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„Der Mann, der seine Haut verkaufte“: Hautsache Kunst

„Der Mann, der seine Haut verkaufte“ stellt die Bigotterie des Kunstmarktes und des Westens aus.

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Sam (Yahya Mahayni) kann als „lebendige Leinwand“ durch die Welt reisen. Doch ist er als Kunstwerk wirklich frei?
© Filmladen

Innsbruck – Das Schengen-Visum, das sich Sam (Yahya Mahayni) auf den Rücken tätowieren lässt, ist Kunst. Und es hat Sam einen Ausweg aus der Misere Syriens und der Illegalität in Beirut ermöglicht. Zunächst jedenfalls, denn das Kunstwerk auf seinem Rücken macht ihn auch zum Spekulationsobjekt der blasierten Kunstbetriebsblase. Angeleitet von einer Kunstmarktauskennerin, die den schönen Namen Soraya Walde (Monica Bellucci) trägt, und dem zynischen Grokünstler Jeffrey Godefroi (Koen De Bow), der „das System“ mephistotelisch verteufelt und auch daher wie für dieses System gemacht scheint, trägt Sam als lebende Leinwand sprichwörtlich seine „Haut zu Markte“. Und irgendwann findet sich auch ein Sammler dafür. Dessen Assistent spekuliert vor laufender Kamera über Sams Ableben. Eine Explosion, meint er, wäre wohl wertmindernd.

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📽️ Trailer | „Der Mann, der seine Haut verkaufte“

„Der Mann, der seine Haut verkaufte“ war 2021 der erste Film der tunesischen Filmgeschichte, der für den Auslandsoscar nominiert war. Regisseurin und Drehbuchautorin Kaouther Ben Haniab beginnt ihren Film als Geflüchtetendrama, dann wird er zum liebenswerten Liebesslapstick – Sam will nach Europa, um die einem anderen versprochene Abeer (Dea Liane) zurückzuerobern – und entwickelt sich zur scharfkantigen Satire auf die Bigotterie des westlichen Kunstdiskurses, der sich bei Vernissagen, Messen und in der dazu gelieferten Kuratorenlyrik als humanistisch oder gesellschaftskritisch gefällt. Solange die Zahlen stimmen und mit der Freiheit, die beschworen wird, vornehmlich die eigene gemeint ist. (jole)

Der Mann, der seine Haut verkaufte. Ab 16 Jahren. Ab heute in den Kinos. In Innsbruck: Cinematograph.

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