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Die taffe Optimistin an der Spitze des AMS Tirol

Sabine Platzer-Werlberger ist stellvertretende Landesgeschäftsführerin des AMS Tirol. Ihr Weg an die Spitze der Institution verlief weder geradlinig noch glatt. Mit viel Engagement, viel Optimismus und dem entscheidenden Quäntchen Mut gestaltete sie ihre Karriere und sagt: „Es ist der schönste Job der Welt.“

Optimismus, ein langer Atem und sich gut vernetzen können braucht es am Weg nach oben, meint AMS-Vizechefin Sabine Platzer-Werlberger.
© Christian Forcher

Frauen, die schon erfolgreich sind oder erfolgreich sein wollen, werden gerne mit Klischees konfrontiert, die zwischen dümmlich und beleidigend changieren. Kennen Sie das? Haben Sie das erlebt?

Sabine Platzer-Werlberger: Ich kenne das natürlich. Bevor ich die „klassische“ Karriere gemacht habe, war ich Gleichstellungsbeauftragte im AMS und immer wieder für die Weiterentwicklung bestimmter Projekte zuständig. Speziell im Gleichstellungsbereich habe ich am meisten blöde Sprüche abgekriegt. So in die Richtung: Was hat denn die erlebt, dass sie sich da engagieren muss. Das passierte verbal aber ganz oft auch nonverbal, indem ich beispielsweise – damals als einzige Frau weit und breit – mit meinem Thema immer die letzte war auf der Tagesordnung. Das hat sich in der Zwischenzeit total verändert, doch das macht etwas mit jungen, aktiven Frauen. Was mich mittlerweile nervt und vom Klischee her begleitet, sind fast schon kondolenzmäßig gestellte Fragen, wie: Mei, wie geht’s dir denn? Wie schaffst du das nur? Warum tust du dir das an?

Kosten diese Seitenhiebe Energie?

Platzer-Werlberger: Ja, das ist anstrengend. Ich habe es aber schon immer gut geschafft, mir die Dinge in der Reflexion zu erklären und habe immer wieder Coaching in Anspruch genommen. Trotzdem gab es Momente, in denen es mir nicht so gut gegangen ist. Das sind dann die Momente, in denen man sich an der Vision festhalten muss. Da muss man schon genau wissen, warum man es macht. Im AMS gibt es längst ein schönes, sehr breites Führungsverständnis und Leitbild. Das läuft jetzt sehr gut, aber es war ein harter Weg.

Sie selbst waren die erste Akademikerin in Ihrer Familie und mussten feststellen, dass eine „höhere“ Ausbildung in den 1980er Jahren leichter war, als heute. Wie erklären Sie diesen Rückschritt, der - wie die meisten Ungleichheiten - eben auch Frauen trifft?

Sie alle haben den Karrieresprung gewagt und sich vorher gut beraten lassen. Erfolgsstorys gefördert durch das AMS.
© M. Nachtschatt, carpe lucem photography, privat

Platzer-Werlberger: Das hängt ganz stark mit dem Schul- und Ausbildungssystem zusammen. Diese frühe Trennung, wenn sich mit 10 Jahren die Wege aufteilen, ist ganz schlimm. Bei mir war es so, dass die meisten Mädels in die Hauptschule gegangen sind und die Burschen eher ins Gymnasium. Man hat aber Förderung auch für diese allgemeinbindenden Fächer erfahren und für Mädchen, die ein gutes Zeugnis hatten, war der Schritt ins Gymnasium gar nichts so besonderes. Die Atmosphäre war damals sehr offen für Bildung. Wir haben eigentlich ein tolles System, aber Bildung wird heute mehr denn je vererbt. Laut Studien verlassen nur 19 % der Akademikerkinder die Schule vor der Matura, jedoch 63 % der Arbeiterkinder. In Deutschland ist es ähnlich.

Ist die in Österreich nach wie vor nicht gewollte Ganztagsschule der Grund?

Platzer-Werlberger: Ja, davon bin ich überzeugt. Speziell zwischen 10 und 16 Jahren braucht es eine gute Förderung. Alle gemeinsam ist nach wie vor meine große Vision, weil man sonst nicht von Chancengleichheit reden kann. Der zweite große Hemmschuh sind die Kinderbetreuung und die Arbeitsverteilung. Da liegt speziell in Tirol viel im Argen. Doch bin ich immer sehr optimistisch und vielleicht ist es jetzt, wo derart viele Fachkräfte fehlen, so weit, dass sich das ändert.

Tirol ist im Zusammenhang mit Gleichberechtigung nicht das allerbeste Vorbildland. In diesem Setting sind Sie ein Vorbild. Fühlen Sie sich so?

Freizeit, Freunde, Familie und Hobbies sind für Platzer-Werlberger ebenso wichtige Bausteine, um auf Dauer erfolgreich zu sein.
© Platzer-Werlberger

Platzer-Werlberger: Vorbild ist ein starker Begriff, aber ich weiß, dass es ganz wichtig ist, dass Frauen in ihrer ganzen Vielfalt und Stärke sichtbar und auch mit Führung verbunden werden. Vor dem Hintergrund bin ich vielleicht tatsächlich ein Role Model. Chefin oder Führungskraft zu werden, war am Anfang aber nie mein Ziel. Ich wollte nach dem Studium eine Fachkarriere machen und mich nebenbei vielleicht politisch engagieren oder schreiben. Ich wollte irgendetwas ganz spannendes machen, aber sicher keine klassische Führungskarriere. Das ist mich dann tatsächlich angesprungen.

