Innsbruck

Audiovisueller Städtetrip im Audioversum: Ohren, die Augen machen

In der SenCity unterwegs: die hundeköpfige Vicky Fanfare.
© Deborah Sengl

Einladung zum audiovisuellen Städtetrip im Innsbrucker Audioversum: installiert von Deborah Sengl, Peter Kollreider und Thomas Aichinger.

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Gerade in Zeiten des Lockdowns seien ihr Hunde immer mehr ans Herz gewachsen, sagt die Wiener Künstlerin Deborah Sengl, weshalb sie dem achtköpfigen menschlichen Personal ihrer SenCity auch Hundeköpfe verpasst hat. Dem jugendlichen Heavy-Metal-Fan etwa den einer Bulldogge, während der lässige Samuel Schall zum Dackel, die Kathi Lärm zum Hush Puppy. die Vicky Fanfare zum Husky wird. Eine Welt bevölkernd, die ebenso neu wie alt bzw. in der Zukunft angesiedelt ist, exotisch und dann doch wieder sehr heimatlich – etwa durch ein Bild des Goldenen Dachls – zu sein scheint.

Als begnadete Spielerin mit Identität und Täuschung lässt Sengl die Protagonisten ihrer Geschichten gern in die Leiber von Tieren schlüpfen. Bei ihrer 43-teiligen skulpturalen bzw. malerischen Inszenierung „Der letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus vor fast vier Jahren beim Forum Alpbach etwa in jene von Ratten. Und da die Attersee-Schülerin es liebt, sich in ihr fremden Formaten immer wieder neu zu erfinden, hat es sie sehr gereizt, gemeinsam mit den Sound-Künstlern Peter Kollreider und Thomas Aichinger für das Audioversum einen audiovisuellen Städtetrip zu erfinden. Noch dazu, dass sie selbst fast pathologisch geräuschempfindlich, die Welt ihr oft viel zu laut sei, so Sengl.

Die Geräusche, die der SenCity-Besucher per Kopfhörer inhaliert, sind eigentlich solche, die der Stadtspaziergänger üblicherweise kaum wahrnimmt. Es sind gewohnte genauso wie komplett ungewohnte, verdichtet zu einer einmal ganz stillen, dann wieder nervig lauten Soundstory, die als akustische Kommentare über den Zustand unsere Welt gemeint sind.

Das Setting, in dem sich das alles abspielt, ist labyrinthisch. Beim Schlendern kommt man an einem Flughafen genauso vorbei wie an einer Kirche, Hochhäusern oder einem Basar. Von Sengl mit schwarzer Tusche auf große – auf Holzrahmen aufgezogene – Formate gemalt. Formal dominiert von einer Ornamentik, die komplett neutral, dann wieder typisch abend- oder morgenländisch daherkommt. Sparsam bevölkert von der schon erwähnten Gang, aber auch Hundeköpfigen, die die gesamte Breite der Bevölkerung vom spielenden Kind über den fotografierenden Touristen bis zum Mann im Rollstuhl und Bettler abbildet.

Die SenCity kommt komplett ohne das gesprochene Wort aus. Einzige Ausnahme ist das wunderschöne Gedicht „hör-weiten“ von Barbara Hundegger. Zu hören am Rand der SenCity, wo die Geräusche der realen Welt bereits die artifizielle zu fluten beginnen.

Audioversum. Wilhelm-Greil-Straße 23, Innsbruck; bis Anfang 2023; Di–So 10–17 Uhr.

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