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Höchste Inflation seit 1984, "dringliche" Debatte im Nationalrat

Die Treibstoffpreise legten um 29,6 Prozent zu, Haushaltsenergie verteuerte sich um 16,4 Prozent. In Restaurants und Hotels musste durchschnittlich um 6,3 Prozent mehr bezahlt werden. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten durchschnittlich um 4,9 Prozent mehr.

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Preistreiber waren vor allem Treibstoff und Haushaltsenergie.
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Wien – Deutlich höhere Preise für Energie haben die Inflationsrate im Jänner in Österreich im Jahresvergleich auf 5 Prozent schnellen lassen, nach 4,3 Prozent im Dezember. Die Inflation ist auf "den höchsten Wert seit Dezember 1984 angewachsen", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Preistreiber waren vor allem Treibstoff und Haushaltsenergie. Im Vergleich zum Dezember sind die Preise aber im Schnitt insgesamt um 0,1 Prozent gesunken.

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Die Treibstoffpreise legten im Vergleich zu Jänner 2021 um 29,6 Prozent zu, teilte die Statistik Austria am Dienstag in einer Aussendung mit. Haushaltsenergie verteuerte sich um 16,4 Prozent. In Restaurants und Hotels musste durchschnittlich um 6,3 Prozent mehr bezahlt werden. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten durchschnittlich um 4,9 Prozent mehr. Ohne Teuerungen für Verkehr, Wohnen und Nahrungsmittel läge die Inflation laut Statistik Austria im Jänner im Jahresvergleich bei 1,8 Prozent.

6,3 Prozent mehr in Restaurants und Hotels

In Restaurants und Hotels musste durchschnittlich um 6,3 Prozent mehr bezahlt werden. Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke kosteten im Schnitt um 4,9 Prozent mehr. Ohne Teuerungen für Verkehr, Wohnen und Nahrungsmittel läge die Inflation laut Statistik Austria im Jänner im Jahresvergleich bei 1,8 Prozent.

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der den täglichen Einkauf repräsentiert, stieg im Jahresabstand um 4,1 Prozent. Der Miniwarenkorb, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und auch Treibstoffe enthält, verteuerte sich um 8,8 Prozent.

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Rückläufige Preise im Vergleich zu Jänner 2021 gab es bei Wohnungsmieten/alle Kategorien (-2,6 Prozent), Pendlerkarte/Jahreskarte (-31,9 Prozent), Bahn-Sparschiene-Tickets (-26,5 Prozent) und CD-ROM-Spiele für PC (-20,9 Prozent). Seit Ende Oktober 2021 gibt es mit dem Klimaticket eine billigere Jahreskarte für alle öffentlichen Verkehrsmittel in ganz Österreich.

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Die Teuerungsrate wird in den kommenden Monaten angesichts der Energiepreise wohl weiter auf hohem Niveau bleiben. Im vergangenen Dezember prognostizierte das IHS und das Wifo für das Gesamtjahr 2022 eine Veränderung des Verbraucherpreisindexes (VPI) in Österreich von 2,8 bzw. 3,3 Prozent. Im März wird die Inflationsprognose aktualisiert.

Thema Energiepreise dürfte aktuell bleiben

Eco-Austria-Chefin Monika Köppl-Turyna erwartet, dass das Thema Energiepreise noch länger aktuell bleiben wird. Die höheren Energie-Großhandelspreise seien bei den Endkundenpreisen "noch nicht komplett eingepreist". Längerfristig werde sich auch die CO2-Bepreisung auf die Energiepreise auswirken, so die Leiterin des liberalen Wirtschaftsforschungsinstituts. Sie erwartet, dass die Inflationsrate in Österreich heuer "deutlich höher" als 3,3 Prozent ausfallen wird.

