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Lawinen-Experte Rudi Mair: „Sagen seit Montag, dass es gefährlich ist“

Trotz erheblicher Lawinengefahr waren zuletzt Tausende Wintersportler im freien Gelände unterwegs. Rudi Mair, Chef des Tiroler Lawinenwarndienstes, kritisiert den Leichtsinn vieler Sportler.

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Rudi Mair , Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol.

Herr Mair, was hat sich in den vergangenen Tagen in Tirols Bergen abgespielt?

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Rudi Mair: Allein am Donnerstag und Freitag gab es weit mehr als 50 gemeldete Lawinenereignisse. Aus unserer Erfahrung heraus wissen wir, dass die Dunkelziffer um einiges höher sein dürfte. Ich weiß nicht, was die ganzen Leute da oben tun. Der Hausverstand scheint derzeit Urlaub zu machen.

Was meinen Sie damit?

Rudi Mair: Ob in den Zeitungen, dem Radio, im Fernsehen oder online: Wir sagen seit Montag immer wieder, dass es derzeit gefährlich ist. Es hat extrem viel geschneit, starker Wind kam dazu. Zuletzt herrschte immer noch erhebliche Lawinengefahr, Stufe 3 der fünfteiligen Skala. Leider wird diese oft unterschätzt. Zwei Drittel aller Unglücke passieren bei solchen Bedingungen.

Worauf führen Sie das zurück?

Rudi Mair: Einerseits ist das Tourengehen ein extremer Boom-Sport, viele Leute sind unterwegs. Zum anderen kommt das Wochenende, vielleicht haben manche genug davon, zu Hause zu sitzen. In dem Fall wäre es bei den aktuellen Verhältnissen aber besser, Winterwandern zu gehen.

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Muss noch eindringlicher gewarnt werden?

Rudi Mair: Nein. Wir haben in Tirol einen der modernsten Dienste der Welt, liefern auf allen erdenklichen Kanälen alle erdenklichen Informationen. Nachlesen und richtig einschätzen müssen die Freizeitsportler aber selber. Ich kann nicht hinter jedem einzelnen stehen und ihn am Krawattl packen.

Und nun? Was raten Sie für die kommenden Tage?

Rudi Mair: Ich fürchte mich vor dem Wochenende, weil das Wetter schön werden soll. Die Lawinensituation bleibt aber weiterhin richtig kritisch. Allen unerfahrenen Tourengehern empfehle ich, nicht in den freien Skiraum zu gehen. Sie haben bei den Bedingungen dort nichts zu suchen.

Das Interview führte Benedikt Mair

Lawinengefahr bleibt am Wochenende erheblich

Die Lawinensituation in den Tiroler Bergen bleibt angespannt. Auch am Wochenende herrscht landesweit Gefahrenstufe 3 von 5. Heißt: Schneebretter können bereits von einzelnen Wintersportlern und Wintersportlerinnen ausgelöst und enorm groß werden. Daher mahnen die Behörden zur Vorsicht im freien Gelände.

„Der viele Neuschnee der vergangenen Tage sowie die umfangreichen Triebschneeansammlungen sollten besonders vorsichtig beurteilt werden“, weiß Rudi Mair, Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes. „In tiefen und mittleren Lagen und an steilen Grashängen sind zudem auch zahlreiche Gleitschneelawinen und feuchte Rutsche zu erwarten.“ Selbst wenn es in den kommenden Tagen sonnig und warm wird, sei Zurückhaltung geboten. „Allen voran bei jenen, die nicht über großes Fachwissen und viel Erfahrung verfügen.“

Auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) appelliert via Aussendung an die Sportler. „Die Situation ist durchaus angespannt und ernst“, sagt er. „Bitte beachten Sie: Stufe 3 bedeutet nach wie vor erhebliche Lawinengefahr und erfordert höchste Vorsicht.“ Nur äußerst Erfahrene sollten bei diesen Verhältnissen laut Platter den gesicherten Skiraum verlassen.


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