Wie war die Umstellung nach dem Sprung auf die Führungsebene?

Platzer-Werlberger: Ich habe schnell erkannt, dass das wirklich meine Ebene ist – weil ich sehr schnell entscheiden, entwickeln und motivieren konnte. Die Führung gibt einem Freiheit. Das ist eine schöne Geschichte, wenn das Gesamtpaket passt. Es gibt natürlich Menschen, denen es um den Management-Faktor geht. Ich bin da eher der Leadership-Typ, es muss also auch die inhaltliche Ebene passen. Es muss geerdet sein.

Ist die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, überhaupt eine Kategorie in Ihrem Arbeitsalltag?

Platzer-Werlberger: In einem ersten Impuls würde ich sagen, eigentlich nicht. Mein Frausein hat mich aber so geprägt, dass es für alles – beispielsweise wie ich Themen anpacke und kommuniziere – schon eine wichtige Kategorie ist. Mittlerweile stellen Frauen im AMS schon mehr als die Hälfte aller Führungskräfte, aber ich habe auch Zeiten erlebt, in denen ich die einzige Frau war. Ich spüre da schon Unterschiede im Zugang. Ja, ich glaube ich mache den Job anders, weil ich eine Frau bin.

Das AMS bietet Frauen die Möglichkeit sich in neuen Berufen auszuprobieren. Beispiel: Frauen in Handwerk und Technik, Vorbereitung.
© carpe lucem photography

Gibt es einen Punkt, ab dem sie den Job hinwerfen würden?

Platzer-Werlberger: Ja. Ich würde ihn sofort hinwerfen, wenn ich merken würde, dass ich keine Zeit mehr für andere Dinge habe. Ich kann den Job mit all der Verantwortung nur machen, wenn ich meine Freizeitphasen habe, Zeit mit meiner Familie und meinem Freundeskreis, meinen Hobbys – sonst geht es bei mir nicht. Vor dem Hintergrund waren diese zwei Corona-Jahre ein Wahnsinn. Das Gesamte Sein und Tun war nur die Arbeit. Das waren wirklich harte Zeiten. Die haben mich fast geknackt.

Können Sie persönliche Eigenschaften nennen, die bei der Bewältigung der jüngsten Wahnsinns-Jahre aber auch zuvor entscheidend waren?

Platzer-Werlberger: Ich weiß, ich habe einen langen Atem und weiß, dass man ihn nicht bei 25 Dingen gleichzeitig haben kann. Ich habe immer Projekte, bei denen ich ganz lang dranbleiben kann, bin eine absolute Teamworkerin. Einige Dinge muss man in meiner Position allein erledigen, aber ansonsten kann ich gut vernetzen, Menschen zusammenbringen, motivieren und positive Stimmung erzeugen. Ich bin sehr robust, stressresistent und optimistisch.

Angst beginnt im Kopf. Mut tut das auch. Haben Sie einen Tipp für Frauen, die erfolgreich sein oder bleiben und ein selbstbestimmtes Leben leben wollen?

Platzer-Werlberger: Ich habe wenig Angst, auch nicht die Angst, zu scheitern. Wenn ich Gegenwind erlebe, tut mir das nicht so viel. Vielleicht ist es ein Tipp, dass man sich selber gegenüber eine bestimmte Großzügigkeit leisten darf. Wenn man die Angst überwindet, mutig ist und sich für eine Führungsposition bewirbt, kann man wirklich sehen, dass es eine bestimmte Freiheit und echte Gestaltungsmöglichkeit gibt. Es lohnt sich.

Ein Interview von Alexandra Keller

Das AMS Tirol bietet Frauen Karriere

Nicht nur als Mitarbeiterin kann man beim AMS Karriere machen, auch für Arbeit suchende Frauen bieten sich viele Möglichkeiten. Beispielsweise Ausbildungen über Arbeitsstiftungen wie Qualifizierung nach Maß.

Will man neue Wege gehen, sollte man auf alle Fälle das Fachkräftestipendium oder das Weiterbildungsgeld (auch für Teilzeit möglich) checken.

Ein besonders tolles Programm für Frauen ist FIT, Förderung von Berufsausbildungen für Frauen in Handwerk und Technik.

Wenn man unsicher ist, weil man zu viele oder gar keine Ideen hat, dann ist die Bildungs- und Berufsberatung immer eine gute Idee.

Sie brauchen Rat? Mail an biz.tirol@ams.at.

Karriere ist individuell

Abigel Schneider hatte keine abgeschlossene Ausbildung, jetzt macht Sie die Lehre zur IT-Fachkraft.

Katharina Girsule, ging es ähnlich, sie wechselte von der Falknerei zur IT und hat den Abschluss schon in der Tasche.

Christina Steixner war Friseurin und hat sich in den Werkstoff Metall verliebt. Über FiT – Frauen in Handwerk und Technik machte Sie den verkürzten Lehrabschluss Metalltechnikerin und sagt: „Ich bin im richtigen Beruf angekommen.“

Es gibt viele Wege und auch ein Umweg schadet nicht. Folgen Sie Ihren eigenen Interessen und Wünschen und holen Sie sich Rat und Unterstützung.

Interesse an einem FiT-Beruf? www.ams.at/fit

Mail: fit.tirol@ams.at


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