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Video zeigt tödliche Polizeischüsse auf Afroamerikaner in Minneapolis

Knapp zwei Jahre nachdem George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen war, ereignete sich ebenfalls in Minneapolis ein möglicherweise vergleichbarer Vorfall.

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"Ich werde jeden Tag kämpfen, den ganzen Tag, 365 Tage lang, um sicherzustellen, dass Amir Rahkare Locke Gerechtigkeit erfährt, weil er von der MPD hingerichtet wurde", erklärte Mutter Karen Locke bei einer Pressekonferenz.
© KEREM YUCEL

Minneapolis – Die Polizei von Minneapolis im US-Staat Minnesota hat am Mittwoch bei einer Razzia in einer Wohnung einen 22-jährigen Afroamerikaner erschossen. Das zeigt ein neu veröffentlichtes Video, das von einer Polizeikamera aufgenommen wurde. Der Vorfall ereignete sich knapp zwei Jahre nach dem "Fall-Floyd". Am 25. Mai 2020 war der Afroamerikaner George Floyd ebenfalls in der US-Stadt Minneapolis bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen.

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Floyd, ein damals unbewaffneter Schwarzer, war von einem weißen Polizeibeamten getötet worden, der sich während einer Verhaftung mehr als neun Minuten lang auf seinen Hals gekniet hatte. Danach hatte es in den USA zahlreiche Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus gegeben. Nun wird die Polizei der US-Stadt erneut auf den Prüfstand gestellt.

Ein Beamter tritt in dem Video gegen die Couch, auf der Locke liegt. Als dieser sich umdreht, kommt ein Arm unter der Decke mit einer Waffe in der Hand zum Vorschein. Kurz danach sollen die Beamten mindestens drei Schüsse abgegeben haben.
© Minnesota Police

Die Polizeibehörde von Minneapolis veröffentlichte am Donnerstag das Video und ein Standbild, auf dem zu sehen ist, wie der Mann, Amir Locke, eine Waffe in der Hand hält, während er sich unter einer Decke windet, nachdem er von Beamten geweckt wurde, die die Wohnung betraten, um einen Durchsuchungsbefehl auszuführen. Das Band zeigt, wie die Polizei Lockes Wohnung mit einem Schlüssel aufschließt und die Beamten beim Betreten schreien: "Polizei, Durchsuchungsbefehl, auf den Boden, auf den verdammten Boden".

Ein Beamter tritt dann gegen die Couch, auf der Locke lag, und als dieser sich umdreht, kommt ein Arm unter der Decke mit einer Waffe in der Hand zum Vorschein. Kurz danach sollen die Beamten mindestens drei Schüsse abgegeben haben.

Eltern wollen "für Gerechtigkeit kämpfen"

Locke wurde in dem Durchsuchungsbefehl, der im Zusammenhang mit einer Morduntersuchung ausgestellt wurde, nicht namentlich genannt, sagte Amelia Huffman, Interimschefin des Minneapolis Police Department (MPD). Lockes Eltern beschrieben ihren Sohn auf einer Pressekonferenz am Freitag zusammen mit ihrem Anwalt, dem bekannten Bürgerrechtsanwalt Ben Crump, der auch Floyds Familie vertrat, als talentierten Musiker, geliebtes Mitglied seiner Gemeinde und gesetzestreuen Bürger.

"Ich werde jeden Tag kämpfen, den ganzen Tag, 365 Tage lang, um sicherzustellen, dass Amir Rahkare Locke Gerechtigkeit erfährt, weil er von der MPD hingerichtet wurde", erklärte Lockes Mutter, Karen Locke. "Wir werden sicherstellen, dass wir laut für Amir sprechen."

"Sie sahen, wie ein schwarzer Mann nach seiner Waffe griff, ohne etwas über Amir zu wissen, und sie schossen. Sie haben ihm nicht einmal eine Chance gegeben", so Crump auf der Pressekonferenz. In einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung erklärte das Minneapolis Police Department, der Mann habe eine "Handfeuerwaffe in Richtung der Beamten" gehalten.

Während einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte Huffman, dass der Staatsanwalt des Bezirks die Fakten überprüfen werde. Sie sagte dies als Antwort auf eine Frage, nachdem auf dem Video offenbar zu sehen war, dass Lockes Waffe auf den Boden gerichtet war. "Wenn eine Waffe in Ihre Richtung zeigt, sind Sie gezwungen, in Sekundenbruchteilen zu entscheiden, wann es sich um eine Bedrohung handelt", so Huffman weiter.

Zum Durchsuchungsbefehl in der Morduntersuchung meinte Huffman: "Es ist zu diesem Zeitpunkt unklar, wie er oder ob er mit den Ermittlungen in Saint Pauls in Verbindung stand." Sie fügte hinzu, dass Beamte des Saint Paul's Police Department später am Tatort waren und mögliches Beweismaterial für die Mordermittlung sichergestellt hatten.

Locke wurde nach dem Vorfall in das Hennepin County Medical Center gebracht, wo er am Mittwoch starb. Nach Angaben der Anwälte der Familie war Locke nicht vorbestraft und besaß zum Zeitpunkt seines Todes legal eine Schusswaffe. (APA/Reuters)


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