneut überprüft; in der Wiener Eden-Bar war er mit seiner Frau gewesen; ein Foto gab es davon.

📽️ Video | Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner gestorben

Der Banker empfand sich von der Gewerkschaft als „Bauernopfer“ missbraucht. „Man hat den Eindruck, man wollte mich verurteilen, das hat man gebraucht – um von Fehlern des ÖGB vielleicht abzulenken“, sagte er 2017.

Am 12. Mai 1935 war Elsner in Wiener Neustadt geboren worden, die Mutter war bei Kastner & Öhler angestellt, der Vater fiel im Krieg. In Graz wuchs er auf. Mit 20 Jahren begann Elsner in einer Filiale der Arbeiterbank, so hieß die Bawag damals, zu werken. Elf Jahre leitete er diese. 1978 holte ihn Bawag-Chef Walter Flöttl senior in die Zentrale nach Wien, wo Elsner im Vorstand das kommerzielle Großkundengeschäft verantwortete. Er galt als „Flöttls Mann für das Grobe“. 1991 trat er in die SPÖ ein, im April 2006 aus. Von 1995 bis 24. April 2003 stand er der Bawag vor. Aufbrausender Führungsstil wurde ihm attestiert, luxuriöser Lebensstil vorgeworfen. (kale)


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