NEOS-Sozial- und Wirtschaftssprecher Gerald Loacker fordert von der Regierung angesichts der hohen Inflationsrate Sofortmaßnahmen anstatt Gutscheinlösungen. "Würde die Regierung die Menschen wirklich und nachhaltig entlasten wollen, würde sie sofort die Kalte Progression abschaffen", so Loacker in einer Aussendung. Der Handelsverband drängt die Regierung zu kostensenkenden Gegenmaßnahmen und wünscht sich einen "New Deal" mit einer Standort-und Strukturreform.

Ab Jänner 2022 verwendet die Statistik Austria für Lebensmittel und Drogeriewaren Scannerdaten für die Berechnung der Inflationsrate. Damit werde etwa die Hälfte der regionalen persönlichen Erhebung durch den Einsatz von rasch verfügbaren großen Datenmengen ersetzt, erklärte die Statistikbehörde. Zusätzlich werde die Preiserhebung im Online-Bekleidungshandel mit Hilfe von Webscraping durchgeführt, die umfangreiche regionale Erhebung bleibe aber bestehen. Beim Webscraping werden Preisdaten von Websites automatisch ausgelesen und gespeichert. Beim Thema Scannerdaten und Webscraping plant die Statistik Austria in Zukunft Erweiterungen. (APA)

Nationalrat: "Dringliche" Debatte um Teuerung

Die Teuerung hat am Mittwochnachmittag zu einem Schlagabtausch im Nationalrat geführt. Die SPÖ beantragte "dringlich" ein Paket, das von einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Strom und Gas bis zu einer Aufstockung des Pendlerpauschale ging, und attestierte der Koalition Untätigkeit. Dies wies Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) zurück und verwies auf die anstehende Verdoppelung des Teuerungsausgleichs.

Dass Plakolm den roten Antrag beantwortete, war gleich der erste Aufreger. Denn die SPÖ hatte diesen an Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) adressiert, der sich aber von der Staatssekretärin vertreten ließ. "Den Menschen in Österreich geht das Geld aus und dem Bundeskanzler ist das sowas von wurscht", ereiferte sich ob dessen der stellvertretende SPÖ-Klubobmann Jörg Leichtfried.

📽️ Video | Jörg Leichtfried (SPÖ)

Österreich erlebe die schlimmste Teuerungswelle seit Jahrzehnten mit einer Inflation von fünf Prozent: "Warum tun sie nichts dagegen?", fragte Leichtfried die Regierung. Auch müsse man ansehen, was mit der Milliarde an staatlichen Mehreinnahmen durch die Inflation passiert sei: "Die haben Sie den Superreichen durch die Senkung der Körperschaftssteuer in den Rachen geschoben."

Dabei seine etwa für Pensionisten die Preissteigerungen fast nicht mehr zu heben: "Sie haben zu verantworten, dass es den Menschen in Österreich schlecht geht." Die SPÖ will etwa, dass die Pensionserhöhung auf Mitte des Jahres vorgezogen wird. Auch für die Jungen möchte man Verbesserungen, indem die Studienbeihilfe um zehn Prozent erhöht werden soll. Schließlich pocht man auf die Einführung eines Winterzuschusses in der Höhe von 300 Euro für Haushalte mit niedrigeren Einkommen.

Dem hielt Plakolm Maßnahmen entgegen, die schon in Kraft sind oder vor dem Beschluss stehen. Neben Zuwendungen durch die ökosoziale Steuerreform wie die weitere Erhöhung des Familienbonus hob sie hervor, dass diese Woche im Nationalrat der Teuerungsausgleich für niedrige Einkommen verdoppelt werde. Dazu komme der Heizkostenausgleich: "Niemand soll in Österreich in einer kalten Wohnung sitzen müssen, weil die Heizkosten zu hoch sind."

Dass die Teuerung von Österreich alleine nicht gebremst werden kann, ist für die Staatssekretärin klar. Es handle sich um eine weltweite Entwicklung, die man nur begrenzt beeinflussen könne, verwies Plakolm unter anderem auf internationale Lieferengpässe und die aktuelle Zinspolitik.

📽️ Video | Claudia Plakolm (ÖVP)


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