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Der Kulturkampf in den USA hat die Schulen erreicht

Rechte Eltern revoltieren gegen Sexualerziehung, Rassismustheorie und Masken.

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Protest gegen Corona-Maßnahmen in einem School Board in Florida. Der Stimmung in den Ausschüssen wird gereizter.
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Washington – Es war das Verbot eines Klassikers über den Holocaust im Schulunterricht, das international Wellen schlug. „Maus“ heißt der Comic des US-Künstlers Art Spiegelman, den ein Schulausschuss in Tennessee vom Lehrplan gestrichen hat. Spiegelman zeichnete Nazis als Katzen und Juden als Mäuse in seinem Werk, das auf eindrückliche Weise die Gräueltaten der Nazis darstellt. Er bekam dafür 1992 den Pulitzer-Preis. Zu viele Schimpfwörter und Nacktheit, befand aber der Schulausschuss in Tennessee.

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Es ist das jüngste Beispiel für die Entscheidung eines örtlichen Schulausschusses, die Schlagzeilen macht. Ob Corona, Rassismus oder sexuelle Aufklärung: Die so genannten School Boards sind zum Brennglas der politischen Debatten geworden.

Die Mitglieder eines School Boards werden in den USA in der Regel von Einwohnern eines Schulbezirks gewählt. Sie haben weite Befugnisse und kontrollieren den Betrieb der Schulen – sie machen Bildungspolitik vor Ort.

Das haben auch Rechtspopulisten wie Steve Bannon erkannt. Der frühere Chefstratege von Ex-Präsident Donald Trump rief im Mai 2021 dazu auf, die Schulbehörden „zurückzuerobern“. Er nannte das eine „populistische Revolte“ und wandte sich an die Mütter und Väter: „Es liegt auf euren Schultern.“

Nicht allein Entscheidungen der Schulbehörden sorgen für Aufsehen, sondern auch die zunehmend aufgeheizte Stimmung bei den Treffen. Von Geschrei, Angriffen bis zu Morddrohungen wird berichtet. Doch warum eskalieren die Sitzungen gerade jetzt?

Der Politologe Kenneth Wong von der Brown University sieht die Kapitol-Attacke vom 6. Jänner als Wendepunkt. „Sie eröffnet denjenigen, die darauf abzielen, staatliche Institutionen zu stören oder zu destabilisieren, ein viel breiteres Spektrum an Handlungen.“ Es habe schon immer unterschiedliche Meinungen gegeben, sagt er. Das sei legitim. Aber seit dem 6. Jänner habe sich die Gesellschaft weiter polarisiert. Es gehe darum, die Grenzen akzeptablen Verhaltens zu verschieben.

Wong geht davon aus, dass diese Entwicklung in den Schulbehörden organisiert ist. „In gewisser Weise ist es fast wie eine landesweite Bewegung“, sagt er. Es seien nicht nur einzelne Eltern, die ihre Sorgen zum Ausdruck brächten. Dahinter stehe ein Netzwerk, in dem Ideen ausgetauscht würden.

Auf die Giftliste der Schulbibliotheken kommt häufig „Sehr blaue Augen“ von Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison. In dem 1970 veröffentlichten Buch beschreibt sie, was es hieß, als Schwarze aufzuwachsen. Jüngst traf es auch das Buch „All Boys Aren’t Blue“ von George Matthew Johnson, das sich an queere schwarze Jugendliche richtet.

An den Beispielen lassen sich die Reizthemen ablesen. Zum einen ist das eine Sexualerziehung, die auch Verhütung lehrt sowie sexuelle Verschiedenheit. Zum anderen ruft das Thema Rassismus wütende Eltern auf den Plan. Reizwort ist die Critical Race Theory – ein akademisches Konzept, das strukturellen Rassismus offenlegen soll. Der Republikaner Glenn Youngkin konnte mit seiner Ablehnung des Konzepts bei der Gouverneurswahl 2021 in Virginia mobilisieren – und untersagte nach seinem Sieg die Critical Race Theory an Schulen.

Youngkin stellte sich auch gegen Maskenvorschriften an Schulen. Die Corona-Politik ist ebenfalls ein riesiger Aufreger. Abstandsregeln, Masken, Impfung – all das hat die US-Gesellschaft entzweit. Die teils aggressive Stimmung hat sich auf die School Boards übertragen.

Organisationen wie „No Left Turn on Education“ mobilisieren Eltern landesweit gegen „Geschichtsrevisionismus“, „politische Korrektheit“ oder die Ablehnung so genannter amerikanischer Werte. Die konservative Gruppe „Citizens for Renewing America“ erstellte ein Handbuch mit Tipps für eine erfolgreiche Wahlkampagne für einen School-Board-Posten.

Da Schulen Orte gesellschaftlicher Debatten seien, lasse sich kaum vermeiden, dass sich dort Interessengruppen engagierten, sagt Wong. Aber die Kapitol-Attacke habe den Ton verändert – und für viele drastischeres Verhalten legitimiert. (dpa)


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