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Steirische Polizei zerschlug Schlepperbande: Mehrere Täter in Haft

Die Verdächtigen sollen über 100 Menschen illegal über die Grenze gebracht und rund 280.000 Euro kassiert haben.

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(Symbolfoto)
© HANS KLAUS TECHT

Graz – Die steirische Polizei hat in Kooperation mit internationalen Polizeibehörden in Slowenien, Kroatien und Polen eine Schlepperbande zerschlagen. Mindestens sieben Männer wurden festgenommen, die zwei mutmaßlichen Haupttäter sind nun in Graz in Haft. Die Bande soll über 100 Menschen - Afghanen, Iraker, Pakistani - illegal in die Steiermark gebracht haben, von wo diese teils weiterfuhren. Dabei wurden rund 280.000 Euro lukriert, teilte die Landespolizeidirektion am Freitag mit.

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Im Laufe langjähriger Ermittlungen und dabei erfolgter Festnahmen von Schleppern waren Ermittler des Landeskriminalamtes der Bande auf die Spur gekommen. Zwischen September 2019 und März 2021 hatte man sieben Schlepper von offenbar ein und demselben Netzwerk geschnappt. Es handelt sich dabei um Männer im Alter von 24 bis 47 Jahren. Sie stammen aus dem Irak, Pakistan, Georgien und der Ukraine. Gegen einige von ihnen gab es bereits Gerichtsverfahren, sie wurden auch verurteilt und verbüßen ihre Strafe. Gegen einen weiteren Mann wurde ein Europäischer Haftbefehl erwirkt, wie ein Polizist zur APA sagte, nach ihm wird noch gesucht.

Hintermänner nach Österreich ausgeliefert

Die auch international geführten Ermittlungen führten letztlich zu zwei Hintermännern. Der Iraker (40) und der Tunesier (42) wurden Ende 2021 in Polen verhaftet, nach ihnen war mit einem europäischen Haftbefehl gesucht worden. Welche Aufenthaltstitel für Österreich bzw. die EU sie hatten, konnte man vorerst nicht sagen. Sie wurden nun nach Österreich ausgeliefert, wo sie in der Justizanstalt Graz-Jakomini auf ihren Prozess warten.

Die Organisation rund um die beiden Haupttatverdächtigen soll bei 24 Fahrten insgesamt 102 Personen aus dem Irak, Pakistan und Afghanistan illegal in die Steiermark geschleppt haben. Dabei verwendeten sie bei den Fahrten über Kroatien und Slowenien großteils angemietete Fahrzeuge aus Slowenien. Die Fahrer erhielten sehr kurzfristig ihre "Aufträge" zu den Schleppungen. Die Männer gingen professionell vor, schilderte ein Polizeisprecher: "Sie arbeiteten mit Vorausfahrzeugen, die eventuelle Kontrollen meldeten." Benutzt wurden auch kleinere und nicht durchgehend kontrollierte kleine Grenzübergänge. Die Schleppungen erfolgten auch bei Nacht. Ein Großteil der illegalen Migranten wurde in Tiefgaragen von z. B. Einkaufszentren im Raum Graz "ausgesetzt", wo die Menschen nicht so auffielen oder von wo es weiterging.

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Kein Geständnis

Die beiden Haupttäter legten im Gegensatz zu einem Gutteil der bereits verurteilten Mittäter bisher kein Geständnis ab. Bewaffnet seien die Mitglieder der Schleppergruppe nicht gewesen, sagte ein Polizeisprecher. Ein großer Schritt wurde getan, als die Ermittler ausgewertete Handy- und GPS-Daten der anfangs unabhängig voneinander festgenommenen Schlepper zusammenführten. Das Gesamtbild ergab, dass diese miteinander zu tun haben mussten.

Die steirischen Ermittler arbeiteten bei der Zerschlagung der Gruppe mit der Staatsanwaltschaft Graz, dem Bundeskriminalamt (BK) sowie ausländischen Polizeibehörden in Slowenien, Kroatien und Polen zusammen. Auch die europäische Polizeibehörde Europol war involviert.

400 Schlepper identifiziert

Bundesweit waren nach Angaben des Bundeskriminalamtes 2021 mehr als 40.000 Aufgriffe von Menschen zu verzeichnen, die illegal und teils mit Hilfe von Schleppern die Landesgrenzen passiert hatten. Das sind fast doppelt so viele wie im Jahr davor (2020), jedoch deutlich weniger als in den Jahren 2012 bis 2017 (mit Höhepunkt im Jahr 2015). Gleichzeitig wurden beinahe 400 Schlepper identifiziert. (APA)


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