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Wallner fordert Neubewertung der Covid-Lage, Platter drängt auf Öffnung

Während sich die einen über die verkündeten Lockerungen freuen, fordern andere eine Neubewertung der Situation insgesamt: WK-Präsident Mahrer will „maximale Freiheit", Vorarlbergs LH Wallner ein Umdenken bei der Quarantäne- und Teststrategie.

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Quarantäne- und Teststrategie „passen im Moment nicht mehr so gut zusammen", so Wallner (l.), der aktuell den Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz innehat. Platter (r.) drängt indes auf Öffnung.
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Innsbruck – Die Regierung setzt trotz des derzeitigen Höhepunkts der Omikron-Welle weitere Öffnungsschritte. Neben den bereits bekannten Lockerungen ab kommendem Samstag wie dem Wegfall der 2G-Regel in Geschäften und Museen fällt die 2G-Regel bei körpernahen Dienstleistungen. Außerdem gibt es keine Personenobergrenze bei Veranstaltungen mehr, hier muss man aber weiterhin geimpft oder genesen sein. Die Lage auf den Intensivstationen sei im Vergleich zu vorigen Wellen „überschaubar", hieß es seitens der Regierung. Genau darum werden indes Stimmen für eine Neubewertung der Corona-Strategie insgesamt laut.

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Mahrer fordert „maximale Freiheit"

So fordert Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer (ÖVP) angesichts der Omikron-Variante ein Ende für den „Vorschriften-Irrgarten". Ein europäischer Vergleich sei angebracht, denn viele Länder würden seit Wochen sukzessive ihre Corona-Maßnahmen zurücknehmen. Für Mahrer ist „die Zeit gekommen, maximale Freiheit zurückzugeben."

Parallel dazu sollen jetzt die Vorbereitungen für den kommenden Herbst und Winter beginnen, um dem Virus im Fall des Falles einen Schritt voraus zu sein. „Die neu gewonnene Freiheit müssen wir alle gemeinsam nutzen und den Fokus auf zentrale Zukunftsthemen wie Arbeitskräftemangel, Aus- und Weiterbildung sowie Energie- und Rohstoffkosten zu legen", so der Wirtschaftskammerchef.

Wallner: Weniger Tests, kürzere Quarantäne

Auch Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP), aktueller Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz, hat eine Neubewertung der Situation gefordert. Quarantäne- und Teststrategie „passen im Moment nicht mehr so gut zusammen", sagte Wallner im Interview mit ORF Radio Vorarlberg. Konkret forderte der Landeshauptmann eine Einschränkung des Testumfangs und stand auch für eine Verkürzung der Absonderungszeit ein. Ein baldiges Bund-Länder-Treffen sei notwendig.

Eine Infektion mit der Omikron-Variante verlaufe sehr mild, nur wenige Patienten müssten ins Spital. „Es ist anders, als wir es aus der Vergangenheit kennen", sagte Wallner. Deshalb stelle sich – auch angesichts der Kosten – schon die Frage, wie man mit dem Testen weiter verfahre. „Jedenfalls würde ich nicht weitermachen wie bisher", so der Landeshauptmann. In seinen Augen wären Einschränkungen vorzunehmen. Das könne etwa bedeuten, nur noch symptomatische Personen oder bestimmte Berufsgruppen auf das Coronavirus zu testen. „Quer über die gesamte Republik dahinzutesten, das macht, glaube ich, wenig Sinn", stellte Wallner fest. Die Teststrategie im Gesamten müsse überarbeitet werden.

„Wann können wir das Ganze überhaupt auflösen?"

Ebenso gelte es die Quarantänezeit von zehn Tagen zu verkürzen. Viele fragten sich, warum sie trotz des Ausbleibens aller Symptome zehn Tage abgesondert bleiben müssten. „Ich kann das nachvollziehen, wenn der Verlauf wirklich ein so milder ist und die Wirtschaft die Arbeitskräfte dringend benötigt", sagte Wallner.

Bei einem Bund-Länder-Treffen sollte nach Wallners Ansicht beantwortet werden, „wie wir in das Frühjahr hineinkommen, und wann kommen wir weiter in Richtung Lockerungen". Die spannendste Frage in der nächsten Zeit werde ohnehin sein: „Wann können wir das Ganze überhaupt auflösen?"

