Krieg in Ukraine

Ukrainerin Valentyna Kogler: „Viele Russen entschuldigen sich“

Die Ukrainerin Valentyna Kogler spricht davon, dass bei diesem Krieg Brüder und Schwestern gegeneinander kämpfen müssen.
© Rudy De Moor

Nicht nur in der Ukraine, auch in Russland ist die Bestürzung über den Krieg groß.

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Bei Valentyna Kogler steht das Telefon seit einigen Tagen kaum still. Es sind Anrufe und Nachrichten aus ihrer alten Heimat Odessa, der Perle am Schwarzen Meer im Südwesten der Ukraine. Dort sehen ihre Eltern, Verwandte und Freunde nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine einer ungewissen Zukunft entgegen.

Valentyna Kogler, verheiratet mit dem ehemaligen Innsbrucker Gemeinderat Christian Kogler, lebt in Innsbruck und arbeitet als Russischlehrerin. „Ich bin Ukrainerin, meine Muttersprache ist aber Russisch“, erklärt sie. Durch ihren Beruf – sie unterrichtet derzeit in Tirol rund 150 Kinder und Jugendliche – hat sie neben ihren persönlichen und familiären Beziehungen in die Ukraine auch viele Kontakte zu russischen Familien. Und von dort erhält sie dieser Tage sehr viel Zuspruch. „Viele Russen verstehen nicht, warum die Ukraine angegriffen wurde. Sie entschuldigen sich sogar dafür bei mir“, berichtet Valentyna Kogler. Und zwar nicht nur Russen in Österreich, sondern auch Russen in Russland. Erst unlängst habe sie eine entsprechende Nachricht aus Sankt Petersburg bekommen.

Der Krieg spiegle auch in keiner Weise das russisch-ukrainische Verhältnis wider. „Jede Familie in der Ukraine hat Verwandte in Russland. Was hier gerade passiert, ist ein Krieg, bei dem Brüder und Schwestern gegeneinander kämpfen müssen“, betont Valentyna Kogler, die bevor sie nach Österreich gekommen ist, zwölf Jahre in Odessa als Sportlehrerin gearbeitet hat. Es sei auch nie ein Thema gewesen, ob jemand russisch oder ukrainisch spricht. Eine gemeinsame Geschichte und die familiären Bande hätten Russen und Ukrainer bisher stets verbunden. Dass ausgerechnet die beiden nun einen blutigen Krieg kämpfen, mache keinen Sinn. „Am Ende sind wir doch alle Bürger der Erde“, schüttelt Valentyna Kogler den Kopf.

Sie und ihr Mann werden in den kommenden Tagen eine junge Frau – die Tochter eines Freundes aus der Ukraine – bei sich aufnehmen und ihr in Tirol Schutz vor dem Krieg bieten. Dabei sind sie nicht die Einzigen, die so helfen wollen: Eine Bekannte von Valentyna Kogler, die ein kleines Hotel in Tirol betreibt, habe sich ebenfalls bereit erklärt, ukrainische Flüchtlinge aufzunehmen. Die Frau hat russische Wurzeln.

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