Platter ebenfalls für Neubewertung

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) stieß unterdessen ins selbe Horn wie sein westlicher Amtskollege. Es mache für ihn „Sinn“, ein baldiges Bund-Länder-Treffen zu organisieren, sagte Platter am Dienstag. Dabei solle eine „Bewertung der Omikron-Variante in Verbindung mit weiteren Öffnungsschritten“ vorgenommen werden. Die von Platter dabei urgierten Öffnungsschritte müssten „klar verständlich und gut vollziehbar sein.“ In puncto Teststrategie erinnerte Platter an seinen kürzlichen Vorstoß, als er ein „Überdenken“ derselben gefordert habe: „Daran hat sich nichts geändert“.

Friseure und andere körpernahe Dienstleister erfreut

Friseur-Innungsmeister Wolfgang Eder freute sich indes, dass für seine Branche ab 12. Februar nur mehr die 3G-Regel gilt. „Wir sind sehr froh nach langen, wirklich schwierigen Verhandlungen am 12. Februar bei den Lockerungsschritten dabei zu sein", sagte der Friseur-Vertreter. Ganz haben die Friseure „in den zähen Gesprächen" ihr Ziel zwar nicht erreicht, so Eder, denn im Vergleich zum Handel bleibe es bei der 3G-Regel. Trotzdem: „Wir sind sehr glücklich und hoffen, dass alle Kunden wieder zu uns kommen können." Die Pandemie sorgte für 20 bis 30 Prozent weniger Friseur-Kundinnen und -Kunden. Nun wolle man zurück zu den alten Kundenzahlen, sagte Eder.

Auch die anderen körpernahen Dienstleister über die Friseure hinaus begrüßten naturgemäß die Aufhebung der 2G-Beschränkungen. Es werde für mehr Fairness gesorgt, so Dagmar Zeibig, Bundesinnungsmeisterin der Fußpfleger, Kosmetiker, Masseure, Piercer, Tätowierer und Nagelstudios.

📽️ Video | Weitere Lockerungen ab Samstag:

Mayer sieht „positives Zeichen für Kunst und Kultur"

Auch Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) wertete die angekündigten Öffnungsschritte, insbesondere die neuen Regeln für Veranstaltungen, als „äußerst positives Zeichen für das Kunst- und Kulturleben in Österreich".

„Veranstaltungen in ihrer Größe zu begrenzen war eine der schmerzhaftesten Maßnahmen für den Kulturbereich", wurde Mayer in einer Aussendung am Dienstag zitiert. „Wir haben immer versucht, die Grenzen möglichst praxisnah zu gestalten. Dass wir jetzt ganz auf sie verzichten können, freut mich besonders." In Museen und Ausstellungshäusern entfällt wiederum die 2G-Regel, hier gilt nur FFP2-Pflicht. Dies sei ein „weiterer Schritt in Richtung Normalität", so die Kulturstaatssekretärin. „Kunst und Kultur sind wichtige menschliche Grundbedürfnisse, daher soll keine Einschränkung länger bestehen als unbedingt notwendig."

Kickl ortet Ablenkungsmanöver von Sideletter-Affäre

Für FPÖ-Bundesparteiobmann Herbert Kickl staunte dagegen über das seiner Ansicht nach zu verwirrende Vorgehen, da der Bund in der Gastronomie mit dem Aus für 2G noch einer Woche länger wartet als bei den Friseuren. „Die Regierung handelt offenbar nach dem Motto: 'Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht?'"

Mit dieser „Salami-Taktik" wolle die durch die Sideletter-Affäre und die „vielen ÖVP-Korruptionsfälle" schwer angeschlagene Bundesregierung offenbar in der Bevölkerung Punkte sammeln, mutmaßte Kickl in einer Aussendung. Das Schauspiel sei aber leicht durchschaubar. Andere Länder hätten längst erkannt, dass die Omikron-Welle die Karten völlig neu gemischt habe „und die kritische Phase längst vorbei ist" (APA/TT.com)


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